Neuartiger Curtainsider: Doppelstocksystem kann jede zweite Fahrt einsparen

04.09.2026 10:37 Uhr | Lesezeit: 3 min
Neuartiger Curtainsider: Doppelstocksystem kann jede zweite Fahrt einsparen
Der CTV Futuro ist ein Curtainsider mit elektromechanisch verstellbarem Doppelstocksystem, dass sich zwischen den einzelnen Rungen in 50-Millimeter-Schritten arretieren lässt
© Foto: Thomas Rosenberger/VerkehrsRundschau

Das Start-up CTV hat einen Schiebegardinenauflieger mit Doppelstocksystem entwickelt. Dieses lässt sich elektromechanisch in der Höhe verstellen. Unter idealen Bedingungen verdoppelt sich dadurch die Zahl der Europaletten-Stellplätze, so dass sich die Hälfte der Fahrten einsparen lassen soll. Hinter dem Unternehmen stehen ein Teil der Familie Schmitz und ehemalige Mitarbeiter von Schmitz Cargobull.

Das Start-up CTV aus Heek in Nordrhein-Westfalen hat einen Auflieger mit Schiebegardinenaufbau und einem halbautomatisch betätigtem Doppelstock-System vorgestellt. Dadurch verdoppelt sich laut Josef Warmeling, als COO von CTV verantwortlich für die Leitung des operativen Geschäfts, unter idealen Bedingungen die Zahl der Europaletten-Stellplätze von 33 auf 66. Der Doppelstock-Curtainsider Futuro könne so rechnerisch jede zweite Fahrt einsparen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn eigentlich genügend Nutzlast für zusätzliche Paletten vorhanden wäre, aber sich das Ladevolumen nicht ausnutzen lässt.

„Viele Transporte können die Nutzlast und das Ladevolumen eines Schiebegardinenaufliegers nicht ausschöpfen, weil die beförderten Waren ungleichmäßig gepackt und nicht stapelfähig sind“, erklärte Warmeling, der zuvor bei namhaften Fahrzeugbauern wie Schmitz Cargobull und Kögel als Vertriebsleiter beziehungsweise als Geschäftsführer tätig war, während der Premiere des Trailers am maakwi Energie & Umwelt Campus in Heek (Nordrhein-Westfalen), wo das Unternehmen seinen Sitz hat.

Doppelstock-Trailer soll Betriebs-, Prozess- und Mautkosten verringern

Durch den Einsatz des Futuro benötigen Flottenbetreiber laut dem COO zudem weniger Zugmaschinen und Fahrpersonal. Auch die Aufwendungen für Kraftstoff, Maut sowie Prozesskosten bei Be- und Entladung würden sinken. Gleichzeitig verringern sich CO2- und Schadstoffausstoß. „Der Futuro optimiert die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen und die Nachhaltigkeit ihres Transportgeschäfts“, erklärt Warmeling. CTV adressiere mit dem Futuro also die wesentlichen Herausforderungen der Flottenbetreiber: steigende Betriebskosten bei gleichzeitig geringen Margen, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und akuten Fahrermangel.

Das Herzstück des patentierten Doppelstocksystems ist ein halbautomatisch elektromechanischer Verstellmechanismus, der von einer Person per Fernbedienung betätigt wird. Der Zwischenboden besteht aus Längs- sowie Querbalken und kann in 50-Millimeter-Schritten arretiert werden. Das System arbeitet mit 24 Volt Spannung. Elektromotor und Batterie befinden sich am Trailer. Im Notfall kann der Doppelstock auch mit Hilfsmitteln von Hand verstellt werden.

Kein durchgängiger Ladeboden, sondern flexibel einstellbare Ladefelder

Die Ladefelder zwischen den einzelnen Seitenrungen sollen sich in wenigen Minuten einrichten und flexibel in der Höhe positionieren lassen. Auf diese Weise kann der Fahrer den Höhenbedarf an die jeweilige palettierte Ladung anpassen. „Wegen des Bedienkomforts bietet der Futuro gerade den Berufskraftfahrern und dem Rampenpersonal Vorteile und das Fahrzeug steigert auf diese Weise die Attraktivität des Flottenbetreibers als Arbeitgeber“, argumentiert Warmeling, der CTV gemeinsam mit CEO Janine Wyllie Schmitz leitet. Die Tochter von Peter Schmitz, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden von Schmitz Cargobull, hat die Geschäftsführung von CTV nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2023 übernommen. Peter Schmitz hatte CTV laut Wyllie Schmitz 2019 gegründet, um abseits von Konzernzwängen Transportlösungen zu entwickeln, die den Transport von Massengütern auf Europaletten wieder wirtschaftlich und zugleich klimaverträglich abwickeln zu können.

