Großraum- und Schwertransporte (GST) zählen zu den sensibelsten Bereichen der Logistik. Ob Windkraftanlagen, Transformatoren oder Brückenteile – ohne sie kommen zentrale Industrie- und Infrastrukturprojekte nicht voran. Zum Jahreswechsel 2025/2026 steht die Branche jedoch erneut unter Druck: Alte Probleme sind ungelöst, neue Entlastungen nicht in Sicht.
GST 2026 – Zwischen Bürokratie und Binnenschiff
Ein zentrales Thema bleiben die langwierigen Genehmigungsverfahren. Viele Unternehmen berichten von Wartezeiten über mehrere Wochen. Hinzu kommen eine stetig wachsende Bürokratie und eine unzureichende Digitalisierung. Aussagen aus der Branche zufolge wird teilweise noch mit Fax gearbeitet. Auch die Infrastruktur bereitet Sorgen: Brücken, Straßen und Schleusen sind vielerorts stark sanierungsbedürftig – mit direkten Folgen für Planungssicherheit und Kosten.
Die größten Herausforderungen im Überblick:
- Genehmigungsverfahren dauern im Schwertransport häufig mehrere Wochen
- Bürokratische Anforderungen sind in den vergangenen Jahren weiter gewachsen
- Digitale Verfahren wie VEMAGS gelten als unzureichend weiterentwickelt
- Marode Brücken und Straßen führen zu Umwegen und Projektverzögerungen
Wirtschaftlich gilt die GST-Branche als Seismograf der Gesamtwirtschaft. Gerät sie ins Stocken, geraten auch große Industrieprojekte unter Druck. Berichtet wird von Verlagerungen ins Ausland, zusätzlichen Kosten durch Umwege und zunehmender Unsicherheit bei der Projektplanung.
Binnenschifffahrt als Entlastung?
Vor diesem Hintergrund rückt die Verlagerung des Hauptlaufs auf das Binnenschiff stärker in den Fokus. Wasserstraßen verfügen über freie Kapazitäten, der Hauptlauf ist genehmigungsfrei und einzelne Transporte können mehrere Schwerlastfahrten auf der Straße ersetzen. Pilotprojekte – etwa mit sogenannten Mikrokorridoren – zeigen zudem, dass Genehmigungen im Zusammenspiel von Straße und Wasserweg schneller möglich sind.
Potenziale der Wasserstraße für den Schwertransport:
- Entlastung von Straße und Brückeninfrastruktur
- Keine Sondergenehmigungen im Hauptlauf erforderlich
- Reduzierung der Anzahl von Straßentransporten
- Bessere Planbarkeit durch definierte Korridore
Doch klar ist auch: Die Wasserstraße ist kein Allheilmittel. Damit sie ihr Potenzial entfalten kann, braucht es funktionierende Umschlagstellen, durchgängige Digitalisierung und stabile Rahmenbedingungen.
In der aktuellen Folge von VerkehrsRundschau Funk ordnen Tabea Schulz und Christian Bonk diese Entwicklungen ein und sprechen mit Andreas Kahl, Geschäftsführer von Kahl Schwerlast, über Chancen, Grenzen und notwendige politische Weichenstellungen für den Schwertransport der Zukunft: