Der Betrug durch sogenannte Phantomfrachtführer entwickelt sich zu einer der größten Bedrohungen für den Straßengüterverkehr. Nach Beobachtungen der KRAVAG Versicherung greifen kriminelle Netzwerke zunehmend nicht mehr nur auf gefälschte Identitäten zurück, sondern verschaffen sich direkten Zugang zu den IT-Systemen von Speditionen.
Die Folge sind verschwundene Warenladungen und Schäden, die häufig sechs- oder sogar siebenstellige Summen erreichen.
Bislang basierte ein Großteil der Betrugsfälle auf manipulierten Unternehmensdaten. Kriminelle verwendeten E-Mail-Adressen, die bekannten Speditionen täuschend ähnlich sahen, und legten gefälschte Dokumente vor.
Diese Methode funktionierte häufig, weil die Abweichungen bei den Kontaktdaten kaum erkennbar waren.
Durch verbesserte Prüfmechanismen in Frachtbörsen und steigende Sensibilisierung innerhalb der Branche wird diese Masche jedoch zunehmend erschwert.
Statt gefälschter E-Mail-Konten setzen Täter nun verstärkt auf Angriffe gegen die IT-Systeme von Logistikunternehmen.
Gelingt der Zugriff auf Unternehmensnetzwerke oder E-Mail-Systeme, können die Angreifer:
- Transportaufträge übernehmen,
- Kommunikationsdaten verändern,
- oder Einträge in Frachtbörsen manipulieren.
Da die Kommunikation dabei über echte Unternehmenskonten erfolgt, lassen sich die Betrugsversuche deutlich schwerer erkennen.
Für Transportunternehmen ist das Thema auch aus versicherungsrechtlicher Sicht relevant. Im Schadensfall müssen Unternehmen nachweisen können, dass sie ihre Sorgfaltspflichten erfüllt haben.
Dazu gehören unter anderem:
- die Prüfung von Unternehmensdaten,
- die Kontrolle von Dokumenten,
- sowie angemessene Sicherheitsmaßnahmen im digitalen Umfeld.