Die Bundesregierung sei die angekündigte Trassenpreisreform auch ein Jahr nach Vorstellung der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ durch den damaligen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) schuldig geblieben, kritisierten die Allianz pro Schiene, der Verband „Die Güterbahnen, Mofair und der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Das Ziel, die Reform der Trassenpreise zum 1. Januar 2027 umzusetzen, sei nicht mehr zu halten. Die Bahnverbände fordern daher eine Umsetzung zum Fahrplan 2028 und beharren auf einer grundlegenden Neuaufstellung des Preissystems für den Personen- und Güterverkehr auf der Schiene. Außerdem fordern die Verbände einen Dialog des Bundesverkehrsministeriums mit der Branche.
Kosten bleiben hoch und Preissprünge drohen
Es gebe noch immer keine grundlegende Lösung für eine Kostendämpfung und langfristige Planbarkeit der Preisentwicklung bei der Trassennutzung gibt, dies trotz zahlreicher Herausforderungen im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene. Bislang seien ausschließlich zusätzliche Anreizsetzungen für die Nutzer der Schiene diskutiert worden, die lediglich Kosten zwischen den einzelnen Verkehren verschieben würden, so die Verbände. Die Kostenbelastung für die Branche insgesamt bliebe unverändert hoch und unkalkulierbare Preissprünge weiterhin die Perspektive.
Trassenpreissteigerungen für den Schienengüterverkehr drohen
So werden die Trassenpreise für das Fahrplanjahr 2027 absehbar erneut erst kurz vor dem Fahrplanwechsel im Dezember feststehen, wodurch Verkehrsunternehmen ihre Kosten kaum planen können. Dabei stehen durchschnittliche Trassenpreissteigerungen von 12,6 Prozent für den Schienengüterverkehr und 7,8 Prozent für den SPNV ab Mitte Dezember im Raum. Da die Bundesregierung im Schienengüterverkehr zugleich eine starke Kürzung der Trassenpreisförderung plant, bilden die 12,6 Prozent jedoch nur einen Teil der zusätzlichen Kostenbelastung ab.
Bürokratie bei der Trassenpreisfestsetzungen reduzieren
Eine echte Trassenpreisreform, die sich an den unmittelbaren Kosten des Zugbetriebs orientiert – das sogenanntes Grenzkostenmodell – und die Kosten für Personennah- und Personenfernverkehr sowie den Güterverkehr auf der Schiene reduziert und hilft, die überbordende und unproduktive Bürokratie bei der Trassenpreisfestsetzungen zu reduzieren, sei bislang nicht in Sicht, kritisieren die Verbände. Ebenso fehle nach wie vor die dringend benötigte mehrjährige Planungssicherheit über die zukünftige Höhe der Trassenpreise. Die Verbände fordern daher Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) dazu auf, die angekündigte grundlegende Trassenpreisreform – unter Einbeziehung der gesamten Branche – voranzutreiben.