Bei einem gemeinsamen Auftritt auf einer Bühne warnten die Vorstandsvorsitzenden der sieben führenden europäischen Lkw- und Bushersteller am Montag, 14. September, auf der IAA Transportation in Hannover, dass Europas Umstellung auf emissionsfreie Schwerlastfahrzeuge gebremst wird. Bei entscheidenden Voraussetzungen für den Hochlauf von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben gebe es nach wie vor einen eklatanten Rückstand, so die Industrievertreter. Sie forderten die politischen Entscheidungsträger auf, daher den Zeitplan für die Einhaltung der CO2-Ziele bis 2030 anzupassen.
An der Pressekonferenz nahmen teil: Jim Walenczak, Präsident von DAF Trucks; Karin Rådström, Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck und Vorsitzende des ACEA-Ausschusses für Nutzfahrzeuge; Güven Özyurt, CEO von Ford Otosan; Olof Persson, CEO der Iveco-Gruppe; Alexander Vlaskamp, CEO von MAN Truck & Bus; Christian Levin, Präsident und CEO der Scania-Gruppe und der Traton-Gruppe; sowie Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo-Gruppe.
Hersteller stellen passende Fahrzeuge zur Verfügung
„Wir setzen uns voll und ganz für nachhaltigen Verkehr ein – die Investitionen wurden getätigt, und heute steht eine breite Palette CO2-freier Fahrzeuge zur Verfügung. Doch um diese in großem Maßstab wirtschaftlich rentabel zu machen, ist auch das gesamte Ökosystem entscheidend, dessen Entwicklung sich jedoch deutlich verzögert und noch nicht schnell genug voranschreitet“, sagte Karin Rådström, Präsidentin und CEO von Daimler Truck sowie Vorsitzende des ACEA-Ausschusses für Nutzfahrzeuge. Das bedeute zweierlei: „Wir müssen die Rahmenbedingungen zügig verbessern, und die EU muss die Frist für die Einhaltung der Vorgaben für 2030 um drei Jahre verschieben, um Strafen für die Hersteller zu vermeiden.“
Nur 2,4 Prozent der Neuzulassungen emissionsfrei
Die Rahmenbedingungen, die Transportunternehmen benötigen, um Fahrzeuge mit alternativen wettbewerbsfähig zu betreiben, hinken mittlerweile um mindestens drei Jahre hinterher und entwickeln sich immer noch nicht schnell genug, so die CEOs. Derzeit sind nach Zahlen der ACEA nur 2,4 Prozent der Neuzulassungen von schweren Lkw in Europa emissionsfrei. In wichtigen Lkw-Märkten wie Polen, Spanien und Italien liege der Anteil jedoch immer noch deutlich unter einem Prozent. Selbst in Deutschland und Frankreich, den beiden größten Lkw-Märkten Europas, liegt er bei nur 4,3 Prozent bzw. 2,4 Prozent.
Lücke bis 2030 kaum zu schließen
Da nur noch 45 Monate verbleiben, bis die CO2-Ziele für 2030 in Kraft treten, ist die Lücke zwischen der aktuellen Marktakzeptanz und dem Tempo der Umstellung bis 2030 nach wie vor beträchtlich. Um diese Lücke zu schließen, müssen emissionsfreie Lkw für Transportunternehmen wirtschaftlich sinnvoll sein – und das hängt laut ACEA von Lade- und Netzzugang, Energiekosten, CO2-basierten Mautgebühren und einem kohärenten, förderlichen politischen Rahmen ab. Die meisten Voraussetzungen, die darüber entscheiden, ob Unternehmen den Umstieg vollziehen können, müssen von anderen Akteuren als den Herstellern geschaffen werden.
Herstellern drohen finanzielle Strafen
Den Nutzfahrzeugherstellern drohen laut ACEA erdrückende finanzielle Strafen, wenn ihre neuen Flotten die CO2-Ziele nicht erreichen. Die Einhaltung dieser Ziele hänge „jedoch von Entscheidungen ab, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette getroffen werden“. Sollte die Marktakzeptanz zu gering bleiben, als dass die Hersteller ihre Verpflichtungen für 2030 erfüllen könnten, würde die Verhängung von Strafen bei Nichteinhaltung nicht dazu führen, dass mehr emissionsfreie Lkw auf die Straße kommen. Stattdessen würden Milliarden Euro von den für den Wandel erforderlichen Technologien und Produktionskapazitäten abgezogen, während die europäischen Hersteller gerade in einer Zeit geschwächt würden, in der sich der globale Wettbewerb verschärft, so die CEOs.