In der aktuellen Folge von VerkehrsRundschau Funk geht es um ein Thema, das täglich Millionen Tiere betrifft, aber selten im Fokus steht: die Logistik der Tiertransporte in Europa. Die Redaktion spricht mit Dr. Maria Biedermann, Expertin für Tierschutz beim Transport am BVL. Sie erläutert die rechtlichen Grundlagen, die Herausforderungen im Vollzug und die typischen Probleme, die Behörden europaweit beschäftigen. Ein Gespräch über Regulierung, Verantwortung und die Frage, wie moderne Logistik dem Tierwohl gerecht werden kann.
Tiertransporte in Europa – Herausforderungen und Tierschutz im Fokus
Strenge Auflagen und europäische Koordination
Tiertransporte sind ein zentraler, aber weitgehend unsichtbarer Teil der europäischen Logistik. Jährlich werden in der EU mehr als 1,5 Milliarden Tiere befördert – von Schweinen und Rindern bis hin zu Geflügel. Die Abläufe dahinter sind komplex: Spezialfahrzeuge mit mehrstöckigen Aufbauten, Belüftungssystemen, Temperaturüberwachung und GPS‑Tracking gehören ebenso zum Standard wie streng geregelte Transportzeiten und detaillierte Genehmigungsverfahren.
Die EU‑Verordnung 1/2005 erlaubt Transportintervalle von bis zu 19 Stunden für Kälber, 24 Stunden für Schweine und Pferde sowie 29 Stunden für Rinder, Schafe und Ziegen. Nach einer 24‑stündigen Pause können diese Abschnitte beliebig oft wiederholt werden. Genau hier entstehen viele Verstöße – etwa bei Hitze, langen Strecken oder unzureichender Versorgung. „Da können ganz schnell Temperaturen von über 40 Grad entstehen“, sagt Dr. Maria Biedermann im Podcast. In solchen Fällen müssen Polizei und Feuerwehr mitunter eingreifen, um Tiere zu kühlen oder Fahrzeuge aus Staus herauszulösen.
BVL wirkt an Änderung der Transportverordnung mit
Eine besondere Rolle spielt das BVL als deutsche Verbindungsstelle für den Austausch mit anderen EU‑Staaten. Verstöße betreffen häufig mehrere Länder, und nur durch koordinierte Kommunikation können Maßnahmen ergriffen und Wiederholungen verhindert werden. „Wir gewährleisten den Informationsaustausch zwischen den Fachleuten, die dann Maßnahmen verhängen können“, so Biedermann.
Parallel arbeitet die EU an einer Reform der Transportverordnung: kürzere Zeiten, strengere Vorgaben, mehr Echtzeitüberwachung und bessere Dokumentation. Gleichzeitig entwickelt sich die Technik weiter – von aktiven Kühlsystemen über CO₂‑Monitoring bis hin zu KI‑gestützter Routenplanung.
Am Ende betont Biedermann vor allem die Haltung der Beteiligten: „Ich wünsche mir, dass sich alle dieser Verantwortung bewusst sind.“ Tiertransporte bleiben ein logistisches System, das nur dann funktioniert, wenn Planung, Technik und Respekt vor dem Lebewesen zusammenkommen.