Flüssigerdgas (LNG) wird nach Einschätzung von Energieexperten in den kommenden Jahren zu einem zentralen Pfeiler der Gasversorgung in Europa. Prognosen des Analysehauses ICIS zufolge dürfte der Anteil von LNG im Gasmix in West- und Mitteleuropa deutlich steigen und bereits 2029 die Marke von 50 Prozent überschreiten.
Bereits im Jahr 2023 lag der LNG-Anteil bei rund 44 Prozent, für 2027 erwarten die Experten einen Anstieg auf 47 Prozent.
Mehr Angebot drückt auf Preise
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem das wachsende globale Angebot an Flüssiggas. Insbesondere in Nordamerika werden zusätzliche Kapazitäten aufgebaut, die die Versorgung auf den internationalen Märkten erhöhen.
Nach Einschätzung von ICIS könnte dieses zusätzliche Angebot dazu beitragen, temporäre Lieferausfälle – etwa aus Katar – relativ schnell auszugleichen und die Preise für LNG langfristig zu stabilisieren oder zu senken.
Energieunternehmen bauen LNG-Geschäft aus
Auch deutsche Energieversorger engagieren sich verstärkt im LNG-Handel. Unternehmen wie Sefe, Uniper und RWE sichern sich Lieferkapazitäten über langfristige Verträge sowie durch die Anmietung von LNG-Tankern.
Sefe hat nach eigenen Angaben mehrere LNG-Tanker gechartert und bezieht Gas unter anderem aus den USA, Westafrika, Südamerika und Ostasien. Europa und Indien zählen zu den wichtigsten Absatzmärkten. 2025 lieferte das Unternehmen rund 180 Schiffsladungen aus.
Uniper und RWE setzen auf globales Portfolio
Auch Uniper und RWE treiben ihre LNG-Aktivitäten aus. Uniper war 2025 mit 167 LNG-Schiffsladungen im Markt aktiv und plant, das Geschäft wieder auszubauen und perspektivisch das frühere Niveau zu erreichen.
RWE setzte im vergangenen Jahr rund neun Millionen Tonnen LNG um. Das Gas stammt unter anderem aus Australien sowie künftig verstärkt aus den USA. Geliefert wird je nach Marktbedarf vor allem nach Europa oder Asien.
Rückgang russischer LNG-Lieferungen erwartet
Bedeutung für Energiepreise und Industrie
Die wachsende Bedeutung von LNG verändert die Struktur der europäischen Energieversorgung nachhaltig. Für Industrie und Logistik ergeben sich daraus mehrere Effekte:
- stärkere Abhängigkeit von globalen Märkten
- potenziell stabilere oder sinkende Preise durch höheres Angebot
- zugleich aber höhere Volatilität durch geopolitische Einflüsse
Die Entwicklung dürfte damit auch Auswirkungen auf Transportkosten, Energiepreise und die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen haben.