MAN Truck & Bus hat erstmals das bidirektionale Laden eines Elektro-Lkw unter realen Bedingungen öffentlich gezeigt. Die im Forschungsprojekt „Spirit-E“ entwickelte Technologie wurde auf dem Betriebsgelände der Spedition Schmid in Obertraubling bei Regensburg demonstriert. Für den Nutzfahrzeughersteller könnte das bidirektionale Laden zu einem zentralen Hebel für sektorübergreifende Energielösungen werden, weil sie Elektro-Lkw zu flexiblen Stromspeichern mache.
E‑Lkw werden zu mobilen Energiespeichern
„Unsere eTrucks werden sozusagen zu Powerbanks auf Rädern, die dazu beitragen können, die Energiekosten zu senken und gleichzeitig das Energiesystem stärken“, sagt Georg Grüneißl, Leiter Produktstrategie bei MAN Truck & Bus.
Einsparpotenzial bei Energiekosten von bis zu 20 Prozent
Im praktischen Einsatz stehen demnach drei Anwendungen im Fokus. Beim Vehicle‑to‑Site‑Ansatz (V2S) und beim Vehicle‑to‑Vehicle‑Ansatzes (V2V) nutzt ein Unternehmen den in der Lkw-Batterie gespeicherten Strom unmittelbar am eigenen Standort, um Lastspitzen zu vermeiden, den Eigenverbrauch von Photovoltaikstrom zu erhöhen oder Gebäudeinfrastruktur zu unterstützen. In der Praxis könne das beim Nutzer zu Einsparungen von etwa zehn bis 20 Prozent des Strompreises führen, so MAN.
Bei einer Laufleistung von 100.000 km pro Jahr entspreche dies bis zu 20.000 Kilometern „zum Nulltarif“, rechnet der Hersteller vor. Der Dritte Ansatz, Vehicle‑to-Grid (V2G), erweitert dieses Potenzial: Hier speist der E-Truck Energie ins öffentliche Netz zurück – Betreiber könnten so künftig zusätzliche Erlöse erzielen.
Forschungskonsortium treibt Technologie voran
Das Projekt Spirit-E wird von einem breiten Konsortium getragen, das die gesamte Wertschöpfungskette von Fahrzeugtechnik über Energiewirtschaft bis hin zur Systemintegration abdeckt. Zu den Partnern gehören die Technische Universität München (TUM) als Konsortialführer, das Fraunhofer IEE, die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), SBRS (Shell), TenneT, Hubject, Consolinno Energy sowie MAN Truck & Bus.