Die Entwicklung der Seefrachtraten und Luftfrachtraten wird von einer Kombination aus Nachfrage, geopolitischen Risiken und verfügbaren Transportkapazitäten geprägt. Das zeigt das See- und Luftfracht-Update der Spedition Forto.
Relation Fernost-Nordeuropa stark vom Preisanstieg betroffen
Die Seefrachtraten sind im zweiten Quartal deutlich angestiegen, die Luftfrachtraten haben sich im Vergleich zum Vorquartal stabilisiert. Das sind Ergebnisse des See- und Luftfracht-Updates für das zweite Quartal der Spedition.
Die Spotraten auf der Relation Fernost–Nordeuropa lagen demnach im Quartalsdurchschnitt bei rund 2130 US-Dollar pro Zwanzig-Fuß-Standardcontainer (TEU). Das sind 38 Prozent über dem Vorquartal und 45 Prozent über dem Vorjahreswert.
Warum die Seefrachtraten deutlich gestiegen sind
Wie die Spedition in ihrem Update weiter mitteilt, sei der Hauptgrund für die teurere Seefracht auf der Relation Vorzieheffekte der Verlader. Zusätzlich wurden die Preise beeinflusst durch hohe Treibstoffkosten und eine weiter angespannte Routenlage.
Ab Mitte Mai zogen laut den Ergebnissen des Speditionsunternehmens zahlreiche Verlader ihre Sendungen vor. Die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung hatte in diesem Zeitraum aber bereits zusätzliche Schiffe gebunden. In der Folge seien die Frachtraten bis Ende Juni weiter gestiegen.
Forto: Nachfrage treibt Seefrachtraten stärker als das Angebot
„Gleichzeitig verschiebt sich die Hochsaison auf der Relation Asien–Europa zunehmend in die Monate Mai und Juni, solange die Schiffe den längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen“, so Stefan Hartmann, Head of Trade Asia – Europe bei Forto.
„Der Ratenanstieg war damit vor allem nachfragegetrieben und nicht das Ergebnis umfangreicher Angebotskürzungen.“
Straße von Hormus bleibt Risikofaktor
Auf der Relation Fernost–Nordeuropa fahren Maersk, MSC, CMA CGM und Hapag-Lloyd weiterhin über das Kap der Guten Hoffnung. Eine Rückkehr auf die Suez-Route sei davon abhängig ob sich die Lage im Roten Meer nachhaltig stabilisiere, so Forto.
Auch die Mitte Juni vereinbarte vorübergehende Wiederöffnung der Straße von Hormus – eine vor allem für Bunkerschiffe wichtige Passage – habe bislang nicht zu einer nachhaltigen Entspannung geführt. Unsicherheit bleibe bestehen, da weiterhin Angriffe auf Schiffe stattfanden und es von Seiten der beteiligten Staaten widersprüchliche Signale gegeben habe.
Für eine Rückkehr großer Containerreedereien in den Golf müssten aus Sicht der Spedition vor allem die Prämien für Kriegsrisikoversicherungen sinken und die Versicherungsbedingungen verlässlicher werden.
Luftfrachtraten bleiben trotz höherer Kapazitäten auf hohem Niveau
Die Spedition untersuchte zudem die Luftfrachtraten. Dort haben sich laut dem Update die Preise nach den starken Anstiegen zu Jahresbeginn stabilisiert. Trotzdem waren sie aber auf vielen wichtigen Relationen weiter hoch.
Die Spedition verweist in ihrem Update auf Zahlen des Verbands der Fluggesellschaften IATA. Demnach lag die weltweite Nachfrage sechs Prozent über dem Vorjahresniveau, während die Kapazität um 1,9 Prozent zunahm. Dies sei hauptsächlich begründet in der Nachfrage nach hochwertigen und zeitkritischen Gütern, so Forto.
Trotz des globalen Kapazitätszuwachses sei der tatsächlich verfügbare Frachtraum aber stark von der jeweiligen Relation abhängig gewesen. Operative Engpässe an Flughäfen sowie Luftraumbeschränkungen infolge der Spannungen im Nahen Osten begrenzten das Angebot auf einzelnen Strecken und führten zu Umleitungen sowie Kapazitätsverlagerungen.
Ungleiche Verteilung des Angebots
„Die leichte Zunahme der globalen Kapazität darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frachtraum weiterhin sehr ungleich verteilt ist. Für Verlader zählt nicht der weltweite Durchschnitt, sondern ob auf der benötigten Relation zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Kapazität mit dem erforderlichen Servicelevel verfügbar ist. Frühe Buchungen und flexible Routings bleiben ein wichtiger Schutz vor Engpässen und kurzfristigen Preissprüngen“, so Christopher Braun, Director Freight bei Forto.
Wie sich Seefracht- und Luftfrachtraten im zweiten Halbjahr entwickeln könnten
Wie sich der Seefrachtmarkt im dritten Quartal entwickelt, hängt laut der Spedition vor allem von zwei Faktoren ab:
- der Nachfrageentwicklung und
- dem weiteren Verlauf der Lage rund um Hormus.
So könnten die Raten langsam sinken, wenn die Vorzieheffekte abklingen sollten und gleichzeitig die Reedereien vorerst weiter über das Kap der Guten Hoffnung fahren. Das sei die wahrscheinlichste Entwicklung, glaubt Forto.
Sollte sich die Lage nachhaltig entspannen, könnten die Preise im späteren Quartalsverlauf deutlicher nachgeben, so die Experten der Spedition. Eskaliere die Situation dagegen, sei es möglich, dass die Raten wieder in Richtung der Juni-Höchststände klettern.
Die weitere Entwicklung der Luftfrachtraten ist nach Ansicht der Spedition von anderen Faktoren abhängig. Diese Faktoren sind:
- die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte,
- weitere Buchungen für hochwertige und zeitkritische Sendungen sowie
- die Entwicklung der Technologiebranche.
Frühzeitige Buchungen würden darauf hindeuten, dass sich erste Verlader schon Kapazitäten für die Hochsaison sichern.
Zusätzliche Risiken sieht Forto durch folgende Faktoren gegeben:
- mögliche Luftraumbeschränkungen,
- steigende Treibstoffkosten sowie
- saisonale Wetterereignisse wie Taifune und den Monsun in Teilen Asiens.