EU-Parlament: Noch keine Einigung zum Thema Verbrenner

21.10.2026 09:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
EU_Flagge_Parlament
Im Europaparlament suchen die großen Fraktionen eine gemeinsame Position zur geplanten Lockerung beim sogenannten „Verbrenner-Aus“
©Foto: Europäische Union/ Christophe Licoppe

Zuletzt kam Bewegung in die Debatte um die Lockerung des sogenannten „Verbrenner-Aus“, auch im Europaparlament wird verhandelt, wobei eine Einigung nicht in Sicht scheint.

Die beiden großen Fraktionen im Europaparlament ringen um eine gemeinsame Position zur geplanten Lockerung beim sogenannten „Verbrenner-Aus“. Die Sozialdemokraten kündigten am Dienstagabend, 20. Oktober, in Straßburg an, noch keine endgültige Einigung zu sehen. „Wir müssen das Thema innerhalb unserer Fraktion weiter diskutieren“, sagte die Vorsitzende der nach der EVP zweitstärksten Fraktion im Parlament, Iratxe García Pérez (S&D). Möglicherweise werde erst in den nächsten Monaten klar sein, ob eine Einigung möglich sei.

Zuvor hatte es zunächst so ausgesehen, als würde es einen Durchbruch geben. Unterhändler der konservativen EVP, der sozialdemokratischen S&D und der liberalen Fraktion Renew Europe hatten sich in der Nacht zu Dienstag auf einen Kompromiss verständigt. Dieser sieht vor, eine weitreichende Aufweichung des Verbrenner-Aus an die Verwendung von sogenanntem grünem Stahl zu knüpfen.

Vorstoß von Frankreich und Deutschland

Darüber hatte zuerst der „Spiegel“ berichtet. Unterstützung bekamen die Unterhändler im Laufe des Tages von der EVP- und der Renew-Fraktion. Eine Einigung der drei Fraktionen, die zusammen mit 398 von derzeit 719 Abgeordneten eine Mehrheit im Parlament stellen, könnte den Weg für eine EU-weite Entscheidung zur künftigen Zulassung von Pkw mit Verbrennungsmotoren ebnen.

Die Entscheidung muss von den Mitgliedstaaten und dem Parlament gemeinsam getroffen werden. Deutschland und Frankreich hatten vergangene Woche vorgeschlagen, dass Autohersteller die durchschnittlichen CO2-Emissionen ab 2035 im Vergleich zum Basisjahr 2021 nur um 90 Prozent reduzieren müssen, ohne die verbleibenden zehn Prozent kompensieren zu müssen. Einen Ausgleich durch grünen Stahl haben sie anders als jetzt die Parlamentsunterhändler hier nicht vorgesehen.

Weber sieht Aus für den Verbrennermotor vom Tisch

Das Papier zur nicht verbindlichen Verständigung im Parlament, das auch der „Deutschen Presse-Agentur“ vorliegt, sieht unter anderem vor, dass der CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU bis zum Jahr 2035 um 95 Prozent zurückgehen soll. Verbauen die Hersteller klimafreundlich hergestellten Stahl, dürfen sie um weitere 7,5 Prozentpunkte nach unten ausscheren, ohne Strafzahlungen fürchten zu müssen. Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, die Pläne für ein striktes Verbrenner-Aus anzupassen.

Manfred Weber (CSU), Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), nannte die Verhandlungsfortschritte eine gute Nachricht „für hunderttausende Beschäftigte in der europäischen Automobilindustrie“ und einen Erfolg für die europäische Automobilindustrie. „Das Aus für den Verbrennungsmotor ist damit vom Tisch.“ Zugleich halte man am Anspruch fest, wirksamen und ambitionierten Klimaschutz mit einer wettbewerbsfähigen Industrie zu verbinden.

Unterschiedliche Positionen bei EVP und Grünen

Peter Liese, klimapolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, hob den „klar definierten Anreiz für grünen Stahl“ hervor. „Das ist wichtig für viele Arbeitsplätze in Deutschland, zum Beispiel in Duisburg, im Saarland und in Salzgitter.“

Der Europaabgeordnete Michael Bloss (Grüne), der das Dossier mitverhandelt, kritisierte die Einigung dagegen. „Die Autoindustrie braucht Klarheit und Planungssicherheit und bekommt Chaos. Dieser erste Deal fällt noch hinter das zurück, was Deutschland und Frankreich vereinbart haben.“ Er verzögere den Hochlauf der E-Autos und werfe europäische Autobauer im internationalen Wettbewerb zurück.


VR Funk - der Podcast der VerkehrsRundschau

Mit aktuellen Hintergrundinformationen, Interviews und Einschätzungen rund um Transport, Logistik, Spedition und Nutzfahrzeuge hält Sie die VR-Redaktion gemeinsam mit Experten der Branche auf dem neuesten Stand. Ob unterwegs, im Büro oder zuhause: Hören Sie rein und bleiben Sie informiert über Themen, die bewegen. Neue Folgen erscheinen immer donnerstags und sind verfügbar bei

Spotify

Deezer

Apple Podcasts

Audible

Sie haben Fragen, Ideen oder wollen gerne Teil unseres Podcasts werden? Dann melden Sie sich gerne bei Tabea Schulz unter tabea.schulz@tecvia.com


HASHTAG


#EU-Parlament

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Automatenfahrer (m/w/d)

Garching bei München

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.