Cyberangriff im Lager: Schwachstelle bei Barcode-Scannern

20.10.2026 13:06 Uhr | Lesezeit: 3 min
Scanner Geis Logistik Kommissionierung Pick Pack
Logistik-IT: Drahtlose Scanner bergen Cyberrisiken (Symbolbild)
©Foto: Geis Gruppe

Drahtlose Barcode-Scanner können laut Kaspersky zum Einfallstor für Cyberangriffe werden. Betroffen sein könnten auch weitere IT- und Lagersysteme.

Drahtlose Barcode-Scanner können ein bislang wenig beachtetes Cyberrisiko für Lager- und Logistiksysteme darstellen. Sicherheitsforscher von Kaspersky haben einen Angriffsweg untersucht, bei dem eine unzureichend geschützte Funkverbindung zwischen Handscanner und Basisstation für unautorisierte Befehle genutzt werden kann.

Im ungünstigen Fall könnten Angreifer darüber zunächst auf einen angeschlossenen Computer zugreifen. Abhängig von dessen Berechtigungen und Verbindungen könnten anschließend weitere Teile der IT- und OT-Infrastruktur eines Lagerstandorts betroffen sein.

Fehlende Authentifizierung bei Barcode-Scannern

Im untersuchten Szenario kommuniziert ein drahtloser Handscanner mit einer Basisstation, die wiederum an einen Computer oder ein anderes betriebliches System angeschlossen ist. Kaspersky stellte bei untersuchten Geräten eine fehlende Authentifizierung zwischen Scanner und Basisstation fest.

Ein Angreifer innerhalb der erforderlichen Funkreichweite könnte diese Verbindung potenziell missbrauchen und Eingaben an das angeschlossene System übertragen. Der betreffende Computer kann diese anschließend wie reguläre Nutzereingaben verarbeiten.

Die Sicherheitsforscher beobachteten das Angriffsmuster nach eigenen Angaben bei Geräten verschiedener Hersteller.

Angriffe könnten weitere Lagersysteme erreichen

Das eigentliche Risiko endet damit nicht beim Barcode-Scanner. Entscheidend ist vielmehr, auf welche Systeme der angeschlossene Rechner zugreifen kann.

Unter entsprechenden Voraussetzungen könnte der erste Zugriff deshalb als Ausgangspunkt für weitere Angriffe innerhalb des Lagernetzwerks dienen. Kaspersky hält vergleichbare Angriffsszenarien zudem bei anderen vernetzten Geräten für denkbar, darunter mobile Datenterminals und Thermodrucker.

Dadurch könnten auch zentrale Anwendungen wie Warehouse-Management-Systeme in den Fokus geraten.


Vernetzte Logistik erhöht Anforderungen an Cybersecurity

Die Analyse unterstreicht die wachsende Bedeutung von IT- und OT-Sicherheit in digitalisierten Lagerprozessen. Scanner, Drucker und mobile Endgeräte sind heute eng mit Warenwirtschaft, Lagerverwaltung und anderen betrieblichen Anwendungen verknüpft.

Störungen oder Cyberangriffe können sich dadurch über ein einzelnes Gerät hinaus auf operative Prozesse und Lieferketten auswirken. Neben klassischen IT-Systemen müssen Unternehmen deshalb auch vermeintlich einfache Peripheriegeräte in ihre Sicherheitskonzepte einbeziehen.



Cybersicherheit muss auch Lagertechnik berücksichtigen

Für Logistikunternehmen ergibt sich daraus vor allem die Notwendigkeit, die gesamte vernetzte Geräteumgebung eines Standorts zu betrachten. Dazu gehören nicht nur zentrale Server und Softwareplattformen, sondern auch Geräte, die täglich in operativen Lagerprozessen eingesetzt werden.

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Logistik und Supply Chain wächst die Zahl möglicher Angriffspunkte. Die Untersuchung zeigt damit, dass Cybersecurity im Lager nicht erst beim WMS oder der Unternehmens-IT beginnt, sondern bereits bei einzelnen vernetzten Geräten relevant sein kann.


Kaspersky-Empfehlungen zum Schutz vernetzter Lagerumgebungen

  • Neue Geräte vor der Integration überprüfen: Jedes Gerät sollte vor der Anbindung an das Unternehmensnetzwerk einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden.
  • Drahtlose Schnittstellen absichern: Nicht benötigte Bluetooth-Verbindungen sollten deaktiviert und starke Authentifizierungsmechanismen implementiert werden.
  • Netzwerke segmentieren: Durch eine konsequente Netzwerksegmentierung sollten Verbindungen zwischen Geräten und kritischen Systemen auf das notwendige Minimum beschränkt werden.
  • Systeme regelmäßig aktualisieren: Sicherheitsupdates sollten sowohl auf den eingesetzten Geräten als auch auf Lagerverwaltungssystemen zeitnah installiert werden.
  • Zugriffsrechte einschränken: Nutzerkonten sollten ausschließlich über die für ihre jeweiligen Aufgaben erforderlichen Berechtigungen verfügen.
  • Regelmäßige Angriffssimulationen durchführen: Um potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren, sollten Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig unter realistischen Bedingungen überprüfen. Dabei sind auch Insider-Bedrohungen durch Personen mit legitimen Zugangsdaten zu berücksichtigen.
  • Industrielle Umgebungen umfassend auf Schwachstellen prüfen: Mit dedizierten Services wie Kaspersky ICS Security Assessment [3] können Unternehmen potenzielle Sicherheitslücken in ICS-, OT- und vernetzten Geräten identifizieren, Konfigurationen und Zugriffspfade analysieren und gezielte Schutzmaßnahmen ableiten – ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen.
  • Spezialisierte Sicherheitslösungen einsetzen: Lösungen wie Kaspersky Industrial Cyber Security [4] helfen Unternehmen, die Transparenz über ihre industrielle Infrastruktur zu verbessern und die Cybersicherheit nachhaltig zu stärken, ohne betriebliche Abläufe oder die Systemverfügbarkeit zu beeinträchtigen.



Sie sind noch kein VerkehrsRundschau Plus-Abonnent und neugierig?

Mit einem Abonnement zum Profiportal VerkehrsRundschau Plus erhalten Sie Zugang zu exklusiven Inhalten und Hintergrundwissen – von Kennzahlen und Marktübersichten, über vertiefende Premiumnews bis hin zu praktischen Checklisten sowie Arbeitshilfen und vieles mehr. Mit unserem Kennenlern-Abo können Sie sich zwei Monate unverbindlich durchtesten. Dieses läuft automatisch aus, Sie müssen nicht aktiv kündigen.


HASHTAG


#Cyber-Kriminalität

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.