Die deutsche Wirtschaft wächst nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich stärker als noch im Frühjahr erwartet, wie die dpa mitteilt. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren die Experten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen für 2026 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent. Zuvor waren sie von einem Wachstum von 0,6 Prozent ausgegangen.
Wachstum fällt stärker aus als erwartet
Ausschlaggebend für die bessere Konjunkturentwicklung sind nach Angaben der Institute mehrere Faktoren. Eine Belebung des Exportgeschäfts, zusätzliche staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie Impulse durch Künstliche Intelligenz (KI) sorgen für Rückenwind. „Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten“, sagte Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Energiepreisschock bleibt bislang aus
Im Frühjahr hatten die Institute noch vor spürbaren wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Energiepreisschocks infolge des Iran-Kriegs gewarnt. Die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise fielen jedoch geringer aus als zunächst befürchtet, so die dpa weiter. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft, die nach mehreren schwachen Jahren wieder Anzeichen einer Erholung zeigt.
Auch 2027 dürfte die Wirtschaft zulegen
Für 2027 rechnen die Wirtschaftsforscher ebenfalls mit mehr Wachstum als bislang erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt soll um 1,1 Prozent steigen. In der vorherigen Prognose waren die Institute von 0,9 Prozent ausgegangen. Vor allem der private Konsum dürfte dabei an Dynamik gewinnen. Zudem erwarten die Experten eine weitere Belebung im Wohnungsbau.
Strukturelle Probleme bremsen langfristig
Trotz der verbesserten Konjunkturaussichten sehen die Institute weiterhin erhebliche Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Nach ihrer Einschätzung bleiben die strukturellen Schwächen der Wirtschaft bestehen. Zugleich könnten die Unternehmenskapazitäten in den kommenden Jahren zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Für 2028 prognostizieren die Forscher deshalb lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent.
OECD und BDI ebenfalls optimistischer
Auch andere Konjunkturexperten haben ihre Prognosen zuletzt nach oben korrigiert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für Deutschland im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent und liegt damit 0,4 Prozentpunkte über ihrer Schätzung vom Juni. Für 2027 rechnet die OECD ebenfalls mit einem Plus von 1,1 Prozent. Wegen des Konflikts im Nahen Osten bleibt der Ausblick jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Zuvor hatte der Verband lediglich 0,6 Prozent prognostiziert. Nach Einschätzung des BDI kommen wichtige Impulse aus dem Geschäft mit europäischen Handelspartnern sowie aus den staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Die privaten Investitionen entwickeln sich dagegen weiterhin schwach.
Merz spricht von wirtschaftlicher Erholung
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sieht Anzeichen für eine Trendwende bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. „Wir sind raus aus diesem Tal einer schrumpfenden oder stagnierenden Volkswirtschaft“, sagte Merz vergangene Woche. Zugleich betonte er die Notwendigkeit weiterer Reformen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts.
Ifo-Geschäftsklima auf höchstem Stand seit über drei Jahren
Das Ifo-Geschäftsklima selbst stieg um 1,1 Punkte auf 89,9 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut in München kommunizierte. Damit zeigt das Konjunkturbarometer den fünften Monat in Folge nach oben und hat den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht, wie die dpa weiter schreibt.
"Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs fort", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Gestützt wurde der Indikator sowohl durch gestiegene Erwartungen an künftige Geschäfte als auch durch eine bessere Einschätzung der aktuellen Lage.
Die Automobilbranche bewege sich laut Mitteilung weiter "auf schwierigem Terrain".
(Dieser Artikel wurde am 24.09.2026 um 10:46 Uhr aktualisiert.)