Wie bereits berichtet, testet die Schwarz-Gruppe gemeinsam mit dem schwedischen Technologiekonzern Einride im hessischen Edermünde bei Kassel einen autonomen Lkw für die Belieferung einer Lidl-Filiale.
Beim zweiten Future Day der Schwarz-Gruppe, das unter dem Motto "Sustainable Logistics - Über Partnerschaften die Zukunft gestalten" im bayerischen Geisenfeld stattfand, stellte die Konzernmutter das eingesetzte Fahrzeug nun vor und erläuterte den aktuellen Stand des Pilotprojekts, wie die dpa mitteilt.
Autonome Lkw sollen Lieferketten robuster machen
Der Handelskonzern sieht in autonomen Fahrzeugen eine mögliche Antwort auf den Fahrermangel in der Logistik: „Wir sehen hier ein enormes Potenzial“, sagt Serhan Yildirim von Schwarz Logistic Solutions. „Autonome Systeme sind für uns ein vielversprechender Baustein in der Logistik, um Lieferketten noch resilienter aufzustellen und dem akuten Fachkräftemangel aktiv zu begegnen. Die Technologie unterstützt - wichtige Entscheidungen und Verantwortung verbleiben auch künftig beim Menschen.“
Im Mittelpunkt des Tests stehen nach Angaben von Lidl Deutschland aktuell kurze bis mittlere Strecken: „Uns geht es darum, die gesamte Prozesskette - inklusive Be- und Entladung an den Rampen - im Realbetrieb zu beherrschen. So prüfen wir Schritt für Schritt, wie wir zukunftsfähige Lösungen optimal in unser Gesamtsystem integrieren“, erklärt Thomas Dangelmayer von Lidl Deutschland.
Pilotprojekt in Hessen auf 400 Metern Strecke
Der autonome Einride-Lkw verkehrt derzeit zwischen einem Warenverteilzentrum und einer Lidl-Filiale in Edermünde. Die Strecke ist rund 400 Meter lang. Das Fahrzeug darf dabei maximal 25 Kilometer pro Stunde fahren.
„Die technologische Hürde liegt bei diesem Projekt jedoch nicht in der Kilometerzahl, sondern in der Komplexität der Manöver im echten Filialalltag“, sagt Dangelmayer. „Vom Abbiegen im öffentlichen Straßenverkehr über das Überqueren des Parkplatzes bis zur Fahrt an die Laderampe.“
Derzeit arbeitet das Fahrzeug noch nicht vollständig ohne menschliche Unterstützung. Während der Pilotphase begleitet ein Mitarbeiter von Einride den Betrieb und kann im Bedarfsfall aus der Ferne eingreifen. „In der jetzigen Pilotphase wird das Be- und Entladen der Ware noch manuell vom begleitenden Local Operator übernommen“, so Dangelmayer. „Das ist ein Mitarbeiter von Einride, der das Fahrzeug begleitet und in Ausnahmesituationen per Fernsteuerung eingreifen kann.“
Regulatorische Vorgaben im Fokus des Pilotversuchs
Als zentrale Herausforderungen für autonome Logistiklösungen gelten die regulatorische Anforderungen. Nach Angaben von Lidl müssen autonome Lkw künftig nahtlos in die physischen und digitalen Abläufen an Laderampe und Filialen passen.
Für den Pilotversuch entschied sich die Schwarz-Gruppe bewusst für Deutschland.: „Das deutsche Regulierungsumfeld mit den strengen Vorgaben von TÜV und Kraftfahrt-Bundesamt ist extrem anspruchsvoll“, sagt Serhan Yildirim. „Indem wir uns diesen Standards stellen, schaffen wir eine solide Basis und wollen Wegbereiter für die gesamte Branche in Europa werden. Im nächsten Schritt geht es darum, aus dem Testbetrieb verlässliche Maßstäbe für skalierbare Transportsysteme zu schaffen.“
Unternehmen der Schwarz Gruppe stärken Partnerschaften
Beim Future Day waren über 650 Branchenvertreter versammelt: Von der Unternehmensgruppe kamen der Einzelhandel (Kaufland, Lidl) über die Produktion (Schwarz Produktion) bis hin zur Kreislaufwirtschaft (PreZero) und Digitalisierung (Schwarz Digits) mit externen Partnern zusammen, um die Herausforderungen der Logistik gemeinsam anzugehen. Es wurde über Technologien, Infrastruktur, Arbeitswelten und konkrete Praxislösungen gesprochen.
"Bei der Transformation der Logistik warten wir nicht auf fertige Lösungen, sondern entwickeln sie gemeinsam mit den anderen Unternehmen der Schwarz Gruppe und unseren Partnern selbst. Genau das zeigen wir in Geisenfeld - mit einem hochautomatisierten Logistikzentrum, das Zukunftsfähigkeit neu definiert", sagt Pascal Siegmund, Leiter Logistik International bei der Kaufland Stiftung. "Auch bei der E-Mobilität unserer Logistik gehen wir weiter voran und bauen an allen Logistikstandorten Ladeparks für E-Lkw auf. Gleichzeitig wollen wir Leerfahrten und Wartezeiten deutlich reduzieren. Dafür vernetzen wir Daten und bauen daraus Transportnetzwerke auf und aus. Davon profitieren am Ende alle: unsere Partner und vor allem unsere Kunden, weil wir unsere Filialen noch effizienter mit Ware versorgen können."