Reform im Bundestag - Wird der Führerschein günstiger?

05.11.2026 08:42 Uhr | Lesezeit: 3 min
Führerschein Fahrzeugklassen
Der Führerschein soll ab 2027 günstiger werden
©Foto: studio v-zwoelf/stock.adobe.com

Der Führerschein soll digitaler und günstiger werden. Geplant sind Online-Theorie, weniger Bürokratie und flexiblere Sonderfahrten. Die Reform ist umstritten.

Der Weg zum Pkw-Führerschein soll in Deutschland günstiger, digitaler und weniger bükratisch werden. Der Bundestag stimmt über erste Gesetzesänderungen eines umfassenderen Reformpakets ab. Weitere Anpassungen sollen per Verordnung folgen und benötigen ebenfalls die Zustimmung des Bundesrats.

Die wesentlichen Neuregelungen sollen zum 1. Juli 2027 in Kraft treten. Damit verschiebt sich der ursprünglich für Anfang 2027 vorgesehene Start. Fahrschulen erhalten zugleich mehr Zeit, ihre Ausbildung auf die neuen Vorgaben umzustellen.

Online-Theorie soll Präsenzunterricht ergänzen

Eine zentrale Änderung betrifft den Theorieunterricht. Fahrschüler sollen künftig wählen können, ob sie die Inhalte digital zu Hause, in hybrider Form oder weiterhin im Präsenzunterricht einer Fahrschule absolvieren.

Damit sollen einerseits die Kosten der Fahrschulen sinken und andererseits Fahrschüler zeitlich flexibler werden. Hinzu kommt ein Abbau von Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten für die Betriebe.

Auch die theoretische Prüfung soll angepasst werden. Vorgesehen ist unter anderem eine Verkleinerung des Fragenkatalogs.

Sonderfahrten sollen flexibler werden

Deutlich verändern könnte sich auch die praktische Fahrausbildung. Bislang sind beim Pkw-Führerschein zwölf Sonderfahrten zu jeweils 45 Minuten vorgeschrieben, darunter Autobahn-, Überland- und Nachtfahrten.

Starre Vorgaben für die Zahl dieser Fahrten sollen künftig entfallen. Stattdessen soll stärker von den Fähigkeiten des jeweiligen Fahrschülers und der Einschätzung des Fahrlehrers abhängen, welcher Ausbildungsumfang erforderlich ist.

Auch die praktische Prüfung soll kürzer werden. Bei der Führerscheinklasse B ist künftig eine Mindestfahrzeit von 25 statt 30 Minuten vorgesehen. Die gesamte Prüfungsdauer soll von derzeit 55 auf 40 Minuten sinken.

Begleitetes Üben bereits während der Fahrausbildung

Neu ist außerdem eine sogenannte Fahrpraxis unter Anleitung. Fahrschüler sollen dadurch schon während der Ausbildung zusätzliche Fahrerfahrung außerhalb der klassischen Fahrschulstunden sammeln können.

Voraussetzung sind unter anderem eine bestandene Theorieprüfung und mindestens sechs absolvierte Fahrstunden in der Fahrschule.

Auch für die Begleitpersonen gelten Anforderungen. Sie müssen seit mindestens sieben Jahren einen Pkw-Führerschein besitzen, dürfen höchstens einen Punkt im Fahreignungsregister haben und müssen in einem besonderen Näheverhältnis zum Fahrschüler stehen, beispielsweise als Elternteil.

Die Regelung soll allerdings nicht automatisch bundesweit gelten. Jedes Bundesland kann selbst entscheiden, ob es die begleitete Fahrpraxis einführt.

Fahrschulpreise und Bestehensquoten sollen transparenter werden

Mehr Wettbewerb soll über eine öffentlich zugängliche Datenbank entstehen. Dort sollen künftig Preise der Fahrschulen und ihre Bestehensquoten veröffentlicht werden.

Fahrschüler sollen dadurch Anbieter leichter vergleichen können. Auch Verbraucher- und Vergleichsportale könnten auf diese Informationen zurückgreifen.

Hintergrund sind die erheblichen Kosten des Führerscheinerwerbs. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums kostet der Pkw-Führerschein der Klasse B im Durchschnitt derzeit rund 3.400 Euro.

Bis zu 1.000 Euro Ersparnis sind umstritten

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hält Einsparungen von mehreren hundert Euro und im günstigsten Fall von bis zu 1.000 Euro für möglich. Auch der ADAC sieht unter optimalen Voraussetzungen ein Einsparpotenzial von bis zu einem Drittel.

Fahrlehrerverbände bezweifeln dagegen, dass sich diese Größenordnung flächendeckend erreichen lässt. Wesentliche Kostenfaktoren bleiben die Zahl der benötigten Fahrstunden, Wiederholungsprüfungen sowie Personal-, Fahrzeug- und Betriebskosten.

Kritisch sehen Teile der Branche zudem den vollständigen Verzicht auf verpflichtenden Präsenzunterricht und die geplante Fahrpraxis mit privaten Begleitpersonen. Sie warnen davor, Einsparungen zulasten der Ausbildungsqualität und Verkehrssicherheit zu erzielen.

Damit wird für den tatsächlichen Erfolg der Reform entscheidend sein, ob sich die Ausbildung effizienter organisieren lässt, ohne Abstriche bei der Qualität und der Vorbereitung neuer Fahrer auf den Straßenverkehr zu machen.


In unserem VR-Verkehrsrechtsblog klärt Rechtsanwalt Dr. Wolf-Henning Hammer über Verkehrsrechtsangelegenheiten rund um den Straßengüterverkehr auf. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Sie haben Fragen oder Themen für unsere Blogs, die sich unser Expertenteam genauer ansehen soll? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an verkehrsrundschau@tecvia.com oder wenden Sie sich direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens.


HASHTAG


#Führerschein

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Mitarbeiter Lager (m/w/d)

Zimmern ob Rottweil

Planner, Supply Chain (m/w/d)

Eigeltingen & Böhringen

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.