Eine aktuelle Untersuchung des ifo Instituts in München legt offen, dass der Bund im Jahr 2025 nahezu alle zusätzlich aufgenommenen Kredite im Rahmen des Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur (SVIK) für andere Haushaltsbereiche verwendet hat. 95 Prozent der neuen Schulden führten demnach nicht zu zusätzlichen Investitionen.
„Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat. Das ist ein großes Problem. Die zusätzlich aufgenommenen Schulden sollten für zusätzliche Investitionen eingesetzt werden, die das Wirtschaftswachstum langfristig stützen“, erklärt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts.
Milliarden an Krediten – aber kaum zusätzlicher Ausbau
Laut ifo stiegen die Kreditaufnahmen im SVIK 2025 um 24,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig lagen die Bundesinvestitionen nur 1,3 Milliarden Euro über dem Niveau des Vorjahres 2024. Damit entsteht eine Lücke von 23 Milliarden Euro, der nicht in realen Investitionszuwachs geflossen ist.
Verschiebungen im Haushalt treffen vor allem den Verkehrssektor
Die ifo-Fachleute machen dafür insbesondere Umschichtungen innerhalb des Bundeshaushalts verantwortlich. Für 2025 wurden im Kernhaushalt weniger Mittel für Investitionen vorgesehen, die stattdessen ins kreditfinanzierte Sondervermögen verlagert wurden. Besonders relevant ist das im Verkehrsbereich:
„Es kam zu Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte SVIK. Dazu gehören insbesondere Zuschüsse im Verkehrsbereich, weshalb im Kernhaushalt weniger investiert wurde als in den Vorjahren. Ein großer Teil der Investitionen im Sondervermögen ist deshalb nicht zusätzlich“, so Emilie Höslinger vom ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen.
Verzögerte Umsetzung kein legitimes Argument
Auch der häufig vorgebrachte Hinweis, dass es aufgrund von langwierigen Gesetzgebungsverfahren oder realwirtschaftlichen Engpässe zu einem verzögerten Abfluss der Mittel kam, ist laut ifo Institut nicht statthaft, denn dann hätten auch die Schulden nicht so stark ansteigen dürfen.
„Die Bundesregierung hat in Zukunft die Möglichkeit, die Quote der Zweckentfremdung zu senken. Dazu müssten vor allem die Investitionsausgaben im Kernhaushalt erhöht werden, sonst kann man auch weiterhin nicht von zusätzlichen Investitionen sprechen“, betont Max Lay vom ifo Zentrum für Finanzwissenschaft.
Konstruktion des Schuldenpakets erschwert Nachvollziehbarkeit
Die von Bund und Bundesbehörden veröffentlichten Daten sind die Hauptquellen der Ifo-Berechnungen: Haushaltspläne und -rechnungen, die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Monatsberichte zur Kreditaufnahme sowie die vierteljährlichen Kassenberichte des Statistischen Bundesamts, teilt die dpa mit.
Den Berechnungen der beiden Wissenschaftler zufolge gab der Bund 2024 insgesamt 68,6 Milliarden Euro für Investitionen aus, so die dpa weiter: Die Gesamtinvestitionen in 2025 beziffern Höslinger und Lay auf 69,9 Milliarden Euro, trotz der hohen Schuldenaufnahme im Sondervermögen nur wenig mehr.
(Dieser Artikel wurde am 17.03.2026 um 09:50 Uhr aktualisiert.)
"Das ist keine Infrastrukturpolitik, sondern ein alarmierender Warnruf"
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, kommentierte die Veröffentlichung des ifo Institutes: "Die heutige Veröffentlichung des ifo Instituts bestätigt, was unsere Betriebe auf den Baustellen bereits spüren: Vom Sondervermögen ist bisher wenig angekommen. 95 Prozent der 2025 aufgenommenen Schulden über das SVIK flossen nicht in zusätzliche Infrastrukturinvestitionen. Das ist ein enttäuschendes Ergebnis.
Schon lange haben wir unmissverständlich gefordert: Das Sondervermögen muss als wirklich zusätzliche Investitionsquelle wirken und darf nicht dazu dienen, Löcher im Kernhaushalt zu stopfen. Das ist keine Infrastrukturpolitik, das ist Haushaltskosmetik.
Man muss sich die Frage stellen: Ist der Politik der Ernst der Lage wirklich bewusst? Weiß sie um Deutschlands Standortkrise? Der bis 2024 aufgelaufene kommunale Investitionsstau beläuft sich auf 216 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent des Güterverkehrs laufen über das Straßennetz - ein Netz, das seit Jahren unterfinanziert ist. Deutschland kann es sich schlicht nicht leisten, das Sondervermögen für andere Zwecke zu verfrühstücken.
Das Sondervermögen ist eine historische Chance. Wir fordern die Bundesregierung auf, umgehend gegenzusteuern. Die Investitionsausgaben im Kernhaushalt dürfen nicht weiter abgebaut werden, das wird nur mit umfassenden Reformen und Einsparungen gehen. Verschiebungen zwischen den Töpfen müssen unterbunden und das Sondervermögen muss wirklich zusätzlich investiert werden. Nur wer das Geld tatsächlich verbaut, investiert in die Zukunft Deutschlands."
(Dieser Artikel wurde am 17.03.2026 um 10:27 Uhr aktualisiert.)