Volkswagen: 5,82 Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal

29.10.2026 12:55 Uhr | Lesezeit: 4 min
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Volkswagen verbucht im dritten Quartal 2026 einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro. Vor allem die Porsche-Abschreibung und das schwache China-Geschäft belasten das Ergebnis (Symbolbild)
©Foto: Volkswagen AG

Volkswagen rutscht im dritten Quartal 2026 mit 5,82 Milliarden Euro ins Minus. Milliardenabschreibungen auf Porsche, das schwache China-Geschäft und Kosten für den Konzernumbau belasten das Ergebnis. Zugleich sinken Umsatz und Fahrzeugauslieferungen deutlich.

Volkswagen hat im dritten Quartal 2026 einen Verlust nach Steuern von rund 5,82 Milliarden Euro verbucht, wie die dpa mitteilt. Im Vorjahresquartal hatte der Wolfsburger Autokonzern bereits einen Fehlbetrag von gut 1,07 Milliarden Euro ausgewiesen.

Von Juli bis September sank der Konzernumsatz um 6,3 Prozent auf rund 75,28 Milliarden Euro. Das Ergebnis sei vor allem durch Sondereffekte in Höhe von 7,8 Milliarden Euro belastet worden.

Weitere Belastungen kamen aus dem schwachen Marktumfeld in China, dem weltweit zunehmenden Preis- und Wettbewerbsdruck, den US-Zöllen sowie dem höheren Verkaufsanteil margenschwächerer Elektroautos.

Porsche-Abschreibung belastet Volkswagen mit 6,4 Milliarden Euro

Den größten Sondereffekt verursacht eine Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche. Volkswagen beziffert die Wertberichtigung auf rund 6,4 Milliarden Euro. Sie ist nicht zahlungswirksam, belastet jedoch den operativen Gewinn.

Grund für die Abschreibung sind niedrigere Erwartungen an die künftige Entwicklung von Porsche. Die Stuttgarter Tochter stehe ebenfalls unter anderem wegen des schwachen China-Geschäfts, der US-Zollpolitik und Änderungen an der Elektrostrategie unter Druck. Zuletzt hatten sich die Geschäftszahlen von Porsche stabilisiert.

China-Geschäft sorgt für zusätzliche Milliardenbelastung

Auch bei Gesellschaften in China nimmt Volkswagen eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung vor. Sie beläuft sich auf rund eine Milliarde Euro, so die dpa weiter.

Der chinesische Automarkt belastet Volkswagen zugleich im operativen Geschäft. Im dritten Quartal verkaufte der Konzern in China knapp 406.000 Fahrzeuge. Das waren 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Konzernumbau verursacht weitere Sonderkosten

Zusätzlich wirkt sich der angestrebte Verkauf des Volkswagen-Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen auf das Ergebnis aus. Beide wollen den Standort auf Rüstung ausrichten.

Noch nicht berücksichtigt sind weitere Sonderkosten für zusätzliche Vorruhestandsregelungen im Zusammenhang mit dem 2024 vereinbarten Stellenabbau. Diese sollen nach früheren Angaben ebenfalls im zweiten Halbjahr anfallen.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Volkswagen Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro. Davon hat der Konzern bereits 8,7 Milliarden Euro verbucht, darunter 900 Millionen Euro im ersten Halbjahr.

Volkswagen nach neun Monaten mit 2,72 Milliarden Euro Verlust

Nach den ersten neun Monaten 2026 steht für Volkswagen ein Verlust nach Steuern von 2,72 Milliarden Euro zu Buche. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Überschuss von gut 3,4 Milliarden Euro erzielt.

Der Umsatz erreichte in den ersten neun Monaten rund 233,4 Milliarden Euro und lag damit 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Ohne die Sondereffekte hätte Volkswagen im Tagesgeschäft einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro verbuchen können. Die operative Umsatzrendite hätte bei 3,8 Prozent gelegen.

VW-Finanzchef Antlitz: „Wir dürfen keine Zeit verlieren“

VW-Finanzchef Arno Antlitz erklärt: „Das Neunmonats-Ergebnis zeigt deutlich: Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln.“

Mit dem Zukunftsplan 2030 hat Volkswagen Maßnahmen für eine gestraffte Modellpalette, einfachere Strukturen und geringere Kosten definiert. Insgesamt sieht der Plan des Vorstands Einsparungen von 31 Milliarden Euro vor. Auch die Produktionskapazitäten sollen weiter sinken.

Weitere 50.000 Stellen bei Volkswagen auf der Kippe

Rechnerisch könnten im Gesamtkonzern weitere 50.000 Stellen betroffen sein. Bereits vereinbart ist der Wegfall von 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030.

Bei der Kernmarke sollen im November Gespräche mit den Arbeitnehmern beginnen. Zum 30. September 2026 beschäftigte der Volkswagen-Konzern weltweit 614.500 Menschen. Ende 2025 waren es rund 628.900.

Lesen Sie hier: Volkswagen: Was die Werksdebatte für die Logistik bedeutet.

VW-Auslieferungen sinken im dritten Quartal um 14,3 Prozent

Auch bei den Fahrzeugauslieferungen verzeichnet Volkswagen deutliche Rückgänge. Von Juli bis September lieferte der Konzern 1,89 Millionen Fahrzeuge aus. Das waren 14,3 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Bis Ende September übergaben die Marken des Volkswagen-Konzerns gut sechs Millionen Fahrzeuge an ihre Kunden. Damit lagen die Auslieferungen neun Prozent beziehungsweise rund 600.000 Fahrzeuge unter dem Vorjahreswert.

Elektroautos erhöhen den Margendruck bei Volkswagen

Während der Absatz von Elektroautos in Europa wächst, belasten deren niedrigere Margen derzeit das Konzernergebnis.

VW-Finanzchef Arno Antlitz sagt: „Der Markterfolg unserer Elektrofahrzeuge setzt unser Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil wir mit Elektroautos heute noch weniger verdienen als mit Verbrennern“.

In Europa war in den ersten neun Monaten jedes fünfte Fahrzeug ein reines Elektroauto. Gleichzeitig ziehen die Auftragseingänge weiter an. Für die vollelektrische Kleinwagen-Familie rund um den ID. Polo lagen zuletzt 150.000 Bestellungen vor.

Volkswagen senkt Gewinnprognose für 2026

Das Management um Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hatte die Gewinnprognose für 2026 bereits Mitte September deutlich reduziert. Vom Umsatz soll im laufenden Jahr höchstens noch ein Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben.

Zuvor hatte Volkswagen mit einer operativen Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent gerechnet. Im Jahr 2025 lag sie bei 2,8 Prozent.

Für 2026 erwartet der Volkswagen-Konzern einen Umsatz von rund 315 Milliarden Euro. Damit läge der Wert in der Mitte der bereits im Juli nach unten korrigierten Prognosebandbreite. Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen 321,9 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

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