BGL fordert Einführung eines Gewerbediesels

17.09.2026 09:13 Uhr | Lesezeit: 3 min
Grüner Zapfhahn steckt in der Zapfsäule
Der Dieselpreis hat einen historischen Höchststand erreicht
©Foto: Iryna Melnyk / iStock / Getty Images Plus

Wegen der historisch hohen Dieselpreise hat sich der BGL mit einem offenen Brief an den Bundeskanzler gewandt. Darin schlägt er die Aufhebung der CO2-Doppelbelastung sowie einen Gewerbediesel vor.

Die Kraftstoffpreise bedrohen Existenzen im mittelständischen Transportgewerbe, schreibt der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) in seinem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). In diesem Schreiben spricht sich der BGL für ein Ende der CO2-Doppelbelastung sowie die sofortige Einführung eines Gewerbediesels ein, um die Transportunternehmen schnell und spürbar zu entlasten. Die wirtschaftliche Lage im stark mittelständisch geprägten Transportgewerbe habe sich aufgrund der Explosion der Dieselpreise „dramatisch zugespitzt“, schreibt der BGL. Am Mittwoch, 17. September, kostete ein Liter im bundesweiten Tagesschnitt 2,453 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem April um 0,6 Cent, wie aus Zahlen des ADAC hervorgeht.

Dieselpreise auf historischem Höchststand

„Seit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten ist der Dieselpreis um netto ca. 60 Cent pro Liter gestiegen. Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometer ergeben sich Mehrkosten in Höhe von 1.800 Euro pro Lkw. Das bedeutet für eine Fahrzeugflotte von 50 Lkw zusätzliche Kosten von 1.080.000 Euro pro Jahr“, rechnet der BGL in seinem Schreiben an den Kanzler vor. Diese Kostensteigerungen könnten von den Betrieben kaum noch allein getragen werden. Zudem ließen sie sich häufig nicht oder nur teilweise an Auftraggeber weitergeben, insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen. „Die hohen Dieselpreise gefährden daher zahlreiche mittelständische Betriebe und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Wegen der ohnehin geringen Gewinnmargen im Transportgewerbe besteht akuter politischer Handlungsbedarf, um die Versorgungssicherheit für die Gesellschaft nicht langfristig zu gefährden“, führt der BGL weiter aus.

Aufhebung der doppelten CO2-Belastung

Man habe zwar mit Freude „zur Kenntnis genommen, dass die Bundesregierung zügig handeln will“, sei aber darüber irritiert, dass erneut eine Senkung der Mehrwertsteuer erwogen werde. Diese entfalte für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen kaum eine unmittelbare Entlastungswirkung. „Wir bitten Sie daher dringend, endlich die seit langem angekündigte und im Koalitionsvertrag vereinbarte Aufhebung der doppelten CO2-Belastung des deutschen Transportgewerbes durch den nationalen Emissionshandel gemäß BEHG und den CO2-Zuschlag auf die Lkw-Maut umzusetzen, etwa über ein Rückerstattungsverfahren in Anlehnung an Gewerbedieselregelungen anderer EU-Staaten“, schreibt der BGL.

Gewerbediesel als echte Liquiditätshilfe

Zudem fordert der Verband die Einführung eines wettbewerbsfähigen Gewerbediesels nach Vorbild anderer EU-Mitgliedstaaten, wo die Energiesteuer für gewerblich genutzten Diesel auf das EU-Mindestmaß reduziert werde. Hierfür würden Tankbelege bei den zuständigen Behörden für vorab mit Fahrzeugschein registrierte Fahrzeuge eingereicht und die Energiesteuer als „echte Liquiditätshilfe in Teilen zurückerstattet“. Während zahlreiche europäische Nachbarstaaten ihre Unternehmen auf diese Weise entlasten, geraten deutsche Betriebe zunehmend ins Hintertreffen. Ein echter Gewerbediesel würde die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft nachhaltig sichern.

BGL sieht keine beihilferechtlichen Hürden

Auf europäischer Ebene gebe es aufgrund des befristeten Krisen-Beihilferahmens der Europäischen Kommission keine beihilferechtlichen Hindernisse, so der BGL weiter. „Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dürfen die deutschen Mittelständler im europäischen Wettbewerb nicht weiter benachteiligt werden. Die Bundesregierung muss daher jetzt handeln“, schreibt der BGL in seinem Brief an den Bundeskanzler abschließend.


VR Funk - der Podcast der VerkehrsRundschau

Mit aktuellen Hintergrundinformationen, Interviews und Einschätzungen rund um Transport, Logistik, Spedition und Nutzfahrzeuge hält Sie die VR-Redaktion gemeinsam mit Experten der Branche auf dem neuesten Stand. Ob unterwegs, im Büro oder zuhause: Hören Sie rein und bleiben Sie informiert über Themen, die bewegen. Neue Folgen erscheinen immer donnerstags und sind verfügbar bei

Spotify

Deezer

Apple Podcasts

Audible

Sie haben Fragen, Ideen oder wollen gerne Teil unseres Podcasts werden? Dann melden Sie sich gerne bei Tabea Schulz unter tabea.schulz@tecvia.com


HASHTAG


#BGL

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.