Bei der Versicherungsvermittlung durch Speditionen ist eine zentrale steuerliche Frage derzeit ungeklärt: Unterliegen sogenannte Verkaufsaufschläge der Versicherungsteuer? Der DSLV – Bundesverband Spedition und Logistik sieht hier aktuell keine Steuerpflicht, warnt jedoch vor zunehmendem Druck durch die Behörden.
Auslöser ist eine aktuelle Abfrage des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt), das Versicherer auffordert, offenzulegen, ob Speditionen bei der Vermittlung von Versicherungen zusätzliche Aufschläge gegenüber ihren Kunden erheben.
BZSt sieht möglichen Steuerfall – DSLV widerspricht
Das BZSt stützt sich auf eine frühere Auslegung des Bundesfinanzministeriums und stellt in den Raum, dass solche Verkaufsaufschläge als Teil des Versicherungsentgelts gelten könnten – und damit steuerpflichtig wären.
Der DSLV widerspricht dieser Einschätzung: Nach Auffassung des Verbands unterliegen zusätzliche Vergütungen, die Spediteure von ihren Kunden erhalten, in der Regel nicht der Versicherungsteuer, sofern sie nicht Bestandteil der Versicherungsprämie sind.
Abgrenzung entscheidend für die Praxis
Für Speditionen ist dabei eine zentrale Differenzierung ausschlaggebend:
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Wird mit dem Versicherer lediglich eine Netto‑Prämie vereinbart,
→ gilt ein zusätzlicher Aufschlag des Spediteurs als eigenes Entgelt und ist steuerfrei -
Wird hingegen ein Gesamtpreis zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer abgestimmt,
→ kann der gesamte Betrag – inklusive Aufschlag – als Versicherungsentgelt gelten und somit steuerpflichtig sein
Damit hängt die steuerliche Bewertung maßgeblich von der vertraglichen Gestaltung zwischen Spediteur und Versicherer ab.
Rechtsprechung noch nicht abgeschlossen
Die Rechtslage ist aktuell nicht abschließend geklärt.
Das Finanzgericht Köln hat 2023 entschieden, dass Verkaufsaufschläge unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Versicherungsteuer unterliegen.
Das Verfahren ist jedoch noch anhängig:
Der Bundesfinanzhof (BFH) wird am 9. Juli 2026 in der Sache mündlich verhandeln (Az. V R 3/24). Ein endgültiges Urteil steht noch aus.