Zusatzangebot Binnenschifffahrt: Die Lehrgangsreihe Quinwalo

22.07.2026 14:25 Uhr | Lesezeit: 3 min
Frank Wittig, Vorsitzender der Schifferbörse, im Diskurs bei einem Quinwalo-Lehrgang.
Frank Wittig, Vorsitzender der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort, bei der Lehrgangsreihe Quinwalo. Das Programm vermittelt Azubis praxisnahe Einblicke in die Binnenschifffahrt
© Foto: Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort e.V.

Mit der Lehrgangsreihe Quinwalo will die Schifferbörse Duisburg-Ruhrort Auszubildende für die Binnenschifffahrt sensibilisieren. Seminare, Unternehmensbesuche und der Austausch mit Praktikern sollen eine Lücke in der Logistikausbildung schließen.

Quinwalo steht für Qualification Inland Waterway Logistics. Es ist eine von der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort organisierte Lehrgangsreihe für Azubis für Spedition und Logistikdienstleistungen. Mit dem Lehrgang verfolgt die Schifferbörse als Interessensvertreter der Binnenschifffahrt und Förderer des Austauschs zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung nach eigenen Angaben „das Ziel, die Fach- und Führungskräfte von morgen für die Vorteile und Chancen der Binnenschifffahrt frühzeitig zu sensibilisieren“. Doch was genau steckt dahinter?

Entwicklung des Programms

Jonas Fritz ist Referent für Mobilität und Logistik bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) in Duisburg, die die Geschäftsführung der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort übernimmt. Sein Themenschwerpunkt ist die Wasserstraße und damit auch die Schifferbörse, für die er gemeinsam mit seiner Kollegin Stefanie Wentzel den Quinwalo-Lehrgang plant. 

Er erzählt: „Der Vorstand der Schifferbörse hat 2015 gemerkt, dass Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen während ihrer Ausbildung relativ wenig über den Verkehrsträger Wasserstraße lernen – ein Problem, das es auch heute noch gibt.“ Dies liege an der Ausgestaltung der Lehrpläne, in denen die Straße und ein weiterer Verkehrsträger behandelt werden müssen, aber: „Wenn man nicht gerade an einer großen Wasserstraße sitzt, wird die Binnenschifffahrt in der Regel nicht in die Lehrinhalte übernommen.“

Dies sei aber sogar in direkter Nähe vom Rhein häufig der Fall, bemängelt er. „Hinter Quinwalo steckt die Idee: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wenn ich in der Ausbildung bin und noch nie von der Binnenschifffahrt gehört habe, werde ich mich auch später, wenn ich Disponent oder Disponentin oder sogar Geschäftsführer oder Geschäftsführerin bin, nicht für die Wasserstraße als Medium entscheiden“, erklärt Fritz. Hat man jedoch schon davon gehört und kennt Binnenschiffe, sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass das dann auch Anwendung findet, so der Gedanke.

Diese Lücke sollte gefüllt werden, indem man den Azubis für Spedition und Logistikdienstleistung einen Zusatzlehrgang anbietet. Mittlerweile besuchen auch Azubis aus anderen Logistikbereichen und aus der Binnenschifffahrt selbst den Lehrgang, berichtet er. Das liege einerseits daran, dass viele der Ausbildungsbetriebe auch Mitglied in der Schifferbörse seien und es ihren Azubis empfehlen, wie er vermutet: „Ich denke, es liegt aber auch daran, dass der Lehrgang Einblicke gibt, die die Berufsschule nicht bietet.“ Das sei dem zugrunde liegenden Konzept der Lehrgangsreihe geschuldet.


