Der Krieg im Iran hat spürbare wirtschaftliche Auswirkungen auf den deutschen Straßengüterverkehr. Nach extremen Preisspitzen bei Diesel im Frühjahr 2026 hat sich das Preisniveau zuletzt zwar etwas entspannt, bleibt jedoch hoch und vor allem stark volatil. Für Transport‑ und Logistikunternehmen entwickelt sich die Lage zunehmend zu einer Wirtschaftlichkeitskrise – mit Risiken für die Stabilität der Lieferketten, die in Deutschland zu rund 85 Prozent vom Straßentransport abhängen.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) äußerte sich zur Task Force-Sitzung der CDU/CSU- und SPD-Bundestagsfraktionen am Freitag, den 22. Mai, in einem Lagebericht zu den Dieselpreisen:
Dieselpreise bleiben hoch und volatil
Im März 2026 überschritt der Dieselpreis zeitweise die Marke von 2,20 Euro pro Liter, wie der BGL anmerkt: Eine zwischenzeitliche Entspannung sei unter anderem auf marktbedingte Effekte sowie einen Energiesteuerrabatt zurückzuführen. Das Preisniveau liege jedoch weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau.
Die Internationale Energieagentur (IEA) bestätige eine anhaltend hohe Volatilität auf den internationalen Ölmärkten. Nach Einschätzung der IEA bleibe der Markt bis mindestens ins vierte Quartal 2026 hinein unterversorgt. Für die Transportwirtschaft bedeute dies eine dauerhaft unsichere Kalkulationsgrundlage.
Blitzumfrage: Lage bleibt für Unternehmen problematisch
Eine Blitzumfrage des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) zeige, dass sich die Situation aus Sicht der Unternehmen zwar leicht entspannt habe, insgesamt jedoch weiterhin überwiegend als problematisch eingeschätzt werde.
Als Hauptprobleme nennen die Unternehmen:
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sowie die schwierige Weitergabe der gestiegenen Kosten an Auftraggeber.
Als Lösungsansätze werden vor allem die Aufhebung der CO₂‑Doppelbelastung und die Einführung eines Gewerbediesels genannt.
Wirtschaftlichkeitskrise statt Versorgungskrise
Nach Einschätzung der Branche handle es sich aktuell nicht um eine Versorgungskrise; Diesel und auch AdBlue seien verfügbar. Das zentrale Problem sei die Wirtschaftlichkeit der Betriebe.
Kraftstoffkosten machen rund ein Drittel der Gesamtkosten von Transportunternehmen aus. Ein zeitweiliger Dieselpreisanstieg von bis zu 28 Prozent führe damit zu einem Anstieg der Gesamtkosten um rund neun Prozent. Gleichzeitig liegen die Gewinnmargen im Güterkraftverkehrsgewerbe lediglich zwischen 0,1 und 3 Prozent.
Ein Dieselpreisanstieg von bis zu 60 Cent pro Liter könne für ein Unternehmen mit 50 Lkw Mehrkosten von rund 1,08 Millionen Euro pro Jahr verursachen. Hinzu komme ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber polnischen Transportunternehmen: Die Preisdifferenz von rund 30 Cent pro Liter entspreche Mehrkosten von etwa 540.000 Euro pro Jahr bei gleicher Fahrzeugzahl.
Kurzfristige Preissprünge verschärfen Liquiditätsrisiken
Besonders problematisch seien sprunghafte Kostensteigerungen innerhalb weniger Tage: Diese ließen sich in der Praxis kaum oder gar nicht weitergeben und stellen eine akute Liquiditätsgefahr dar.
Preisgleitklauseln, sogenannte Dieselfloater, wirken in der Regel zeitverzögert im Nachhinein. Kleinere Unternehmen könnten solche Klauseln häufig nicht durchsetzen und tragen das Preisrisiko vollständig selbst.
Wettbewerbsungleichheit im europäischen Vergleich
Deutsche Transportunternehmen stehen in einem intensiven Wettbewerb mit Anbietern aus Mittel‑ und Osteuropa, insbesondere aus Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn und Litauen. Gründe seien niedrigere Kostenstrukturen, staatliche Stützungsmaßnahmen sowie nach Einschätzung der Branche unzureichende Kontrollen bei Transporten in Deutschland.
Ein Blick auf aktuelle Dieselpreise und Maßnahmen in anderen EU‑Ländern zeige deutliche Unterschiede:
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Polen: rund 1,61 Euro pro Liter, staatliche Preisobergrenze, Mehrwertsteuerreduktion von 23 auf 8 Prozent sowie Energiesteuersenkung.
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Tschechien: rund 1,72 Euro pro Liter, Energiesteuerreduktion um 10 Cent pro Liter, gesetzlich gedeckelte Gewinnmarge beim Kraftstoffverkauf.
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Slowenien: rund 1,74 Euro pro Liter, staatlicher Preisdeckel.
Die EU habe ihre Beihilferegeln flexibilisiert: Mitgliedstaaten dürfen demnach bis zu 70 Prozent der krisenbedingten Mehrkosten für Kraftstoff kompensieren.
Hohe staatliche Abgaben belasten deutsche Unternehmen
In Deutschland sei die staatliche Abgabenlast besonders hoch. Dazu zählen:
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die CO₂‑Abgabe auf Diesel nach dem BEHG 2026 von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂, entsprechend 17,3 bis 20,5 Cent pro Liter,
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die Energiesteuer von regulär 47,04 Cent pro Liter Diesel, derzeit temporär abgesenkt,
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sowie die Lkw‑Maut für ein Standardfahrzeug (Euro VI, über 18 Tonnen) von 34,8 Cent pro Kilometer, davon 15,8 Cent pro Kilometer als CO₂‑Aufschlag.
Diese staatlichen Fixkostenblöcke schränken den finanziellen Spielraum der Unternehmen erheblich ein. Steigende Dieselpreise wirken sich dadurch in Deutschland besonders stark aus.
Forderungen der Transport‑ und Logistikwirtschaft
Die Branche fordere politische Maßnahmen, um einen weiteren Kostenschock zu vermeiden. Zentrale Punkte sind:
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die Vermeidung eines Preissprungs für gewerblich genutzten Diesel nach Auslaufen des Energiesteuerrabatts,
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die Aufhebung der doppelten CO₂‑Belastung durch Kraftstoffbesteuerung und Maut, etwa über einen separaten Lkw‑Diesel oder ein Rückerstattungsverfahren über das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM),
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die Einführung eines Gewerbediesels im Rahmen der EU‑Beihilferegeln, wie er in anderen großen EU‑Mitgliedstaaten üblich ist,
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kurzfristige, unbürokratische Liquiditätshilfen zur Absicherung bei plötzlichen Preissprüngen,
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sowie eine tägliche amtliche Diesel‑Referenz zur besseren Abbildung aktueller Marktpreise für Dieselfloater.