Die Frachtraten im europäischen Straßengüterverkehr sind zu Beginn des Jahres 2026 vor allem durch steigende Kosten beeinflusst worden. Gleichzeitig lag die Transportnachfrage im 1. Quartal 2026 rund acht Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das geht aus dem Bericht „European Road Freight Rate Development Benchmark Q1 2026“ von IRU, Upply und Ti hervor, auf den der DSLV in einem Rundschreiben verweist.
Auffällig ist laut Bericht die zunehmende Divergenz zwischen Vertragsraten und Spotraten. Kurzfristig rechnen die Autoren weiterhin mit steigenden Frachtraten, vor allem kostengetrieben.
Im 1. Quartal 2026 kletterten die Vertragsraten weiter und erreichten einen Indexwert von 140,1 Punkten. Das entspricht einem Plus von 3,2 Punkten gegenüber dem Vorquartal und 8,9 Punkten im Jahresvergleich. Die Spotraten entwickelten sich dagegen gegensätzlich: Sie fielen auf 132,3 Punkte (–2,8 Punkte zum Vorquartal; –2,0 Punkte zum Vorjahr).
Der Bericht ordnet Vertragsraten als stärker an die Industrieproduktion gekoppelt ein: Steigende Produktionsvolumina erhöhen die Nachfrage nach vertraglich gesicherten Kapazitäten – und erleichtern die Weitergabe steigender Kosten. Spotmärkte reagieren dagegen empfindlicher auf kurzfristige Schwankungen.
Auch im deutschen Markt zeigt sich das Muster. Im März 2026 lagen die Spotraten bei 129,3 Punkten und damit sowohl im Quartals- als auch im Jahresvergleich im Minus. Die Vertragsraten erreichten 144,6 Punkte. Gegenüber dem Vorquartal entspricht das einem leichten Plus von 0,4 Punkten, im Jahresvergleich liegt der Wert jedoch 4,3 Punkte niedriger. Auf einzelnen Relationen – etwa Duisburg–Lille, Madrid–Duisburg und Warschau–Duisburg – wurden signifikante Steigerungen bei Kontraktraten beobachtet.
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone lag mit 51,6 Punkten wieder im expansiven Bereich, das Produktionsniveau erreichte ein Mehrmonatshoch. Gleichzeitig bleibt die Konsumnachfrage laut Bericht schwach; reale Einkommen stehen unter Druck. Geopolitische Risiken – insbesondere im Nahen Osten – belasten zusätzlich die Erwartungen.
Das Transportvolumen lag im Quartal insgesamt etwa zehn Prozent unter dem Vorjahr im Außenhandel und rund drei Prozent in der Bauwirtschaft. Neben konjunkturellen Faktoren wirkten saisonale Effekte dämpfend. Zudem wird eine strukturelle Verschiebung zu längeren Distanzen beschrieben, wodurch die Verkehrsleistung (Tonnenkilometer) weniger stark sinkt als das Transportaufkommen.
Die Kostenseite bleibt laut Bericht der stärkste Treiber. Der durchschnittliche Dieselpreis in der EU stieg im Verlauf des 1. Quartals im Zuge des Nahost‑Konflikts von 1,56 auf 1,96 Euro je Liter (plus 26 Prozent). Deutschland gilt dabei als wesentlicher Treiber: Zwischen Dezember und März wird ein Plus von 35 Prozent genannt, zudem setzte der Preisanstieg dort früher ein als in anderen großen EU‑Ländern.
Auch alternative Kraftstoffe verteuerten sich: HVO stieg in Deutschland im gleichen Zeitraum um rund 30 Prozent auf zuletzt etwa 2,50 Euro je Liter und blieb damit teurer als konventioneller Diesel. Beim Gas zeigt sich ebenfalls Spannung: Der Referenzpreis TTF stieg im ersten Quartal von 28 auf 50 Euro je Megawattstunde, während Deutschlands Speicherfüllstand mit acht Prozent als besonders niedrig beschrieben wird. Die CNG‑Preise stiegen bislang moderat, erste stärkere Dynamiken seien aber erkennbar.
Zusätzlich wirken Mautanpassungen in mehreren Ländern kostensteigernd – mit höheren Gebühren und stärker emissions‑ bzw. streckenbezogenen Modellen, insbesondere auf stark frequentierten Korridoren.
Der Fahrermangel bleibt ein zentraler Engpass: EU‑weit waren 2025 laut Bericht 12,1 Prozent der Fahrerstellen unbesetzt; Deutschland zählt zu den besonders betroffenen Märkten. Rückläufige Lkw‑Neuzulassungen deuten zudem auf eine verlangsamte Flottenerneuerung und gedämpfte Kapazitätsausweitung hin – mit möglicher Verknappung mittelfristig.
Für 2026 wird in Europa ein moderates Wachstum der Verkehrsleistung von 1,3 Prozent erwartet, allerdings bei hoher Unsicherheit (Energiepreise, geopolitische Konflikte, schwacher Konsum, handelspolitische Spannungen). Für die kommenden drei Monate prognostiziert der Bericht steigende Frachtraten. Der European Road Freight Sentiment Index stieg im 1. Quartal um 6,2 Punkte auf 16,9 Punkte – wobei ein Teil der Befragung noch vor Ausbruch des Nahost‑Konflikts lag.