Marktlage im Straßengüterverkehr wird pessimistischer

02.06.2026 13:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Stockbild Straßengüterverkehr: Lkw stehen hintereinander
Hohe Auslastung, wachsende Sorgen im Straßengüterverkehr (Symbolbild)
© Foto: Snowstudio/ AdobeStock

Eine TIMOCOM-Umfrage zeigt: Im Straßengüterverkehr bleibt die Auslastung hoch, doch steigende Kosten und knappe Kapazitäten belasten die Stimmung.

Der europäische Straßengüterverkehr steht weiter unter Druck. Das zeigt eine aktuelle Befragung von mehr als 270 Fachleuten aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Industrie und Handel. Demnach überwiegt in der Branche inzwischen eine eher negative Einschätzung der Marktlage: 52,4 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Situation für ihr Unternehmen als eher schlecht oder sehr schlecht. 47,6 Prozent sehen die Lage dagegen als eher gut oder sehr gut.

Stimmung kippt gegenüber Jahresbeginn

Im Vergleich zur Befragung zu Jahresbeginn hat sich das Bild deutlich eingetrübt. Im Januar und Februar 2026 hatten noch 58,0 Prozent der Teilnehmenden die Lage positiv eingeschätzt, 42,0 Prozent negativ. Inzwischen hat sich dieses Verhältnis nahezu gedreht. Der Anteil negativer Einschätzungen stieg um 10,4 Prozentpunkte, während der Anteil positiver Bewertungen im gleichen Umfang zurückging.

Die Erhebung fiel in eine Phase zunehmender Unsicherheit an den Märkten – geprägt von geopolitischen Spannungen, höheren Energiepreisen und Einschränkungen im Nahen Osten.

Bewertung hängt stark vom Geschäftsmodell ab

Wie Unternehmen die Marktlage einschätzen, hängt laut TIMOCOM stark von ihrer Rolle im Markt ab. Anbieter mit langfristigen Kundenbeziehungen, stabilen Netzwerken oder eigener Kapazität berichten häufig weiterhin von einer guten Auslastung. Auch Frachtführer sehen vielerorts noch ausreichend Aufkommen, etwa für Anschlussladungen oder Beiladungen.

Pessimistischer äußern sich dagegen Unternehmen, die Transporte zukaufen oder stark vom Spotmarkt abhängig sind. Sie berichten häufiger von knappen Kapazitäten, steigenden Einkaufspreisen und sinkenden Margen.

Hohe Auslastung verdeckt die Probleme

Trotz der eingetrübten Stimmung zeigen Marktdaten weiterhin eine robuste Auslastung. Die Lkw-Maut-Fahrleistung lag im März 2026 laut Erhebung 15,4 Prozent über dem Vormonat und 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch das Transportbarometer, das das Verhältnis von Frachten zu verfügbarem Laderaum im Spotmarkt misst, deutet auf einen stark ausgelasteten Markt hin.

Im April stieg das Verhältnis gegenüber dem Vormonat um 15,6 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent. Für TIMOCOM ist das jedoch kein Ausdruck eines boomenden Marktes, sondern vor allem Folge knapper werdender Kapazitäten.


Diesel und Maut treiben Kosten nach oben

Ein zentrales Thema bleibt der steigende Kostendruck. Besonders belastend wirken sich die höheren Dieselpreise aus. Im April lagen sie laut der Analyse 41,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Hinzu kommen steigende Ausgaben für Maut und Betrieb.

Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von längeren Lieferzeiten, erschwerter Kapazitätsbeschaffung bei Lastspitzen sowie wachsendem Planungsaufwand. Die Kombination aus höheren Kosten und eingeschränkter Planbarkeit wird damit zunehmend zum Risiko für die Rentabilität.



Transportpreise deutlich über Vorjahr

Auch die Preise im Spotmarkt haben sich spürbar nach oben bewegt. Nach Angaben von TIMOCOM lagen die durchschnittlichen Transportpreise innerhalb Deutschlands zwischen Januar und Mai durchgehend über dem Vorjahresniveau. Im März und April lagen die Werte jeweils mehr als 11 Prozent höher als im Vorjahr.

Im Mai boten Auftraggeber im Schnitt 2,19 Euro pro Kilometer und damit über 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Den höchsten durchschnittlich geforderten Transportpreis auf Seiten der Auftragnehmer registrierte TIMOCOM in Kalenderwoche 20 mit 2,36 Euro pro Kilometer.

Unternehmen sollen Rentabilität prüfen

Vor diesem Hintergrund rät TIMOCOM den Unternehmen, ihre wirtschaftliche Lage kritisch zu hinterfragen. Hohe Auslastung allein sei kein verlässlicher Indikator für wirtschaftliche Stabilität. Entscheidend bleibe, ob Preise, Kundenbeziehungen und Prozesse auch unter schwierigen Rahmenbedingungen tragfähig seien.

Zugleich sieht das Unternehmen zusätzlichen Handlungsbedarf bei der Nutzung vorhandener Kapazitäten. Verlader sollten Transporte stärker bündeln und unnötige Sondertouren vermeiden. Speditionen wiederum könnten Effizienzpotenziale heben, indem sie Leerfahrten reduzieren, die Fahrzeugauslastung verbessern und ihre Planung stärker digital unterstützen.

Alternativen gewinnen langfristig an Bedeutung

Langfristig könnten laut TIMOCOM auch alternative Antriebe wie E-Lkw dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Kurzfristig bleibt der Markt jedoch von Kostenrisiken, geopolitischer Unsicherheit und knapper Kapazität geprägt.

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