Ifo-Klima hellt sich auf – trotz Zollrisiken

23.02.2026 14:04 Uhr | Lesezeit: 3 min
Konjunkturprognose
Ifo-Index steigt: Hoffnung für Konjunktur (Symbolbild)
© Foto: Maksym/ AdobeStock

Der Ifo-Index steigt auf 88,6 Punkte. Industrie und Dienstleistungen stabilisieren sich – doch Trumps Zollpolitik sorgt für neue Risiken.

Die Stimmung in deutschen Unternehmen verbessert sich deutlicher als erwartet. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Institut legte im Februar um 1,0 Punkte auf 88,6 Zähler zu. Damit sendet das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer ein weiteres Signal für eine moderate Erholung nach mehreren Krisenjahren.

Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate entwickelten sich positiver. Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest zeigen sich erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung. Grundlage der Einschätzung ist eine Umfrage unter rund 9.000 Unternehmen.

Verbesserungen verzeichneten Industrie, Dienstleistungssektor und Bauwirtschaft. Lediglich der Einzelhandel gab leicht nach.

„Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal“

Mehrere Ökonomen sehen in den aktuellen Daten Hinweise auf eine Trendwende. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg spricht von einer Stabilisierung insbesondere in der Industrie. Frühindikatoren wie die zuletzt gestiegenen Industrieaufträge deuteten ebenfalls nach oben.

Auch Christoph Swonke von der DZ Bank bewertet die Entwicklung als vorsichtige Erholung. Die Wirtschaft arbeite sich in kleinen Schritten aus der Schwächephase heraus. Impulse kämen vor allem von staatlichen Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung. Gleichwohl bleibe das internationale Umfeld fragil.

Optimistischer äußert sich Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutsche Bank. Er sieht zunehmend klare Hinweise darauf, dass die Konjunktur an Dynamik gewinnt.

Die Bundesregierung rechnet nach dem Mini-Wachstum 2025 und zwei vorangegangenen Schrumpfjahren für 2026 mit einem Plus von einem Prozent. Auch die Deutsche Bundesbank erwartet für das erste Quartal eine verhaltene Aufwärtsbewegung.

Exportrekord in der Elektroindustrie

Positive Impulse kommen aus der Elektro- und Digitalindustrie. Die Branche steigerte ihre Exporte 2025 auf knapp 258 Milliarden Euro – ein Rekordwert trotz Handelskonflikten mit den USA. Der ZVEI verweist auf ein starkes Europageschäft sowie besonders dynamische Ausfuhren im Dezember.

Auch der VDMA meldete zum Jahresende steigende Exporte im Maschinenbau. In der Gesamtjahresbilanz gingen die weltweiten Ausfuhren von Maschinen und Anlagen jedoch um 1,8 Prozent gegenüber 2024 zurück. Das Geschäft mit den USA schrumpfte infolge der Zölle um acht Prozent.

Neue Unsicherheit durch US-Zollpolitik

Für erhebliche Unsicherheit sorgt weiterhin die Handelspolitik von Donald Trump. Nach einer Niederlage vor dem Supreme Court kündigte der US-Präsident neue, vorübergehende Importzölle von zunächst zehn und später 15 Prozent an.

Das Gericht hatte untersagt, Zölle unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er-Jahren zu verhängen. Die US-Zollbehörde stoppte daraufhin teilweise die Erhebung entsprechender Abgaben. Andere Zölle – etwa aus Gründen der nationalen Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken – bleiben bestehen. Unklar ist, ob Unternehmen zu viel gezahlte Beträge zurückerstattet bekommen.

Zudem steht der im vergangenen Sommer vereinbarte Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington auf dem Prüfstand. Das Abkommen sieht für die meisten EU-Importe in die USA einen Höchstzoll von 15 Prozent vor, muss jedoch noch vom EU-Parlament gebilligt werden. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses, forderte zuletzt eine Aussetzung der Vereinbarung.

Reformbedarf bleibt zentrales Thema

Trotz verbesserter Indikatoren warnen Ökonomen vor überzogenen Erwartungen. Ulrich Kater von der Dekabank betont, für Unternehmen sei Planungssicherheit wichtiger als kurzfristige Zollschwankungen.

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht strukturelle Herausforderungen im Inland. Das Ifo-Geschäftsklima zeige noch keinen klaren Aufwärtstrend. Fehlende umfassende Wirtschaftsreformen belasteten weiterhin die Stimmung. „Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung“, lautet seine Einschätzung.


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