Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten könnten die globale Luftfahrtindustrie und internationale Lieferketten langfristig unter Druck setzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger.
Während die unmittelbaren Auswirkungen bislang begrenzt geblieben sind, sehen die Experten insbesondere mittel- und langfristige Risiken für Produktion und Supply Chains.
Indirekte Effekte stehen im Fokus
Nach Einschätzung der Analysten entstehen die größten Risiken nicht direkt durch operative Störungen, sondern durch indirekte Effekte. Dazu zählen:
- steigende Kerosinpreise
- Umleitungen im Flugverkehr
- sowie eine mögliche Nachfrageschwächung auf bestimmten Strecken
Diese Faktoren könnten die wirtschaftliche Situation von Airlines spürbar verschärfen.
Auswirkungen auf Flugzeugproduktion möglich
Sollten sich die Belastungen verstetigen, könnte dies Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Insbesondere finanziell schwächere Fluggesellschaften könnten gezwungen sein, Flugzeugbestellungen zu verschieben oder zu stornieren.
In der Folge wären auch die Produktionsraten der Hersteller betroffen – wenn auch zeitlich verzögert.
Drei Szenarien für die weitere Entwicklung
Roland Berger skizziert unterschiedliche Entwicklungspfade für die Branche:
- Schnelle Entspannung: Keine nennenswerten Auswirkungen auf die Produktion, lediglich höhere Kosten durch Verlagerung von Transporten.
- Mittelfristige Risiken: Einschränkungen bei der Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe und Materialien, die sich verzögert in der Produktion bemerkbar machen.
- Eskalasionsszenario: Sinkende Profitabilität der Airlines mit direkten Folgen für Investitionen und Produktionsvolumen.
Damit hängt die weitere Entwicklung maßgeblich vom Verlauf des Konflikts ab.
Branche sieht weiter Handlungsbedarf
Eine ergänzende Befragung von 95 Unternehmen der Luftfahrtindustrie in Europa zeigt, dass die Branche grundsätzlich auf den Produktionshochlauf vorbereitet ist. Mehr als 70 Prozent der Unternehmen sehen sich gut aufgestellt.
Gleichzeitig erkennt rund ein Drittel weiterhin akuten Verbesserungsbedarf in den Bereichen Lieferketten und Produktionsprozesse.