Logistik droht weiteres Krisenjahr – Insolvenzen steigen

08.05.2026 07:30 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Die Krise der Transportbranche verschärft sich (Symbolbild)
© Foto: Sutasinee/ AdobeStock (KI-generiert)

Steigende Dieselpreise und geopolitische Spannungen verschärfen die Krise der Logistikbranche. Atradius rechnet mit mehr Insolvenzen und steigenden Verbraucherpreisen.

  • Zahl der Insolvenzen bei Speditionen dürfte 2026 deutlich steigen
  • Jedes vierte kleine und mittelständische Unternehmen akut gefährdet
  • Steigende Lebensmittelpreise zu erwarten
  • Nichtzahlungsmeldungen liegen nach vier Monaten bereits über den Gesamtzahlen der Vorjahre

Eskalation im Nahen Osten verschärft Krise der Logistikbranche

Die Eskalation im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus setzen die Transport‑ und Logistikbranche massiv unter Druck. Steigende Dieselpreise, geringe Margen, höhere Personalkosten und ein intensiver Wettbewerbsdruck verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen deutlich. Nach Einschätzung des internationalen Kreditversicherers Atradius ist für das laufende Jahr mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen in der Branche zu rechnen.

Die deutsche Transport‑ und Logistikbranche zähle bereits seit Jahren zu den Wirtschaftszweigen mit den höchsten Firmenpleiten, erklärt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius. Die aktuellen Entwicklungen verschärften die Situation nun zusätzlich.


Vorfinanzierung belastet Speditionen massiv

Besonders problematisch ist die finanzielle Vorleistung vieler Speditionen. Kraftstoff muss sofort bezahlt werden, während Kundenrechnungen oft erst nach 60 Tagen beglichen werden. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen wird diese Finanzierungslücke angesichts von Margen unter drei Prozent zur existenziellen Belastung.

Hinzu kommen steigende Löhne, der anhaltende Fahrermangel, zunehmender Konkurrenzdruck – insbesondere aus Osteuropa – sowie zusätzliche Kosten durch Digitalisierung und Regulierung. Nach Einschätzung von Atradius ist derzeit jedes vierte mittelständische Transportunternehmen gefährdet.



Insolvenzzahlen steigen weiter

Die angespannte Lage schlägt sich bereits in den Zahlen nieder. Nichtzahlungsmeldungen liegen laut Atradius in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im vergangenen Jahr meldeten 469 Logistikunternehmen Insolvenz, darunter 19 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro. Die Insolvenzquote stieg gegenüber 2024 um 5,6 Prozent.

Globaler Ausblick trübt sich ein

Auch international verschlechtern sich die Perspektiven. Der Verkehrssektor ist der größte Abnehmer raffinierter Erdölprodukte und daher besonders anfällig für geopolitische Krisen. Oxford Economics rechnet für 2025 nur noch mit einem globalen Wachstum von 2,4 Prozent bei Verkehrs‑ und Logistikleistungen – ein Prozentpunkt weniger als vor Ausbruch des USA‑Israel‑Iran‑Konflikts.

In einem von Atradius berechneten Negativszenario, bei anhaltenden Störungen der Straße von Hormus über sechs Monate, könnte das Wachstum sogar auf null sinken. Für Deutschland erwartet Atradius in diesem Jahr einen Rückgang der Transport‑ und Logistikleistung um 2,1 Prozent.

Steigende Transportkosten treffen Verbraucher

Die hohen Kraftstoffpreise wirken sich nicht nur auf Speditionen aus, sondern erreichen zunehmend auch die Verbraucherpreise. Nach Einschätzung von Atradius könnten Lebensmittelpreise kurz‑ bis mittelfristig um bis zu zehn Prozent steigen. Energie ist in allen Stufen der Lebensmittelproduktion ein zentraler Kostenfaktor – von der Erzeugung über Verarbeitung und Lagerung bis zum Transport.

In welchem Umfang diese Mehrkosten an Konsumenten weitergegeben werden können, ist offen. Preissteigerungen gelten jedoch als kaum vermeidbar. Steigende Treibstoffkosten gefährden zudem Just‑in‑Time‑Produktionsmodelle in der Industrie.

Kritik an staatlichen Maßnahmen

Die bislang ergriffenen Maßnahmen der Bundesregierung werden von Branchenexperten als unzureichend bewertet. Während andere EU‑Staaten bereits Mineralölsteuern gesenkt oder Notreserven freigegeben haben, gibt es in Deutschland bislang keine gezielte Absicherung für das Diesel‑Gewerbe.

Nach Einschätzung von Atradius dürfte auch die angekündigte Steuersenkung von 17 Cent pro Liter nicht ausreichen, um vor allem kleinere Speditionen spürbar zu entlasten. Entsprechend fordern Verkehrsverbände unter anderem niedrigere Energie‑ und Stromsteuern, die Abschaffung der CO₂‑Doppelbelastung im Straßengüterverkehr sowie kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen.


Impulse für alternative Antriebe?

Der aktuelle Preisschock könnte zugleich den Umstieg auf alternative Antriebe wie Elektro‑Lkw oder Wasserstoff beschleunigen. Ob Unternehmen die dafür notwendigen Investitionen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage jedoch stemmen können, bleibt offen. Vor diesem Hintergrund sehen Experten die Politik in der Pflicht, den Strukturwandel zusätzlich zu unterstützen.


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