Die Deutsche Bahn plant eine grundlegende Anpassung ihres Konzepts zur Generalsanierung stark belasteter Bahnstrecken. Nach Angaben von Infrastrukturvorständin Evelyn Palla haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass die ursprünglich vorgesehenen vier Generalsanierungen pro Jahr zu ambitioniert sind.
Künftig rechnet die Bahn mit zwei größeren Korridorsanierungen pro Jahr, in Einzelfällen auch mit drei. Das überarbeitete Konzept wird derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt.
Ein wesentlicher Grund für die Anpassung ist die Belastung des Gesamtnetzes. Nach Einschätzung der Bahn führen mehrere parallele Großbaustellen zu erheblichen Einschränkungen auf Ausweichstrecken und reduzieren die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes insgesamt.
Künftig sollen Umfang, geografische Verteilung und zeitliche Abfolge der Bauprojekte stärker aufeinander abgestimmt werden.
Besonderes Augenmerk will die Bahn auf die Ausweichrouten richten. Bevor eine wichtige Strecke vollständig gesperrt wird, sollen die entsprechenden Umleiterstrecken besser vorbereitet und ertüchtigt werden.
Damit soll verhindert werden, dass zusätzliche Verkehre während der Bauphasen zu erheblichen Störungen im übrigen Netz führen.
Neben betrieblichen Erfahrungen beeinflusst auch die Finanzierung die künftige Planung. Nach Angaben der Bahn hängt der Umfang der jährlichen Sanierungen maßgeblich davon ab, welche Mittel über das Sondervermögen des Bundes zur Verfügung stehen.
Die Zahl der Sanierungsprojekte soll deshalb künftig stärker an die verfügbaren Finanzmittel angepasst werden.
Trotz der Anpassungen hält die Bahn am Grundprinzip der Generalsanierungen fest. Anders als bei klassischen Baumaßnahmen werden Strecken für mehrere Monate vollständig gesperrt und anschließend umfassend modernisiert.
Ziel bleibt, die Infrastruktur langfristig zuverlässiger zu machen, die Störanfälligkeit zu reduzieren und den Bedarf für kurzfristige Baustellen in den Folgejahren zu senken.
Nach Auffassung der Bahn muss künftig stärker zwischen Modernisierung und laufendem Betrieb abgewogen werden. Die Herausforderung besteht darin, notwendige Bauarbeiten umzusetzen, ohne die Leistungsfähigkeit des Netzes dauerhaft zu beeinträchtigen.
Mit dem überarbeiteten Konzept will die Bahn deshalb die Modernisierung des Schienennetzes fortsetzen und gleichzeitig die Auswirkungen auf Fahrgäste und Güterverkehr begrenzen.