Hamburger Spediteure kritisieren Spritpreis‑Politik der Bundesregierung

20.04.2026 16:15 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lkw tankt an Tankstelle: Zapfhahn befüllt Lkw-Tank
Hamburger Spediteure kritisieren die Kraftstoffpolitik der Bundesregierung und fordern praxisnahe Lösungen für die Logistikbranche (Symbolbild)
© Foto: M. Perfectti/stock.adobe.com

Hamburgs Spediteure werfen der Bundesregierung bei der Entlastung hoher Kraftstoffpreise „blinden Aktionismus“ vor. Sie fordern stattdessen ein Modell nach australischem Vorbild und kritisieren zusätzlich Verzögerungen bei der Köhlbrandbrücke und an den Containerterminals.

Hamburgs Spediteure gehen mit den aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung zur Dämpfung der hohen Kraftstoffpreise hart ins Gericht, wie die dpa vermeldet: Die geplanten Eingriffe seien nicht praxisnah und würden an den tatsächlichen Problemen der Branche vorbeigehen, kritisiert der Verein Hamburger Spediteure.

Konkret stößt die Regelung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf Widerstand, nach der Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen, diese jedoch beliebig oft senken können. Der Vorsitzende des Vereins Hamburger Spediteure, Axel Plaß, bezeichnete diesen Ansatz als „blinden Aktionismus“ und sieht darin keine spürbare Entlastung für die Logistikunternehmen.

Australisches Modell als Alternative

Aus Sicht der Hamburger Spediteure hätte die Bundesregierung ein international erprobtes System übernehmen sollen. Als Beispiel nannten sie das australische Tankstellenmodell. „Die Australier dürfen einmal erhöhen, aber dann nicht wieder runter“, sagte der Geschäftsführer der Spedition Konrad Zippel.

Das Prinzip dahinter: Setzt eine Tankstelle den Preis zu hoch an, muss sie diesen für 24 Stunden beibehalten – mit entsprechendem Risiko, keinen Umsatz zu erzielen. „kein Umsatz, doof gelaufen“, so Zippel weiter. Erst am Folgetag könne neu kalkuliert werden. Axel Plaß hält ein solches System sogar im Wochenrhythmus für sinnvoll, um kurzfristige Preissprünge zu verhindern.

Auch internationale Beispiele wie Österreich überzeugten die Hamburger Spediteure nicht. „Österreich hat es ja auch schon falsch gemacht“, sagte Plaß. Für die Transportwirtschaft habe dies keinerlei positive Effekte. „Das ist einfach blinder Aktionismus.“

Kritik an Entlastungsprämie für Beschäftigte

Neben der Kraftstoffpolitik stößt auch die geplante steuerfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1000 Euro auf deutliche Ablehnung. Unternehmen sollen diesen Betrag an ihre Beschäftigten auszahlen können. Aus Sicht der Spediteure sei diese Maßnahme realitätsfern.

Nach Angaben von Axel Plaß verfügen rund 80 Prozent der Trucking-Spediteure über weniger als zehn Fahrzeuge. Viele dieser Betriebe hätten bereits Schwierigkeiten, den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund stellte Plaß die Frage, wie diese Unternehmen zusätzlich 1000 Euro pro Beschäftigtem finanzieren sollen: „Also das sind zwei Maßnahmen, die völlig an der Realität vorbeigehen und überhaupt nicht helfen.“

Köhlbrandbrücke und A26 Ost sorgen für Unmut

Unzufriedenheit äußerten die Spediteure auch mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur in Hamburg. Kritik richtete sich sowohl an die Terminalbetreiber im Hafen als auch an die Hamburger Wirtschaftsbehörde und Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD).

Besonders problematisch sei die Situation an der Köhlbrandbrücke, über die ab dem 1. Mai keine Lastwagen mit einem Gewicht von über 44 Tonnen mehr fahren dürfen. Zudem gebe es beim Ausbau der Autobahn A26 Ost keine spürbaren Fortschritte. Vereinsvize Bernd Themann von der Spedition Lagerhaus Harburg warnte vor den Folgen für die tägliche Praxis. „Für die Speditionspraxis bedeutet das nicht nur tägliche Staus, weite Umwege und erheblichen Zeitverluste, sondern auch zunehmende wirtschaftliche Risiken.“

Lange Planungszeiträume in der Kritik

Die bestehende Köhlbrandbrücke soll durch einen Neubau ersetzt werden, der rund 20 Meter höher ausfallen und zwischen 4,4 und 5,3 Milliarden Euro kosten soll. Nach aktuellen Planungen sei die Fertigstellung erst Ende der 2030er- oder Anfang der 2040er‑Jahre vorgesehen, so die dpa weiter.

Für Axel Plaß sind diese Zeiträume nicht akzeptabel. Ein internationaler Hafenstandort könne sich derart lange Planungs‑ und Bauzeiten nicht leisten. Themann verwies in diesem Zusammenhang auf den Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua im Jahr 2018, die innerhalb von drei Jahren ersetzt worden sei. „Es braucht ein beispielloses Planungsbeschleunigungsgesetz für den Ersatzbau der Köhlbrandbrücke und eine schnelle, rechtssichere Lösung für die Südumfahrung“, forderte Themann.

Abfertigungszeiten an Containerterminals bleiben problematisch

Auch die Situation an den Hamburger Containerterminals bleibt aus Sicht der Spediteure angespannt. Zwar habe sich die Lage zuletzt nicht weiter verschlechtert, zufriedenstellend sei sie jedoch nicht. „Wenn wir schon was Positives sagen wollen, dann sagen wir, es hat sich nicht weiter verschlechtert“, sagte Plaß.

Aktuell lägen die Verspätungen bei der Abfertigung bei drei bis vier Stunden. Damit werde Hamburg internationalen Leistungsanforderungen nicht gerecht.

Angespannte wirtschaftliche Lage der Branche

Die wirtschaftliche Situation der Hamburger Spediteure bleibt insgesamt herausfordernd. Laut dem Konjunkturindikator 2026 des Vereins rechnen 38 Prozent der befragten Unternehmen mit einem sinkenden Transportvolumen im laufenden Jahr. 36 Prozent erwarten rückläufige Umsätze, während 43 Prozent von sinkenden Gewinnen ausgehen. Sechs Prozent der Betriebe rechnen sogar mit Verlusten.

An der Umfrage beteiligten sich 114 von insgesamt 318 angeschriebenen Speditionsunternehmen.


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