Der Betriebsrat geht davon aus, dass bei einer Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums deutlich mehr Arbeitnehmer als die Stammbelegschaft betroffen sein wird. Er schätzt, dass mehr als 3.000 Jobs durch die Entscheidung des Vorstandes des Dax-Konzerns bedroht seien, so der Erfurter Zalando-Betriebsratsvorsitzende Tony Krause.
Er hatte sich zuvor mit der Landtagsfraktion der Linken in Erfurt getroffen. Unter anderem nannte er Zeitarbeiter sowie Mitarbeiter von Dienstleistern, die für den Zalando-Standort teils seit Jahren arbeiteten.
Der Betriebsrat plane, alle von der Schließungsentscheidung Betroffenen zu einer Versammlung einzuladen, so der Betriebsratsvorsitzende. Dort solle über die Lage und das weitere Vorgehen gesprochen werden.
Die Agentur für Arbeit wird laut eigenen Angaben ab Montag, den 19. Januar direkt im Unternehmen Ansprechpartner für die Arbeitnehmer sein. Befristet Beschäftigte sollen wegen der Dringlichkeit zunächst beraten werden.
Betriebsverfassungsgesetz einhalten: Betriebsrat will Anhörung
Der Betriebsrat wurde ebenso wie die Landes- und Kommunalpolitik von der Entscheidung des Vorstandes, den großen Logistikstandort zu schließen, in der vergangenen Woche überrascht. Verdi-Sekretär Matthias Adorf warf dem Unternehmen vor, den Standort ohne Vorwarnung zu schließen, weil Zalando meine, anderswo kostengünstiger arbeiten zu können.
„Das ist ein Signal an die Aktionäre.“ Wie der Betriebsrat pochte er darauf, dass der Vorstand Arbeitnehmerrechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz einhält. „Der Betriebsrat hat das Recht, umfassend angehört zu werden.“ Das sei im Vorfeld der Entscheidung nicht geschehen, sagte Betriebsratschef Krause.
Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Christian Schaft, kündigte die Unterstützung seiner Fraktion für einen Arbeitskampf der Beschäftigten an. Seine Fraktion habe im Landtag bereits drei Dringlichkeitsanfragen gestellt. Dabei gehe es unter anderem darum, wie viele staatliche Zuschüsse Zalando für sein Logistikzentrum in Erfurt erhalten habe. „Es geht auch um Möglichkeiten, Zalando zur Kasse zu bitten“, sagte Schaft.
Thüringer Landesregierung gründet Arbeitsgruppe: Nachnutzung, Beschäftigung und Investoren im Fokus
Nach Betriebsratsangaben haben die Angestellten eine Welle der Unterstützung seit Bekanntwerden der Schließungspläne des Logistikzentrums bekommen. Die Schließung ist für den September geplant.
Die Thüringer Landesregierung hat der Belegschaft ebenfalls Unterstützung zugesagt. Es werde von einer eigens dafür gebildeten interministeriellen Arbeitsgruppe nach Investoren, neuen Beschäftigungsmöglichkeiten bei Unternehmen in der Region sowie eine Nachnutzung der riesigen Hallen gesucht.