EU‑Streit um Zusatzgewicht für emissionsfreie Lkw

12.05.2026 12:48 Uhr | Lesezeit: 3 min
Ein grüner E-lkw lädt an einer Ladesäule
Emissionsfreie Lkw: Verbände warnen vor Scheitern der Reform (Symbolbild)
© Foto: Tondone/Stock.adobe.com

IRU und T&E warnen vor einem Scheitern der EU‑Verhandlungen zu Gewichten und Maßen. Ohne Gewichtszulagen drohen Investitionshemmnisse für emissionsfreie Lkw.

Die Internationale Straßentransport‑Union (IRU) und die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) haben die EU‑Institutionen gemeinsam aufgefordert, eine Einigung bei der Überarbeitung der Richtlinie zu Gewichten und Maßen für Nutzfahrzeuge zu erzielen. In koordinierten Schreiben an den zuständigen EU‑Kommissar Apostolos Tzitzikostas, die zyprische EU‑Ratspräsidentschaft sowie an die Verhandlungsführerin des Europäischen Parlaments Rosa Serrano Sierra warnen beide Verbände vor einem Scheitern der laufenden Gespräche.

Im Kern geht es um Regelungen, die den praktischen Einsatz emissionsfreier Schwerlastfahrzeuge ermöglichen sollen. Vorgesehen sind unter anderem Gewichtskompensationen, um die höhere Masse von Batterien oder Wasserstoffsystemen auszugleichen und so Nutzlast und Wirtschaftlichkeit zu sichern.

Investitionssicherheit für Betreiber in Gefahr

IRU und T&E betonen, dass ein Scheitern der Reform erhebliche Unsicherheiten für Transportunternehmen schaffen würde, die aktuell in emissionsfreie Lkw investieren oder entsprechende Investitionen planen. Ohne angepasste Gewichtsregelungen könne der Markthochlauf weiter ausgebremst werden.

Nach Ansicht der Organisationen besteht zudem das Risiko, eine wichtige Chance zu verpassen: Selbst der vorsichtigere Kompromissvorschlag des Rates würde bereits spürbare betriebliche Verbesserungen bringen. Bleibt auch dieser aus, könnte das Vertrauen in die praktische Umsetzbarkeit der Dekarbonisierung im Straßengüterverkehr weiter sinken.

Gewichtszulagen als zentrale Voraussetzung

Aus Sicht der IRU ist klar, dass emissionsfreie Fahrzeuge systembedingt schwerer sind als dieselbetriebene Lkw. Eine zusätzliche Gewichtszulage sei daher entscheidend, um zu verhindern, dass Investitionen wirtschaftlich unattraktiv werden.

Zwar sehen beide Organisationen noch Spielraum für weitergehende Flexibilität. Gleichzeitig erkennen sie jedoch die Infrastrukturbedenken vieler Mitgliedstaaten an. Bereits eine moderate Verbesserung gegenüber dem aktuellen Rechtsrahmen werde als wichtiger Schritt für einen schrittweisen Übergang gewertet.

Klimaschutz braucht praktikable Regeln

Auch T&E unterstreicht die Bedeutung der geplanten Änderungen. Höhere zulässige Gewichte für Elektro‑Lkw würden es ermöglichen, gleiche Transportmengen mit größeren Batterien und höheren Reichweiten zu bewegen. Das gilt als zentraler Hebel für die Dekarbonisierung des Güterverkehrs.

Der Vorschlag des Rates gilt zwar als weniger ambitioniert, erlaubt aber je nach Fahrzeugkonzept bis zu vier Tonnen Mehrgewicht. Aus Sicht von IRU und T&E ist dies dennoch ein relevanter Fortschritt, der nun politisch abgesichert werden müsse.

Aufruf an EU‑Entscheidungsträger

Beide Organisationen appellieren an Rat und Parlament, auf den bereits erzielten Verhandlungsfortschritten aufzubauen und einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen. Ziel müsse ein verlässlicher, praxistauglicher Rechtsrahmen sein, der Investitionen in emissionsfreie Nutzfahrzeuge ermöglicht und den Beitrag des Straßengüterverkehrs zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors stärkt.

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