Die wirtschaftliche Lage in der Logistikbranche zeigt Anfang 2026 ein zweigeteiltes Bild. Während sich der Sektor insgesamt stabilisiert und in Teilen sogar Wachstum verzeichnet, geraten kleine und mittlere Unternehmen zunehmend unter Druck. Das geht aus dem Datev Spotlight 2/2026: Verkehr und Lagerei hervor, das die Entwicklung von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Branchenkontext analysiert.
Demnach profitieren vor allem große Logistikunternehmen von der positiven Marktentwicklung. KMU hingegen verzeichnen seit mehr als einem Jahr stagnierende oder rückläufige Umsätze sowie sinkende Beschäftigtenzahlen.
Große Anbieter wachsen, Mittelstand verliert Umsatzvolumen
Die Auswertung zeigt eine deutliche strukturelle Verschiebung innerhalb der Branche. Seit rund zwei Jahren nimmt das reale Umsatzvolumen bei KMU kontinuierlich ab. Großunternehmen konnten dagegen seit Mitte 2024 preisbereinigte Umsatzzuwächse erzielen und prägen damit maßgeblich die Gesamtentwicklung der Branche.
Im Jahresvergleich verlief die Umsatzentwicklung von Gesamtbranche und KMU bis Anfang 2023 noch weitgehend parallel. Ab Februar 2023 zeigt sich jedoch ein Bruch: Während die nominalen Umsätze der Branche insgesamt deutlich zurückgingen, stagnierten die Umsätze der KMU zunächst und sanken ab Juni 2025 im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.
Beschäftigung: Gegensätzliche Trends innerhalb der Branche
Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei den Beschäftigtenzahlen wider. Insgesamt verzeichnete der Bereich Verkehr und Lagerei seit Anfang 2024 wieder einen leichten Beschäftigungsaufbau, mit einem deutlichen Zuwachs im Januar 2025. Bei kleinen und mittleren Unternehmen hingegen geht die Zahl der Beschäftigten bereits seit Anfang 2023 kontinuierlich zurück.
Als Ursachen nennt die Analyse unter anderem steigende Lohn- und Energiekosten, eine schwache Nachfrage sowie strukturelle Veränderungen im Markt, die kleinere Betriebe deutlich stärker belasten als große Anbieter.
Steigende Kosten und zunehmende Insolvenzen
Der wirtschaftliche Druck auf KMU wird zusätzlich durch steigende Lohnkosten verstärkt. Der Lohnindex für mittelständische Betriebe im Bereich Verkehr und Lagerei erreichte im März 2026 saisonbereinigt 121,8 Punkte und lag damit mehr als 20 Prozent über dem Niveau des Referenzjahres 2022 (Index = 100). Durch die geplante Anhebung des Mindestlohns im Januar 2027 dürften die durchschnittlichen Lohnkosten im Sektor um weitere rund 2,5 Prozent steigen.
Parallel dazu nahm die Zahl der Insolvenzen zu. Nach einem pandemiebedingten Tiefstand von 56 Fällen im August 2020 stiegen die monatlichen Insolvenzen in der Branche bis Juni 2025 auf 138. Inzwischen nähert sich das Niveau wieder dem Stand vor der Krise an. Auch steigende Energiepreise tragen laut Analyse zu einer anhaltend hohen Kostenbelastung bei.
Unsicherer Ausblick durch geopolitische Risiken
Eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Die Analyse verweist auf zusätzliche Risiken durch geopolitische Unsicherheiten, insbesondere den Iran-Konflikt. Volatilere Rohöl- und Erdgaspreise könnten die Kosten- und Lieferkettenbelastungen für KMU weiter erhöhen.
Hinzu kommen mögliche Verzögerungen im See- und Luftverkehr sowie steigende Fracht- und Versicherungskosten. Je nach Verlauf der geopolitischen Entwicklungen könnten diese Faktoren die Inflationsrate leicht erhöhen, Konsum und Investitionen dämpfen und die wirtschaftliche Erholung kleiner und mittlerer Logistikunternehmen weiter verzögern.
„Die Logistik erholt sich – im Mittelstand kommt das bislang kaum an“, erklärt Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der Datev eG. „Während große Anbieter profitieren, verlieren kleine und mittlere Unternehmen weiter an Boden.“ Vor diesem Hintergrund fordert er: „Der Mittelstand braucht jetzt gezielte Entlastung, Investitionsanreize und Unterstützung bei der Digitalisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“
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