Mit einer neuen Koordinierungsstelle will das Bundesverkehrsministerium den bundesweiten Roll‑out der digitalen Zug- und Leitstellentechnik ETCS und ERTMS beschleunigen. Die Digitalisierung der Schiene gilt als zentral auch für den Schienengüterverkehr und die Leistungsfähigkeit der Bahnbranche.
ETCS und ERTMS sollen Digitalisierung im Schienengüterverkehr beschleunigen
Unter den Begriffen ERTMS und ETCS verstecken sich zwei wichtige Digitalisierungstechniken für Schieneninfrastruktur und Züge. Bisher ging es mit der Umsetzung in Deutschland nicht gut voran. Im Vergleich mit den Nachbarländern und den europäischen Ausbauplänen hinkt die Bundesrepublik hinterher.
Um die Technik aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen, hat das Bundesverkehrsministerium (BMV) nun die Koordinierungsstelle geschaffen.
Die Systeme ERTMS (European Rail Traffic Management System) für die Schieneninfrastruktur und ETCS (European Train Control System) für die Fahrzeuge ermöglichen eine Echtzeit-Kommunikation zwischen Zügen und Leitstellen. Ziel ist es, den Bahnverkehr zuverlässiger und leistungsfähiger zu machen.
Perspektivisch erhöht sich laut BMV auch die Kapazität des bestehenden Netzes. Denn die Züge können in dichteren Abständen fahren, ohne dass neue Gleise gebaut werden müssen. Ein künftiger Vorteil auch für die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Güterverkehr.
Wie die neue Koordinierungsstelle arbeiten soll
Zu den zentralen Aufgaben der Koordinierungsstelle gehören:
- Abstimmung von Maßnahmen,
- für Umsetzung sorgen,
- Fragen des Bahnsektors beantworten
- sich um die Fördergelder kümmern, um die aktuell im Betrieb befindlichen Züge auf die neue Technik umzurüsten.
Die Entscheidungen sollen über einen Lenkungskreis gefällt werden. Sie arbeitet ab sofort. Mitte 2027 ist geplant, die Organisationsform zu überprüfen und zu bewerten.
Der Lenkungskreis besteht aus:
- dem BMV (Vorsitz),
- Vertretern der Bundesländer,
- den Aufgabenträger, vertreten durch den Bundesverband Schienennahverkehr (BSN),
- Verbände der Eisenbahnverkehrsunternehmen, konkret: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Mofair und Die Güterbahnen, sowie
- der DB Infrago.
VDV fordert effizienteren ETCS‑Roll‑out und weniger Bürokratie
Der VDV begrüßt, dass Mithilfe der geschaffenen Stelle der bundesweite Roll-out der digitalen Standards ERTMS und ETCS koordiniert und damit effizienter und mit geringerem bürokratischen Aufwand vorangetrieben werden kann.
„Um den Eisenbahnbetrieb sicherer, effizienter und grenzüberschreitend interoperabler zu gestalten, ist eine schnellstmögliche branchenweite Umsetzung dieser Standards notwendig. Die Branche hat mit der neuen Koordinierungsstelle nun einen gemeinsamen Anlaufpunkt“, hebt VDV-Präsident Ingo Wortmann hervor.
Man erwarte, dass „eine gemeinsame und an den notwendigen Anforderungen der Branche orientierte Zusammenarbeit sichergestellt wird“.
Die Güterbahnen: Koordinierter Roll-out-Plan und Regeln der Zusammenarbeit wichtig
Aus Sicht der Eisenbahnverkehrsunternehmen sei vor allem die Umrüstung der Fahrzeuge entscheidend, heißt es vom Verband Die Güterbahnen. „Nach Monaten des Bangens keimt vorsichtiger Optimismus auf, dass jetzt alle Beteiligten in dieselbe Richtung rudern“, so Oliver Smock, Referent für Eisenbahnpolitik der Güterbahnen.
Als zentrale Aspekte für einen effiziente Umrüstung sieht er:
- die halterübergreifende Bündelung von Fahrzeugumrüstprojekten und
- eine praxisnahe, unbürokratische Unterstützung der Eisenbahnverkehrsunternehmen.
„Dazu müssen jetzt konkrete Pläne und Regeln der Zusammenarbeit sauber ausgehandelt werden – das wird kein Spaziergang. “
Wichtig laut dem Verband: Alle benötigten Lokomotiven und Triebzüge müssen die neue Technik an Bord haben, bevor die jeweiligen Strecken umgerüstet werden. Zudem dürften die hohen Kosten sowie die Standzeiten der Fahrzeugumrüstung die Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht überfordern.
Mit dem Start der Koordinierungsstelle sei eine wichtige Basis für einen erfolgreichen ERMTS-Rollout geschaffen worden. Der Verband sieht aber weitere Punkte als entscheidend an:
- Unter anderem ein realistischer mehrstufiger Roll-out-Plan,
- die Standardisierung technischer Entwicklungen, und
- die Kompatibilität und Vorrüstung des zukünftigen Bahnfunkstandards FRMCS.
Sowohl VDV als auch die Güterbahnen haben eine entsprechende Koordinierungsstelle gefordert. Mit deren Start ist ein wichtiger organisatorischer Schritt für den ETCS‑ und ERTMS‑Roll‑out in Deutschland geschafft. Entscheidend bleibt, wie schnell die Umrüstung von Fahrzeugen und Strecken im Bahnsektor umgesetzt wird.