Studie: Logistik zeigt Schwächen bei IT-Sicherheit

05.11.2026 09:35 Uhr | Lesezeit: 3 min
Studie: Logistik zeigt Schwächen bei IT-Sicherheit
Cyber-Resilienz: Große Lücken bei Logistik und Transport
©Foto: utaem2022/ AdobeStock | KI bearbeitet

Viele Mittelständler wollen im Krisenfall unterstützen, sind darauf aber nur bedingt vorbereitet. Besonders bei Logistik und Transport zeigt eine Studie große Cyber-Lücken.

Deutschlands Mittelstand zeigt eine hohe Bereitschaft, im Krisen- oder Verteidigungsfall Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Bei der tatsächlichen Vorbereitung bestehen allerdings große Lücken. Das zeigt eine Erhebung von MHP und dem zNT der Quadriga Hochschule Berlin zur sogenannten Defense Readiness deutscher Unternehmen.

86 Prozent der befragten Unternehmen erklären demnach, grundsätzlich Kapazitäten für die Landesverteidigung bereitstellen zu wollen. Gleichzeitig erfüllen lediglich 3,1 Prozent alle fünf von den Studienautoren definierten Voraussetzungen für eine umfassende Krisen- und Verteidigungsfähigkeit. Rund ein Viertel erfüllt keinen der untersuchten Aspekte.

Defense Readiness umfasst fünf Bereiche

Für die Untersuchung wurde Defense Readiness anhand von fünf Kriterien beurteilt. Dazu zählen die Klärung der eigenen Rolle im Verteidigungsfall, die Berücksichtigung relevanter Risiken, Transparenz über kritische Lieferketten, ein etabliertes Business Continuity Management sowie Cyber-Resilienz.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Differenz zwischen grundsätzlicher Bereitschaft und konkreter Vorbereitung. So haben lediglich rund vier von zehn Unternehmen ihre mögliche Rolle in einem Verteidigungsfall vollständig identifiziert.

Für eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und staatlichen Stellen ist eine solche Klärung jedoch wesentlich. Produktions-, Lager- oder Transportkapazitäten helfen im Krisenfall nur dann, wenn bekannt ist, welche Leistungen verfügbar sind und wie lange diese aufrechterhalten werden können.


Logistik zeigt große Lücken bei Cyber-Resilienz

Besonders kritisch fällt die Analyse für Logistik und Transport aus. Rund 91 Prozent der untersuchten Logistikunternehmen haben mindestens fünf von neun abgefragten Maßnahmen zur Cyber-Resilienz nicht umgesetzt. Bei den Transportbetrieben sind es knapp 88 Prozent.

Untersucht wurden beispielsweise Business Continuity Management, Disaster Recovery und Incident Response sowie regelmäßige Notfallübungen und Offline-Backups. Ebenfalls berücksichtigt wurden Netzwerksegmentierung, Multi-Faktor-Authentifizierung, Security Operations und kontinuierliches Monitoring.

Für Transport- und Logistikunternehmen können entsprechende Lücken besonders problematisch sein. Disposition, Tourenplanung, Kommunikation, Lagerverwaltung und weitere operative Prozesse sind heute stark von funktionierenden IT-Systemen abhängig. Ein längerer Ausfall könnte daher auch vorhandene physische Transport- oder Lagerkapazitäten praktisch unbrauchbar machen.



Unternehmen überschätzen teilweise ihre Krisenfestigkeit

Die Untersuchung zeigt zudem eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Unternehmen und den tatsächlich vorhandenen Strukturen.

Die Autoren unterscheiden deshalb zwischen grundsätzlicher Bereitschaft und konkreter Einsatzfähigkeit. Die hohe Zustimmung zur Unterstützung der Landesverteidigung bedeutet demnach nicht, dass diese Betriebe ihre Leistungen kurzfristig auch unter Krisenbedingungen bereitstellen könnten.

Der Wert von 3,1 Prozent beschreibt dabei den Anteil der Unternehmen, die alle in der Studie definierten Voraussetzungen gleichzeitig erfüllen. Er ist ausdrücklich kein externer Auditwert für die tatsächliche Verteidigungsfähigkeit einzelner Unternehmen.


Lieferketten müssen auch in Krisen funktionieren

Für mehr Resilienz sehen die Studienautoren insbesondere Handlungsbedarf bei der Transparenz über kritische Lieferketten sowie bei der Abstimmung zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen.

MHP schlägt dafür unter anderem eine „Digitale Versorgungsdrehscheibe Deutschland“ vor. Bestehende Systeme und Informationen sollen miteinander vernetzt werden, damit im Krisenfall schneller erkennbar ist, welche Kapazitäten vorhanden sind, wo kritische Abhängigkeiten bestehen und welche Alternativen genutzt werden können.



Krisenvorsorge wird für Transportbranche wichtiger

Für Transport und Logistik gewinnt das Thema über die Landesverteidigung hinaus an Bedeutung. Dieselben Strukturen, die im Verteidigungsfall benötigt würden, sind auch bei Cyberangriffen, Naturkatastrophen oder anderen Störungen entscheidend.

Gerade die hohen Defizite bei der digitalen Resilienz zeigen deshalb konkreten Handlungsbedarf. Entscheidend sind belastbare Notfallprozesse, gesicherte IT-Systeme, transparente Lieferketten und regelmäßig erprobte Abläufe. Nur dann können vorhandene Fahrzeuge, Lagerflächen und Transportkapazitäten auch unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig genutzt werden.


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