Logistik 2026 und 2027: Kommt jetzt der Aufschwung?

21.10.2026 08:05 Uhr | Lesezeit: 3 min
Eine Schiffswerft der Landungsbrücken bei Sonnenuntergang im Hamburger Hafen.
Der Wirtschaftsbereich Logistik in Deutschland wächst laut der Prognose in diesem Jahr verhalten
©Foto: mf-guddyx

Der Gipfel der Logistikweisen korrigiert seine Prognosen in der Logistik für 2026 überraschend nach oben. Was das Wachstum treibt, und wie es 2027 in der Logistik weiter geht.

Der Wirtschaftsbereich Logistik in Deutschland wächst in diesem Jahr überraschend, aber verhalten. Zu diesem Ergebnis kommt der Gipfel der Logistikweisen bei seinem Herbsttreffen. So erwarten die Experten für 2026 ein Wachstum von knapp ein Prozent real und rund vier Prozent nominal.

Noch vor wenigen Monaten galt ein reales Wachstum der Logistik als unwahrscheinlich. Doch die Gesamtwirtschaft wächst um mehr als ein Prozent -  trotz des Iran-Konflikts, hoher Energiepreise, wachsender Konkurrenz aus China und anhaltender Strukturprobleme. Als Wachstumstreiber benennen die Logistikweisen insbesondere:

  • Das Auffüllen von Lagern aus Sorge vor Lieferengpässen,
  • Die daraus resultierenden Exporte,
  • Die hohen Nachfrage nach Elektronik und Ausrüstungen für KI-Rechenzentren.

Niedrigwasser wirkt sich negativ aus

Die Verteidigungsindustrie wachse ebenfalls, heißt es. Wegen ihres geringeren Logistikanteils am Umsatz könne sie allerdings die Verluste an anderer Stelle nicht ausgleichen.

Gebremst wird laut dem Expertengremium die wirtschaftliche Entwicklung dagegen durch die weiterhin verhaltenen Investitionen von Unternehmen und privaten Haushalten. Außerdem binde das Thema Cybersecurity Ressourcen, die für Projekte zur Produktivitätssteigerung fehlen. Das Niedrigwasser im Rhein habe vor allem die Chemiebranche getroffen; auf die Gesamtentwicklung der Logistik habe es sich aber nur wenig ausgewirkt.

Anforderungen in der Logistik werden weiter steigen

Wachstumsimpulse erwarten die Logistikweisen im Jahr 2027 insbesondere aus der Bau-, Elektronik-, Maschinenbau- und Konsumgüter-Branche, die sich tendenziell positiv entwickeln. Die Automobil-, Chemie- und Gebrauchsgüter-Branche würden dagegen im kommenden Jahr stagnieren. Alles in allem müssen sich Logistikdienstleister aber wohl darauf einstellen, dass die Anforderungen in der Logistik wohl weiter steigen werden, die Mengen aber insgesamt geringer werden – selbst in den genannten Wachstumsbranchen.  Außerdem dürften die Kosten laut dem Expertengremium im kommenden Jahr insgesamt etwa in Höhe der Inflation weiter zulegen. Stärkster Treiber seien da die Personalkosten. Gute Nachricht immerhin für 2027: Bei den Insolvenzen sieht der Expertenkreis den Höhepunkt 2026 überschritten, viele Unternehmen bleiben aber unter Druck. Beim Personal entspanne sich die Lage langsam.

Drei unterschiedliche Szenarien

Angesichts der weiterhin unsicheren Lage in der Logistik haben die Logistikweisen für 2027 drei Szenarien erstellt:

  • Im „Trend-Szenario“ wächst die Logistik im Jahr 2027 dem Expertenkreis zufolge real um 1,0 Prozent und nominal um 3,6 Prozent. Die Logistikinflation bleibe damit weiterhin hoch und herausfordernd, heißt es.
  • Im „Best Case”-Szenario legt die Logistik dagegen real um + 1,6 Prozent zu und nominal um + 5,0 Prozent. Voraussetzung dafür sei aber, so die Experten, dass die Investitionen stärker wachsen als erwartet und sich die geopolitischen Spannungen beruhigen.
  • Im „Worst Case-Szenario” wächst die Logistik real um +0,2 Prozent und nominal +3,2 Prozent. In diesem Fall wirken laut den Logistikweisen die Vorzieheffekte aus 2026 negativ nach, ungelöste Konflikte bremsen die Schlüsselindustrien, und ein Preiskampf lässt die Margen schrumpfen. Insgesamt überwiegen für 2027 die Risiken. Chancen eröffnen sich vor allem durch Investitionen.

Risiken überwiegen die Chancen

Die Spannweite der Szenarien zeigt, wie unsicher die Lage bleibt.

  • Best Case: real +1,6 Prozent, nominal +5,0 Prozent. Voraussetzung ist, dass Investitionen stärker zulegen als erwartet und sich die geopolitischen Spannungen beruhigen.
  • Worst Case: real +0,2 Prozent, nominal +3,2 Prozent. In diesem Fall wirken die Vorzieheffekte aus 2026 negativ nach, ungelöste Konflikte bremsen die Schlüsselindustrien, und ein Preiskampf lässt die Margen schrumpfen. Insgesamt überwiegen für 2027 die Risiken. Chancen eröffnen sich vor allem durch Investitionen.

Logistik als unsichtbare Schlüsselindustrie stärken

Als drittgrößter Wirtschaftszweig in Deutschland mit rund 3,3 Millionen Beschäftigten ist die Logistik in der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent als die traditionellen Schlüsselindustrien. Der Expertenkreis hat deshalb sein Maßnahmenpaket aktualisiert und um politische Rahmenbedingungen erweitert. Kernvorschlag ist eine mit der Wirtschaft abgestimmte „Agenda 2030 Logistik“, flankiert von einer Kampagne „Logistik Made in Germany“.

Hintergrund: Über die Initiative

Die Initiative zur Prognose der Entwicklung des Logistikstandorts Deutschland wurde 2013 von Christian Kille (THWS) und Markus Meißner (AEB SE) gegründet. Der unabhängige Expertenkreis mit wissenschaftlicher und praktischer Expertise tagt zweimal jährlich. Im Frühjahr werden relevante Themen identifiziert, im Herbst die Prognose entwickelt. Der vollständige Jahresbericht 2027 wird im ersten Quartal 2027 veröffentlicht. 


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