Der Gas-Lkw hatte es in den vergangenen Jahren schwer. Explodierende Energiepreise nach Beginn des Ukraine-Kriegs machten den wirtschaftlichen Betrieb vieler LNG-Fahrzeuge unmöglich. Zahlreiche Speditionen zogen die Reißleine, meldeten ihre Gas-Lkw ab oder verkauften sie. Das Urteil vieler Unternehmer war eindeutig: Nie wieder LNG. In unserem aktuellen Podcast erörten Tabea Schulz und VR-Test-Redakteur Jan Burgdorf, ob angesichts der veränderten Situation Gastantriebe nicht doch eine interessante Alternative darstellen.
Biogas statt Diesel? Testfahrt mit dem Volvo FH Aero 500 LNG
LNG günstiger als Diesel
Doch eine aktuelle Testfahrt mit dem Volvo FH Aero 500 LNG zeigt, dass sich die Rahmenbedingungen inzwischen deutlich verändert haben.
Ein entscheidender Faktor: der Preis. Während Diesel zuletzt bei über zwei Euro pro Liter lag, kostete LNG beim Test nur 0,93 Euro pro Kilogramm – und zwar in Form von Biogas. Damit ist der Kraftstoff nicht nur günstiger, sondern auch klimaneutral: Beim Verbrennen wird nur so viel CO₂ freigesetzt, wie zuvor von den Pflanzen gebunden wurde. Für Transportunternehmen wird das zunehmend relevant – insbesondere dann, wenn Verlader emissionsarme Transporte verlangen oder CO₂-Kosten weiter steigen.
Diesel-Feeling dank Zündstrahlverfahren
Technisch geht Volvo einen anderen Weg als viele Wettbewerber. Statt Ottomotor setzt der Hersteller auf das sogenannte Zündstrahlverfahren. Eine kleine Menge Diesel entzündet das Gas-Luft-Gemisch – ähnlich dem klassischen Dieselprinzip. Das Ergebnis: 500 PS und 2.500 Newtonmeter Drehmoment, nahezu identisch mit dem Diesel-Pendant. Auf der Straße zeigt sich der Gas-Volvo entsprechend souverän. Selbst Steigungen mit 40 Tonnen meistert der FH Aero 500 LNG ohne Mühe – und das bereits bei niedrigen Drehzahlen.
Verbrauch und Reichweite im Blick
Im Test lag der Verbrauch bei 16,07 kg Biogas pro 100 Kilometer. Zusätzlich benötigt der Lkw rund 1,08 Liter Diesel und 1,60 Liter AdBlue je 100 Kilometer. Laut Volvo soll sich dieser Mehrbedarf durch den niedrigeren Gasverbrauch im Vergleich zu klassischen Otto-Gasmotoren amortisieren. Mit einer Reichweite von bis zu 1.200 Kilometern eignet sich der LNG-Volvo auch für längere Fernverkehrseinsätze – trotz nur eines Gastanks auf der linken Fahrzeugseite.
Brückenlösung für den Fernverkehr
Volvo Trucks sieht im Biogas eine Übergangstechnologie: klimafreundlicher als Diesel, sofort verfügbar und deutlich günstiger als batterieelektrische Lkw. Solange Lade- und Wasserstoffinfrastruktur noch nicht flächendeckend vorhanden sind, kann LNG eine realistische Alternative darstellen.
Fazit: Der Volvo FH Aero 500 LNG zeigt eindrucksvoll, dass der Gasantrieb im schweren Lkw noch nicht abgeschrieben werden sollte. Günstige Kraftstoffpreise, hohe Fahrleistungen und die Möglichkeit klimaneutral zu fahren, machen ihn wieder attraktiv – zumindest als Brückenlösung. Ob sich LNG dauerhaft etabliert, bleibt offen. Klar ist aber: Das Thema (Bio-)Gas ist zurück.