Megawatt Charging: Zukunftsschub oder teurer Irrweg?

20.02.2026 07:49 Uhr | Lesezeit: 3 min
Chrisbo
Derzeit diskutiert die Branche intensiv über Megawatt Charging Systems (MCS)  
© Foto: MAN Truck & Bus SE

Megawatt Charging spaltet die Branche: Wie viel Ladeleistung brauchen E Lkw wirklich? Gerhard Grünig und Jan Burdorf diskutieren kontrovers über Vision, Realität und Zukunft der Schwerlast E Mobilität.

Die Elektrifizierung des Schwerverkehrs schreitet voran, doch die Frage, wie E‑Lkw künftig geladen werden sollen, sorgt in der Branche für intensive Diskussionen. In einer besonderen Ausgabe von VerkehrsRundschau Funk debattieren Chefredakteur Gerhard Grünig und Technik‑Ressortleiter Jan Burdorf kontrovers über die Rolle des Megawatt Charging Systems (MCS) in Deutschland. Hier geht es zur vollständigen Podcast-Debatte:

Brauchen wir Megawatt-Laden? Die große MCS-Debatte

MCS: Das Für und Wider im Dialog

Gerhard Grünig hält Megawatt Charging in vielen Fällen für überschätzt: Die meisten vorhandenen E‑Lkw‑Konzepte basieren auf planbaren Touren und festen Standzeiten, sodass Depotladen mit moderaten Leistungen wirtschaftlich und technisch ausreichend sei. Unternehmen mit eigenem Hof – idealerweise mit Photovoltaik und Speichern – könnten bereits heute kosteneffiziente Ladelösungen aufbauen. Auch gebe es nur wenige reale Einsatzszenarien, in denen ein E‑Lkw innerhalb weniger Minuten wieder vollgeladen werden müsse.

Jan Burgdorf hingegen sieht im MCS einen entscheidenden Schritt zur Flexibilität: Nur wenn E‑Lkw auch unterwegs schnell laden können, ließen sich ungeplante Spitzen, Zusatzaufträge oder längere Touren bewältigen. Für ihn ist Megawatt Charging ein zentraler Faktor, um E‑Lkw ähnlich flexibel einsetzbar zu machen wie heutige Diesel – insbesondere im Fernverkehr oder in Betrieben ohne eigenes Depot.

Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick:

  • Reichweite & Einsatzprofile: Depotladen deckt viele reale Touren ab – doch spontane Zusatzfahrten und Langstrecken bleiben ein Argument für hohe Ladeleistungen.

  • Kosten & Wirtschaftlichkeit: MCS‑Infrastruktur ist teuer; gleichzeitig könnten zu geringe Ladeleistungen den wirtschaftlichen Betrieb bremsen.

  • Batterietechnik: Hohe Ladeleistungen verkürzen Standzeiten – aber sie belasten Batterien stärker und verteuern den Strompreis erheblich.

  • Infrastruktur & Netzausbau: Während Jan Burgdorf MCS an Autohöfen für unverzichtbar hält, verweist Gerhard Grünig auf fehlende Netze, geringe Zahl bestehender Standorte und hohe technische Anforderungen.

In einem Punkt herrscht Übereinstimmung

Trotz aller Unterschiede findet das Gespräch auch punktuelle Schnittmengen: Beide sind überzeugt, dass eine elektrischere Zukunft kommen wird – und dass Betriebe frühzeitig ihre Touren, Standzeiten und Ladebedarfe analysieren sollten. Einig sind sie sich ebenfalls, dass der Aufbau der Ladeinfrastruktur schneller erfolgen muss und flexible Modelle – ob Depot, Autohof oder Kundenstandort – zusammengedacht werden müssen.

In der aktuellen Podcastfolge diskutieren beide engagiert, kontrovers und fachlich fundiert über die Zukunft des elektrischen Schwerverkehrs und die Frage, ob Megawatt Charging Pflicht oder Option sein sollte. Für die komplette Folge hier klicken:


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