Die Logistik- und Supply-Chain‑Branche zählt zu den entscheidenden Faktoren für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Das zeigt der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim, für den 550 Interim Manager befragt wurden.
Zwar sehen 88 Prozent der Befragten weiterhin den Maschinen- und Anlagenbau als wichtigsten Industriezweig. Doch auch die Logistik- und Transportbranche wird von 56 Prozent ausdrücklich als zentral für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eingestuft – und gewinnt durch zunehmende Komplexität globaler Lieferketten weiter an strategischer Bedeutung.
Industrie und Logistik eng verzahnt
Die Studie macht deutlich, dass die Leistungsfähigkeit der Industrie maßgeblich von funktionierenden Lieferketten und Transportnetzwerken abhängt. Maschinenbau, Automotive und Chemieindustrie – allesamt Schlüsselbranchen – sind in hohem Maße auf effiziente Logistikstrukturen angewiesen.
Gleichzeitig leiden sowohl Industrie als auch Logistik derzeit unter strukturellen Schwächen, etwa durch geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten und zunehmenden Wettbewerbsdruck. Gerade für Deutschland als Exportnation schlagen Störungen im internationalen Handel direkt auf Auslastung, Transportvolumen und Preisentwicklung durch.
KI verändert Supply Chains grundlegend
Ein zentraler Treiber für Veränderungen ist die Künstliche Intelligenz. Laut Studie erwarten 68 Prozent der Befragten signifikante Auswirkungen durch KI im Bereich Logistik, Transport und Supply Chain Management.
Damit zählt die Logistik zu den Branchen, die besonders stark von neuen Technologien betroffen sind. KI wird vor allem eingesetzt, um:
- Transport- und Routenplanungen zu optimieren
- Nachfrage und Volumen präziser vorherzusagen
- Lager- und Bestandsmanagement effizienter zu steuern
Auch in angrenzenden Bereichen wie Industrie und Handel dürfte KI die Anforderungen an Logistikdienstleister weiter erhöhen – etwa durch schnellere Reaktionszeiten und stärker integrierte Supply Chains.
Produktivität: Prozesse wichtiger als Technologie
Trotz der Bedeutung von KI sehen die Befragten den größten Hebel für Produktivitätssteigerungen weiterhin in der Prozessoptimierung. 81 Prozent nennen sie als entscheidenden Faktor – deutlich vor KI‑Anwendungen.
Für Logistikunternehmen bedeutet das insbesondere:
- Optimierung von Transportabläufen und Netzwerken
- Effizientere Planung von Vor‑ und Nachläufen
- Reduktion von Leerfahrten und Wartezeiten
An zweiter Stelle folgt die Qualifizierung der Belegschaft (74 Prozent). Gerade im Logistikumfeld gilt Weiterbildung als entscheidend, um neue Technologien effektiv einsetzen zu können und operative Prozesse stabil zu halten.
Automatisierung und Digitalisierung entlang der Lieferkette
Auch Automatisierung und Digitalisierung gewinnen weiter an Bedeutung. 70 Prozent der Befragten sehen hier wichtige Produktivitätshebel. In der Logistik betrifft das unter anderem:
- automatisierte Lagerprozesse
- digitale Steuerung von Transportketten
- Einsatz moderner Softwarelösungen wie ERP- und TMS‑Systeme
Parallel rücken Konzepte wie Smart Production, Robotics und digitale Zwillinge stärker in den Fokus. Sie verbessern nicht nur industrielle Abläufe, sondern wirken sich direkt auf die Effizienz der gesamten Supply Chain aus.