Wasserstoff-Lkw: Daimler Truck, Volvo und Toyota bündeln Kräfte

15.09.2026 15:45 Uhr | Lesezeit: 4 min
Bosch liefert die Schlüsseltechnologien sowohl für Fahrzeuge als auch für die Betankungsinfrastruktur.
Bosch, Daimler Truck, Volvo Group, Toyota sowie Energie- und Infrastrukturpartner haben auf der IAA Transportation Pläne für ein Wasserstoff-Ökosystem vorgestellt
©Foto: Bosch

Bosch, Daimler Truck, Volvo Group, Toyota sowie Energie- und Infrastrukturunternehmen wollen den Einsatz von Wasserstoff-Lkw in Europa beschleunigen. Auf der IAA Transportation stellten die Partner ein Industrie-Ökosystem vor, das Deutschland bis 2030 als ersten skalierbaren Markt für wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge etablieren soll.

Bosch, Daimler Truck, die Volvo Group, die Toyota Motor Corporation, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy haben auf der IAA Transportation ihre Pläne für den Ausbau der Wasserstoffmobilität im europäischen Straßengüterverkehr vorgestellt: Ziel der Unternehmen ist es, den Markthochlauf wasserstoffbetriebener Nutzfahrzeuge zu beschleunigen und die Voraussetzungen für einen großflächigen Einsatz bis 2030 zu schaffen.

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen erfüllt Deutschland als erstes europäisches Ökosystem die zentralen Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz von Wasserstoff-Lkw. Die Partner sehen darin ein Modell für weitere europäische Märkte. Entscheidend seien jedoch abgestimmte politische Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene.

Deutschland soll Vorreiter für Wasserstoff-Lkw werden

Die beteiligten Unternehmen wollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um bestehende Hürden beim Hochlauf der Wasserstoffmobilität zu überwinden. Wasserstoff wird dabei als Ergänzung zu batterieelektrischen Antrieben betrachtet, insbesondere für Transporte mit hohen Reichweiten, großer Nutzlast, kurzen Betankungszeiten und hohen Flexibilitätsanforderungen.

Aus Sicht der Partner ist ein technologieoffener Ansatz erforderlich, um die Dekarbonisierungsziele der Europäischen Union im Straßengüterverkehr zu erreichen. Gleichzeitig soll der Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie stärken.

Daimler Truck und Volvo investieren in Wasserstoff-Antriebe

Daimler Truck verweist auf knapp 600.000 Kilometer, die Kunden bereits mit Brennstoffzellen-Lkw zurückgelegt haben. Ab Ende 2026 plant das Unternehmen eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw der nächsten Generation für den Kundeneinsatz.

Parallel dazu bereitet Daimler Truck die Markteinführung erster Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor für das kommende Jahr vor. Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Hersteller einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Wasserstoff-Lkw investieren. Auch die Volvo Group treibt ihre Wasserstoffstrategie voran und investiert in Brennstoffzellen-Lkw sowie Fahrzeuge mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor, die bis 2030 auf den Markt kommen sollen.

Toyota und Bosch liefern Technologie für die Wasserstoffmobilität

Toyota beteiligt sich als Technologiepartner am Ausbau der Wasserstoffmobilität und bringt dabei nach Unternehmensangaben über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung von Brennstoffzellensystemen ein. Bosch liefert zentrale Fahrzeugkomponenten für den Einsatz von gasförmigem Wasserstoff sowie Betankungstechnologien für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff. Nach Angaben des Unternehmens habe das eigene Brennstoffzellensystem seine Leistungsfähigkeit bereits auf mehr als 30 Millionen Straßenkilometern unter Beweis gestellt.

Aufbau von Wasserstoff-Infrastruktur und Lieferketten

Daimler Truck und die Volvo Group arbeiten dabei mit Energieunternehmen und Wasserstofflieferanten wie Air Liquide, TotalEnergies und MB Energy sowie dem Tankstellenbetreiber TEAL Mobility zusammen.

Gemeinsam wollen die Unternehmen die Lieferketten für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff ausbauen und die Verfügbarkeit von Wasserstoff für den Schwerlastverkehr erhöhen. Geplant sind Tankstellen mit hoher Kapazität und hoher Betankungsleistung, die bis zu 100 Lkw pro Tag versorgen können sollen. Gleichzeitig soll die zunehmende industrielle Produktion von erneuerbarem Wasserstoff genutzt werden, die durch die Umsetzung der europäischen RED-III-Regulierung unterstützt wird.

Wettbewerbsfähige Kosten gelten als Schlüssel zum Erfolg

Nach Einschätzung der Unternehmen ist die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Faktor für die Verbreitung von Wasserstoff-Lkw. Vor allem für Flottenbetreiber müsse ein konkurrenzfähiges Kostenniveau im Vergleich zu Diesel erreicht werden. Dafür nennen die Partner drei zentrale Hebel:

  • Senkung der Fahrzeugkosten durch Förderprogramme und steigende Produktionsvolumina.
  • Wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise durch effizientere Lieferketten sowie die Nutzung von Treibhausgasquoten.
  • Wirtschaftliche Anreize für Flottenbetreiber, etwa durch Mautbefreiungen für CO₂-freie Fahrzeuge.

Die Unternehmen verweisen zudem auf die hohe Nachfrage im deutschen NOW-Förderprogramm: Dort seien Anträge für mehr als 70 Hochleistungs-Wasserstofftankstellen und rund 800 schwere Nutzfahrzeuge eingereicht worden.

Unternehmen fordern europaweite Unterstützung

Während Deutschland als Ausgangspunkt für die praktische Umsetzung dienen soll, sehen die beteiligten Unternehmen zusätzlichen Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Gefordert werden unter anderem abgestimmte Förderprogramme für Fahrzeuge und Tankstellen, um die Ziele der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) zu erreichen. Darüber hinaus sprechen sich die Unternehmen für harmonisierte Anrechnungsmechanismen bei erneuerbaren Kraftstoffen, wirtschaftliche Anreize wie Mautvergünstigungen sowie eine stärkere Risikoteilung entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette aus.

Mit der Kombination aus Industrieinvestitionen, Infrastrukturaufbau und politischer Unterstützung wollen die Partner die Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz von Wasserstoff im europäischen Güterverkehr schaffen. Gleichzeitig sollen Wettbewerbsfähigkeit, Energieversorgungssicherheit und Emissionsminderung im Transportsektor gestärkt werden.


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