VW zieht Halbjahresbilanz: Streit um Sparpläne und 50.000 Jobs

24.07.2026 14:48 Uhr | Lesezeit: 3 min
Das Volkswagen Logo, aufgenommen in Zürich vor einem der Autohäuser der Marke
Mit der Halbjahresbilanz rücken bei Volkswagen die wirtschaftliche Entwicklung, mögliche weitere Einsparungen und die Zukunft mehrerer Standorte in den Mittelpunkt
© Foto: picture alliance / NurPhoto | Joan Cros

Volkswagen legt die Zahlen für das erste Halbjahr vor. Während die Auslieferungen vor allem in China deutlich zurückgehen, sorgen zusätzliche Sparpläne des Managements für Diskussionen. Im Fokus stehen mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Werke und die künftige Ausrichtung des Konzerns.

Der Volkswagen-Konzern steht vor wichtigen Weichenstellungen. Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz stellen die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vor und geben Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Dabei richten sich die Blicke auch auf die geplanten Sparmaßnahmen, die zuletzt für kontroverse Diskussionen gesorgt hatten.

Sparpläne stoßen auf Widerstand im Aufsichtsrat

Der Auftritt von Blume und Antlitz erfolgt wenige Wochen nach einer Aufsichtsratssitzung, in der neue Sparmaßnahmen beraten wurden. Die Pläne stießen dabei sowohl bei Arbeitnehmervertretern als auch beim Land Niedersachsen auf Widerstand. Das Bundesland hält rund 20 Prozent der Anteile an Volkswagen und verfügt gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite über eine Mehrheit im Kontrollgremium.

Blume hatte zuletzt erklärt, dass von den geplanten Maßnahmen weltweit rund 50.000 Stellen betroffen sein könnten. Dabei sprach er von einer „theoretischen Ableitung“. Zugleich betonte der Konzernchef, dass vor möglichen Werksschließungen zunächst alternative Lösungen geprüft würden. Vor einer Schließung bevorzuge er „intelligente Lösungen“, erklärte Blume in einem internen Statement.

Vier Werke stehen besonders im Fokus

Im Zusammenhang mit den Sparüberlegungen wird über die Zukunft mehrerer Standorte diskutiert. Als besonders betroffen gelten die Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie der Audi-Standort in Neckarsulm.

Nach Medienberichten fanden die vorgeschlagenen Maßnahmen im Aufsichtsrat zunächst keine Zustimmung, wie die dpa mitteilt. Demnach könnten die Pläne im September erneut in das Gremium eingebracht werden. Bereits Ende August wollen die Konzernverantwortlichen bei mehreren Betriebsversammlungen über die aktuelle Situation informieren.


Entwicklungen der Traton Group

Die Traton Group hat im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz nach eigenen Angaben nahezu auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums gehalten. Das bereinigte Operative Ergebnis stieg um 12 Prozent auf 1,5 Mrd Euro (HJ 2025: 1,4 Mrd Euro) und die bereinigte Operative Rendite der Gruppe wuchs um 0,7 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent (HJ 2025: 6,3 %).

Der Auftragseingang lag laut Traton Group mit 181.900 (HJ 2025: 139.600) Fahrzeugen um 30 Prozent über dem Vergleichszeitraum. In Europa war im Lkw-Geschäft ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent zu verzeichnen, in Deutschland sank der Lkw-Auftragseingang um 8 Prozent, während er in Nordamerika um 141 Prozent anstieg.

Stark verbessert zeigte sich die Nachfrage nach schweren Lkw (Class 8). Zudem habe es Nachholeffekte gegeben, weil Bestellungen eingegangen sind, die im Vorjahr aufgrund starker Unsicherheiten aufgeschoben wurden.

In Südamerika wuchs der Lkw-Auftragseingang um 22 Prozent. In der Region Asien-Pazifik legte der Lkw-Auftragseingang um 63 Prozent zu.

Der Absatz der Traton Group lag im ersten Halbjahr 2026 mit 151.500 Fahrzeugen (HJ 2025: 153.100) um 1 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Bei den vollelektrischen Fahrzeugen zeigte sich eine anhaltend positive Entwicklung. Es wurden 887 (HJ 2025: 400) vollelektrische Lkw sowie 1.020 (HJ 2025: 838) vollelektrische Busse abgesetzt.  



Absatzrückgang belastet das operative Geschäft

Auch die Entwicklung des Tagesgeschäfts dürfte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen eine wichtige Rolle spielen. Im zweiten Quartal gingen die Auslieferungen konzernweit um knapp neun Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge zurück.

Besonders deutlich fiel der Rückgang in China aus. Auf dem wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns sanken die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge. Damit bleibt der Wettbewerbsdruck in der Volksrepublik eine zentrale Herausforderung für Volkswagen.

Europa und Nordamerika entwickeln sich stabiler

Außerhalb Chinas zeigte sich die Entwicklung dagegen robuster. Vor allem in Europa, auch in Nordamerika ging es im zweiten Quartal bergauf im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum.

Bei den Elektroautos sieht es laut dpa in Europa sowohl im Verkauf als auch bei den Bestellungen besser aus.

Gewinn und Rendite bleiben unter Druck

Trotz einzelner positiver Entwicklungen kämpft Volkswagen weiterhin mit einer schwachen Ertragslage. Bereits im ersten Quartal war das Konzernergebnis nach Steuern um fast ein Drittel zurückgegangen. Im Gesamtjahr 2025 hatte sich der Gewinn gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert.

Der Umsatz sank in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 2,5 Prozent. Die operative Umsatzrendite lag bei 3,3 Prozent.

Nach Darstellung von Konzernchef Oliver Blume erzielt Volkswagen mit seinen Fahrzeugen derzeit nicht die gewünschten Erträge. Bis Ende des Jahres soll die operative Umsatzrendite auf mindestens vier Prozent steigen. Für das Jahr 2030 strebt der Konzern eine Marge von mindestens acht Prozent an. Erst Anfang des Jahres hatte Volkswagen sein bisheriges Ziel abgesenkt. Zuvor waren mindestens neun Prozent vorgesehen.

Stellenabbau bei VW läuft bereits

Unabhängig von den aktuellen Diskussionen hat Volkswagen bereits umfangreiche Sparmaßnahmen beschlossen. Bis zum Jahr 2030 sollen konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden.

Davon entfallen 35.000 Arbeitsplätze auf die Kernmarke Volkswagen. Weitere Stellen sollen bei Tochtergesellschaften wie Audi und Porsche wegfallen. Nach Unternehmensangaben haben bereits mehr als 37.000 Beschäftigte entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet.

Nach Einschätzung des Managements reichen die Ende 2024 beschlossenen Maßnahmen angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen jedoch nicht mehr aus. Als Belastungsfaktoren nennt der Konzern unter anderem Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und den zunehmenden Wettbewerb. Das bisherige Geschäftsmodell, Fahrzeuge in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu vermarkten, müsse deshalb an die veränderten Marktbedingungen angepasst werden.

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