Die wirtschaftliche Stabilisierung der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden ist nach Einschätzung des Luftverkehrsexperten Hartmut Fricke noch kein Grund zur Entwarnung. Die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) hatte zuletzt erklärt, wesentliche wirtschaftliche Ziele früher erreicht zu haben als ursprünglich geplant. Ob die Restrukturierungsphase tatsächlich vorzeitig beendet werden kann, entscheiden nach Unternehmensangaben der Sanierungsberater KPMG und die finanzierenden Banken. Die Flughafengruppe befinde sich wirtschaftlich auf einem deutlich stabilisierten Kurs.
Schwierige Rahmenbedingungen für den Flugverkehr
Die vorfristige Erfüllung wichtiger Sanierungsziele sei zwar „außerordentlich begrüßenswert gerade in diesen Zeiten“, sagte Fricke, der Wissenschaftler an der Technischen Universität Dresden ist. Die Rahmenbedingungen für die Luftverkehrswirtschaft würden jedoch „zumindest bis 2030 nicht wirklich einfacher“. Fliegen sei in Deutschland deutlich teurer geworden. Zudem hätten viele Fluggesellschaften ihr Angebot an Regionalflughäfen reduziert.
Sachsen will beide Standorte halten
Der Freistaat Sachsen bezeichnet beide Standorte als unverzichtbar. An der grundsätzlichen Ausrichtung der Flughäfen hält die Politik fest. Dies, obwohl die scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der MFAG, Hiltrud Werner, den Betrieb zweier Flughäfen in Sachsen zuletzt als betriebswirtschaftlich schwierig bezeichnet hatte. „Bei rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung ist der parallele Betrieb beider Flughäfen zweifellos anspruchsvoll. Doch volkswirtschaftlich betrachtet ergibt sich ein ganz anderes Bild“, erklärte Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (CDU). Nach Angaben des Finanzministeriums stehen die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden zusammen für eine Bruttowertschöpfung von fast fünf Milliarden Euro.
Das DHL-Drehkreuz als wichtiger Stabilitätsfaktor
Ein wichtiger Stabilitätsfaktor bleibt nach Angaben der MFAG das DHL-Drehkreuz in Leipzig/Halle. DHL sei ein „zentraler strategischer Partner und ein wesentlicher Stabilitätsfaktor für den Standort Leipzig/Halle“, erklärte das Unternehmen. Gleichzeitig wolle die Flughafengruppe ihre wirtschaftliche Basis verbreitern und zusätzliche Potenziale im Passagier- und Frachtverkehr sowie bei Dienstleistungen und Ansiedlungen erschließen.