Kravag warnt: Neue Betrugsmasche trifft Speditionen

02.07.2026 13:38 Uhr | Lesezeit: 3 min
Cyberkriminalität Logistik
Symbolbild: Hacker ebnen Phantomfrachtführern den Weg
© Foto: Blue Planet Studio/ AdobeStock

Phantomfrachtführer nutzen zunehmend Hackerangriffe auf Speditionen. Die Schäden durch gestohlene Ladungen gehen oft in die Millionen.

Der Betrug durch sogenannte Phantomfrachtführer entwickelt sich zu einer der größten Bedrohungen für den Straßengüterverkehr. Nach Beobachtungen der KRAVAG Versicherung greifen kriminelle Netzwerke zunehmend nicht mehr nur auf gefälschte Identitäten zurück, sondern verschaffen sich direkten Zugang zu den IT-Systemen von Speditionen.

Die Folge sind verschwundene Warenladungen und Schäden, die häufig sechs- oder sogar siebenstellige Summen erreichen.


Frachtdiebstahl nimmt deutlich zu

Versicherer beobachten seit mehreren Jahren einen starken Anstieg entsprechender Fälle. Dabei gelingt es Betrügern immer wieder, sich über digitale Frachtbörsen als seriöse Transportunternehmen auszugeben und Transportaufträge zu übernehmen.

Sobald die Ware verladen wurde, verschwindet die Sendung spurlos.

Betroffen sind inzwischen nahezu alle Warenarten, darunter:

  • Elektronikprodukte,
  • Bekleidung,
  • Lebensmittel,
  • sowie Metalle und Rohstoffe.


Gefälschte Identitäten waren lange Standard

Bislang basierte ein Großteil der Betrugsfälle auf manipulierten Unternehmensdaten. Kriminelle verwendeten E-Mail-Adressen, die bekannten Speditionen täuschend ähnlich sahen, und legten gefälschte Dokumente vor.

Diese Methode funktionierte häufig, weil die Abweichungen bei den Kontaktdaten kaum erkennbar waren.

Durch verbesserte Prüfmechanismen in Frachtbörsen und steigende Sensibilisierung innerhalb der Branche wird diese Masche jedoch zunehmend erschwert.

Hackerangriffe schaffen neue Risiken

Statt gefälschter E-Mail-Konten setzen Täter nun verstärkt auf Angriffe gegen die IT-Systeme von Logistikunternehmen.

Gelingt der Zugriff auf Unternehmensnetzwerke oder E-Mail-Systeme, können die Angreifer:

  • Transportaufträge übernehmen,
  • Kommunikationsdaten verändern,
  • oder Einträge in Frachtbörsen manipulieren.

Da die Kommunikation dabei über echte Unternehmenskonten erfolgt, lassen sich die Betrugsversuche deutlich schwerer erkennen.


Kleine Speditionen besonders gefährdet

Vor allem kleinere Unternehmen gelten als anfällig für solche Angriffe. Ihnen fehlen häufig spezialisierte IT-Abteilungen und umfangreiche Sicherheitsstrukturen.

Experten empfehlen deshalb insbesondere:

  • konsequente Software-Updates,
  • aktuelle Sicherheitslösungen gegen Schadsoftware,
  • sowie regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden.

Oft beginnt ein erfolgreicher Angriff mit einem unbedacht geöffneten Link oder Dateianhang.



Versicherungen verlangen aktive Mitwirkung

Für Transportunternehmen ist das Thema auch aus versicherungsrechtlicher Sicht relevant. Im Schadensfall müssen Unternehmen nachweisen können, dass sie ihre Sorgfaltspflichten erfüllt haben.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Prüfung von Unternehmensdaten,
  • die Kontrolle von Dokumenten,
  • sowie angemessene Sicherheitsmaßnahmen im digitalen Umfeld.

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