Cyberrisiken kosten Mittelständler immer mehr Geld

07.09.2026 15:13 Uhr | Lesezeit: 3 min
Cyberkriminalität Logistik
Cyberangriffe verursachen höhere Schäden als je zuvor
© Foto: Blue Planet Studio/ AdobeStock

Die Zahl der Cybervorfälle stagniert, die Schäden steigen jedoch deutlich. Besonders mittelständische Unternehmen geraten laut Chubb durch Lieferkettenrisiken und Ransomware unter Druck.

Cyberangriffe bleiben für mittelständische Unternehmen in Europa ein erhebliches Geschäftsrisiko. Zwar hat sich die Zahl der gemeldeten Vorfälle zuletzt stabilisiert, die finanziellen Folgen werden jedoch zunehmend gravierender. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Cyber Claims Report 2026 des Versicherers Chubb.

Demnach haben sich die durchschnittlichen Schadenssummen bei Cybervorfällen zwischen 2020 und 2025 verdreifacht, obwohl die Häufigkeit der Schäden auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre zurückgegangen ist.


Lieferketten entwickeln sich zum Risikofaktor

Ein wachsendes Risiko sehen Experten in der zunehmenden Vernetzung von Unternehmen. Gerade kleine und mittelständische Betriebe sind häufig von IT-Dienstleistern, Softwareanbietern oder anderen externen Partnern abhängig.

Wird ein solcher Dienstleister Ziel eines Cyberangriffs, können die Folgen schnell auf zahlreiche weitere Unternehmen übergreifen. Betriebsunterbrechungen, gestörte Lieferketten und Umsatzausfälle treffen dabei oft auch Unternehmen, die selbst nicht direkt angegriffen wurden.



Künstliche Intelligenz verändert Bedrohungslage

Während KI Unternehmen dabei hilft, Sicherheitslücken schneller zu erkennen und Risiken zu analysieren, nutzen auch Cyberkriminelle die Technologie zunehmend für ihre Angriffe.

Dadurch nehmen Geschwindigkeit und Komplexität moderner Cyberattacken weiter zu. Unternehmen müssen sich deshalb auf immer professionellere Formen digitaler Angriffe einstellen.

Ransomware bleibt größte Bedrohung

Besondere Bedeutung haben weiterhin Ransomware-Angriffe. Dabei werden Daten verschlüsselt oder gestohlen, um Lösegeldzahlungen zu erzwingen.

Selbst wenn Unternehmen die Verschlüsselung ihrer Systeme verhindern können, entstehen häufig weitere Kosten durch Datenabflüsse, Meldepflichten gegenüber Behörden sowie umfangreiche Wiederherstellungsmaßnahmen.


IT-Sicherheit im Mittelstand oft lückenhaft

Auch Branchenverbände sehen Nachholbedarf. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erfüllt lediglich rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen die grundlegenden Anforderungen an einen umfassenden IT-Basisschutz.

Viele Betriebe verfügen damit weiterhin über Schwachstellen, die Cyberkriminellen Angriffsmöglichkeiten bieten.



Versicherungsschutz gewinnt an Bedeutung

Angesichts der steigenden Schadenssummen gewinnt das Thema Cyberversicherung für Unternehmen an Bedeutung. Neben finanzieller Absicherung bieten viele Anbieter inzwischen Unterstützung bei IT-Forensik, Krisenkommunikation, Rechtsfragen und der Wiederherstellung von Systemen an.

Vor allem kleinere Unternehmen verfügen häufig nicht über die Ressourcen, größere Cybervorfälle ohne externe Unterstützung zu bewältigen.

Prävention wird zur Managementaufgabe

Experten empfehlen Unternehmen, Cyberrisiken nicht ausschließlich als IT-Thema zu betrachten. Vielmehr müsse Informationssicherheit Teil der Unternehmensstrategie werden.

Neben technischen Schutzmaßnahmen gehören dazu Mitarbeiterschulungen, Notfallpläne, die Überprüfung von Lieferkettenrisiken sowie der Einsatz moderner Analyse- und Sicherheitssysteme.

Cyberrisiken bleiben Chefsache

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass Cyberangriffe für den Mittelstand weiterhin ein erhebliches Geschäftsrisiko darstellen. Auch wenn die Zahl der Vorfälle zuletzt nicht weiter gestiegen ist, sorgen höhere Schadenssummen und komplexere Angriffsszenarien für wachsenden Handlungsdruck.

Für viele Unternehmen wird deshalb nicht nur die Prävention, sondern auch die Absicherung gegen digitale Risiken zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil ihres Risikomanagements.


Kennen Sie schon unseren VR-Rechtsblog?

In unserem VR-Rechtsblog klärt Logistikrechts-Experte und Rechtsanwalt Prof. Axel Salzmann über Vertragsangelegenheiten, Urteile, Versicherungen und vieles mehr rund um Unternehmungsführung und Speditionsalltag auf. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Sie haben Fragen oder Themen für einen Rechtsblog, die sich unser Expertenteam genauer ansehen soll? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an verkehrsrundschau@tecvia.com oder wenden Sie sich direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens.


HASHTAG


#Mittelstand

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.