Konzept der Lehrgangsreihe

Der Quinwalo-Lehrgang besteht aus zwei Teilen: Zu Beginn halten Referierende Seminare zu verschiedenen Themen rund um die Binnenschifffahrt, während im zweiten Teil des Lehrgangs Unternehmensbesuche gemacht werden. Fritz erläutert: „Der Lehrgang ist so aufgebaut, dass zu Beginn Referentinnen und Referenten aus der Binnenschifffahrts- oder aus der Unternehmenspraxis zu bestimmten Themenbereichen referieren, wie etwa zum Thema Hafenlogistik oder über die Wasserstraßen als Infrastruktur.“ Aktuell komme beispielsweise jemand von Duisport, aus einer Reederei und aus dem Wasserbau, berichtet er: „Das sind Menschen aus der Praxis, die die Themen erläutern und aus erster Hand davon berichten, was in diesem Feld passiert und was inhaltlich relevant ist.“

Der zweite Teil ist der Praxisteil also die Unternehmensbesuche, sagt Fritz weiter: „Wir gehen vor allem hier im Duisburger Raum auf Unternehmen zu, die den Azubis einen Blick hinter die Kulissen geben und zeigen, was bei verschiedenen Betrieben in der Binnenschifffahrtspraxis passiert.“ Diese wechseln stets, man versuche aber beispielsweise immer in ein Stahlwerk in Duisburg zu gehen, da die Stahlindustrie ein großer Abnehmer von Binnenschifffahrtsgütern sei, erzählt er. Weitere Betriebe seien etwa ein Container-Terminal, meistens Haeger & Schmidt, das Schulschiff Rhein oder das Schiffer-Berufskolleg Rhein, sowie das DST-Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsystem in Duisburg.

Das Ganze ist von einem Auftakttreffen und einem Abschlusstreffen gerahmt: „Den didaktischen Einstieg macht Björn Bosch vom Walter-Eucken-Berufskolleg Düsseldorf. Da geht es um das persönliche Kennenlernen und darum, das Eis zu brechen, aber auch um das Vorwissen über die Binnenschifffahrt und mögliche Vorurteile.“ Beim Abschlussteil findet dann die Übergabe der Zertifikate statt, erzählt Fritz: „Wir stellen als Schifferbörse eine Urkunde aus, wenn man den Lehrgang erfolgreich abschließt. Beim Abschlusstreffen kommen die Teilnehmenden mit dem Vorstand der Schifferbörse, also mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, in Austausch: Sie können über ihre Optionen sprechen; darüber, wie unterschiedliche Lebenswege und Karrierewege eigentlich aussehen könnten, wenn man jetzt in der Logistik unterwegs ist.“ Die jungen Menschen können hier in einem lockeren Austausch offen Fragen stellen, erklärt er: Die Idee sei, ihnen die Erfahrungen der Geschäftsführerin und Geschäftsführer mitzugeben.



Ablauf des Programms

Die Lehrgänge finden jedes Jahr im Frühjahr statt, 2026 war der Auftakt am 21. April und der Abschluss ist am 23. Juni. In der Regel findet jeden Dienstagnachmittag von 16 bis 18 Uhr ein Kurs statt. Fritz verdeutlicht: „Das Ganze findet in der Regel am Nachmittag statt, weil es als eine zusätzliche Leistung gedacht ist, die die jungen Menschen freiwillig in Anspruch nehmen. Sie investieren ihre Freizeit in ihre berufliche Weiterbildung.“

Es sind um die 20 Azubis in jedem Jahrgang, berichtet er: „Das ist eine gute Gruppengröße für die Seminare und die Unternehmensbesuche.“ Für die Azubis der Mitgliedsunternehmen der Schifffahrtsbörse ist die Lehrgangsreihe kostenlos, da die Teilnahmegebühr Teil des Mitgliedsbeitrags ist, sagt Fritz. Mitglied in dem Verein sind aktuell rund 100 Unternehmen aus der Binnenschifffahrt, Reedereien und Partikuliere, aber auch Industrieunternehmen, die sich für das System Wasserstraße einsetzen oder am System Wasserstraße beteiligt sind. Seit vergangenem Jahr wurde Quinwalo geöffnet, sodass auch Externe für einen Unkostenbeitrag von 150 Euro teilnehmen könnten. Jedoch spreche die Lehrgangsreihe seit inzwischen elf Jahren aufgrund ihrer Lokalität primär Azubis aus der Duisburger Umgebung an. So kam die Idee einer digitalen und damit weiter zugänglicheren Plattform auf: Der Biwas.


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