Straße von Hormus blockiert – wie DHL die Lieferketten trotzdem stabil hält

12.06.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Stzraße von Hormus, DHL, Emirate
Entladung eines rund 273 Tonnen schweren Transformators im Hafen von Duqm (Oman) durch DHL Industrial Projects
© Foto: DHL

Die neue Folge von VerkehrsRundschau Funk zeigt, wie DHL Global Forwarding in einer der heikelsten geopolitischen Situationen der vergangenen Jahre handlungsfähig bleibt. CEO Tobias Maier erklärt, wie sein Team binnen Stunden alternative Routen aufgebaut hat – und warum Handel immer einen Weg findet.

Die Blockade der Straße von Hormus stellt die globale Logistik vor enorme Herausforderungen. Mehr als ein Fünftel des weltweiten Ölhandels und ein erheblicher Teil des Warenverkehrs hängen an dieser Engstelle. In der aktuellen Podcastfolge sprechen Tabea Schulz und Christian Bonk mit Tobias Maier, CEO DHL Global Forwarding Middle East & Africa, über improvisierte Luftfrachtrouten, neue Seewege, stabile Lkw‑Korridore und die Frage, wie man ein globales Netzwerk steuert, wenn sich Verkehrswege über Nacht verändern.

Hormus, Häfen, Luftfracht – Globale Logistik im Irankrieg

Wenn eine Wasserstraße stillsteht – und ein Netzwerk sofort reagieren muss

Als die ersten Meldungen über die Blockade der Straße von Hormus eintrafen, war für DHL klar, dass jede Stunde zählt. Tobias Maier beschreibt die Anfangsphase als „eine Mischung aus Krisenmodus und Routine“, denn das Unternehmen ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und verfügt über ein engmaschiges Netzwerk.„Wir haben kurz nach Kriegsbeginn ein Onlinemeeting mit allen wichtigen Protagonisten initiiert“, sagt Maier. „Transparenz war entscheidend, um sofort zu zeigen, welche Routen noch funktionieren und welche Alternativen wir aktivieren können.“Innerhalb von zwei Tagen liefen tägliche Kunden‑Webinare, die Lage wurde permanent neu bewertet, und die ersten Umleitungen waren bereits in Umsetzung.

Muscat, Riad, Sohar – die neuen Knotenpunkte der Krise

Besonders schnell reagierte DHL in der Luftfracht. Muscat und Riad wurden zu zentralen Air‑Gateways, die ihre Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit hochfuhren. Muscat arbeitet inzwischen nahezu im Doppelbetrieb, Riad nimmt ebenfalls deutlich erhöhte Mengen auf. Parallel wurden Seefrachtströme auf alternative Häfen verteilt: Sohar, Salalah, Fudschaira und Khor Fakkan in Oman und den Emiraten, dazu die westlichen Häfen am Roten Meer – Jeddah, King Abdullah Port, Yanbu und Jazan. Maier betont, wie reibungslos die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen funktionierte: „Die Kooperation mit regionalen Behörden lief sehr gut. Viele Prozesse wurden beschleunigt, weil allen klar war, wie kritisch die Lage ist.“

Straße von Hormus, Middle-East, DHL
Ein Truck von DHL Global Forwarding im Stadtteil Dubai South 
© Foto: DHL

Die Straße als Rückgrat – warum der Lkw‑Korridor jetzt unverzichtbar ist

Während See- und Luftwege teilweise blockiert oder eingeschränkt waren, blieb die Straße die stabilste Verbindung. DHL hatte sein Road‑Netzwerk in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut – ein Vorteil, der sich nun auszahlt. Die Lkw‑Korridore durch Saudi‑Arabien, Oman und die Emirate funktionieren zuverlässig, auch weil die Behörden sogenannte Green Corridors für verderbliche Waren eingerichtet haben. Besonders sensible Branchen wie Pharma und Lebensmittel profitieren zusätzlich von temperaturgeführten Charterflügen aus Lüttich, die dreimal pro Woche in die Golfregion starten und dort direkt per Lkw weiterverteilt werden.

Globale Steuerung im Ausnahmezustand

Die größte Herausforderung bleibt die Synchronisierung eines Netzwerks, das über 200 Länder umfasst. Flugrouten ändern sich, Seewege verschieben sich, Versicherungsprämien steigen, Energiepreise schwanken – und all das in Echtzeit. Maier beschreibt es so: „Trade ist wie Wasser – er findet seinen Weg. Unsere Aufgabe ist es, diesen Weg offen zu halten, egal wie oft wir ihn neu zeichnen müssen.“ DHL kommuniziert Preis- und Risikoeffekte offen mit seinen Kunden, um Planbarkeit zu schaffen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen eng mit Behörden zusammen, um Grenzprozesse zu beschleunigen und Engpässe zu vermeiden.

Containerschiff auf der Straße Hormus
Seit Kriegsausbruch ist für funktionierende Lieferketten in der Golfregion Improvisation das wichtigste Gebot, da Schiffe in den Häfen festsitzen
© Foto: picture alliance/dpa | Farshid-M. Bina

Wie lange hält das alternative Netzwerk – und was bleibt danach?

Die improvisierten Routen funktionieren – noch. Doch Maier macht deutlich, dass die Branche sich auf langfristige Veränderungen einstellen muss. Neue Gateways, flexiblere multimodale Lösungen und eine stärkere regionale Diversifizierung werden bleiben, selbst wenn die Straße von Hormus wieder vollständig befahrbar ist. „Diese Krise zeigt, wie wichtig Redundanz ist“, sagt Maier. „Wer mehrere Optionen hat, bleibt handlungsfähig.“

Fazit: Die aktuelle Podcastfolge von VerkehrsRundschau Funk liefert einen seltenen Blick hinter die Kulissen eines globalen Logistiknetzwerks im Krisenmodus. Tobias Maier zeigt, wie viel Vorbereitung, Erfahrung und Geschwindigkeit nötig sind, um Lieferketten stabil zu halten, wenn eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt plötzlich ausfällt.


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