Wird der Doppelstock nicht benötigt, können alle Bestandteile unters Aufliegerdach gefahren werden. Auf diese Weise bleibt der Futuro laut Warmeling nutzbar wie ein Standard-Curtainsider und könne diesen eins zu eins ersetzen. Die maximale lichte Innenhöhe beträgt dann 2.750 Millimeter. Bei zwei Etagen sind es in Mittelstellung 1.250 Millimeter lichte Höhe pro Ladeebene.

11.550 Kilogramm Nutzlast in der zweiten Etage

Die technisch mögliche Tragfähigkeit beträgt in der oberen Ladeebene 350 Kilogramm pro Europalette oder insgesamt 11.550 Kilogramm. In der unteren Ladeebene sind es bis zu 24.000 Kilogramm. Leer soll der Futuro laut CTV-Betriebsleiter Claus Räckers etwa 7,25 Tonnen wiegen. Der Aufbau ist nach seinen Angaben bereits nach DIN EN 12642 XL und DC 9.5 zertifiziert.

Bei Teilladungen kann das Transportgut in der unteren Ladeebene an einem Lochaußenrahmen mit Palettenanschlag gesichert werden. In der zweiten Ladeebene besitzen die Querbalken Fixierpunkte und die Schiebeplane spezielle Schlaufen, an denen sich die Ladung befestigen lässt. Das Aufsattelmaß des Futuro beträgt 1.050 bis 1.150 Millimeter, so dass eine Standardzugmaschine zum Einsatz kommen kann. Auch eine spezielle Rampe ist für die Beladung nicht nötig. In der Regel erfolgt diese vom Heck beispielsweise mit einer Doppelstock-Ameise oder von der Seite mit dem Gabelstapler. Das Verdeck besteht aus einer Stahlkonstruktion und ist aus Stabilitätsgründen starr ausgeführt.

CTV-COO Warmeling: „Frühere Systeme waren schwer und unkomfortabel“

Schon in der Vergangenheit gab es Schiebegardinenauflieger mit Doppelstock- oder Hubtischsystemen. So kamen laut Nikolja Grabowski, Vorstand von Elvis, in der Spitze 20 Krone Varioliner bei Partner des Ladungsverbunds zum Einsatz. Jedoch ließ sich dieser Doppelstock laut Nikoljia Grabowski, Vorstand von Elvis, wegen seines hohen Gewichts nur mit Hilfsmitteln wie Flurförderzeugen einrichten. Elvis habe CTV von Anfang bestärkt, ein solches Fahrzeug zu entwickeln. Bei vergleichbaren Transportkonzepten sei es oft auch nicht möglich gewesen, dass Fahrzeug vom Heck und von der Seite zu beladen. Beim Trailer von CTV soll nun beides zugleich möglich sein, was die Mitarbeiter des jungen Unternehmens bei der Präsentation am maakwi Campus auch live demonstrierten.

Das Fahrzeug sei ideal für FTL-Transporte (Full-Truck-Load, Komplettladung), bei denen die Sendung direkt und ohne Zwischenstopps oder Umladungen vom Absender zum Empfänger fährt, aber auch für LTL-Transporte (Less-Than-Truckload, Teilladung) geeignet, sagt Warmeling. Ein Transportsegment, das in Europa einen Umsatz von mindestens 250 Milliarden Euro pro Jahr generiert und vorwiegend von kleinen und mittelständischen Flotten bedient wird, die CTV als Kunden fokussiert. Das Absatzpotenzial betrage in diesem Bereich insgesamt 105.000 Trailer, wovon CTV in den kommenden fünf Jahren bis zu 5.000 Einheiten pro Jahr verkaufen will.

CTV fertigt CKD-Kits, Franchise-Nehmer bauen sie auf

Der Trailer basiert auf einem modularen Baukastensystem. Bei dessen Entwicklungen haben laut CTV hohe Produktqualität, Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit im Mittelpunkt gestanden. Die Komponenten stammen laut CTV von namhaften Lieferanten wie BPW. Das Start-up fokussiert sich auf die Entwicklung des Fahrzeugs und den Bau von CKD-Kits (Completely Knocked Down, die Montage soll dagegen bei mittelständischen Fahrzeugbauern erfolgen. Den ersten Partner hat CTV mit System Trailers aus Twist bereits gewonnen, die auch das Chassis für die ersten beiden Trailer lieferten. Im ersten Quartal des kommenden Jahres sollen die Auslieferungen beginnen. In Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern wie HV Lease Partner will CTV verschiedene Finanzierungslösungen anbieten. Auch Mietfahrzeuge sollen dann verfügbar sein.


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