Volkswagen erprobt erstmals ferngesteuerte Lkw auf Hessens Straßen

06.08.2026 14:45 Uhr | Lesezeit: 3 min
Volkswagen erprobt erstmals ferngesteuerte Lkw auf Hessens Straßen
VW-Werksleiter Ingo Spengler (von links), Logistikleiter Uwe Schmitz und Baunatals Bürgermeister Henry Richter.
© Foto: Volkswagen Group

Ferngesteuerte Lkw erreichen die Praxis: Volkswagen erprobt die Technologie in Kassel auf Werksgelände und öffentlichen Straßen. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie Fernsteuerung die Werklogistik effizienter machen und dem Fahrermangel entgegenwirken kann.

Volkswagen hat am Komponentenstandort Kassel gemeinsam mit der MIRA GmbH und der L.I.T. Speditions GmbH erstmals einen ferngesteuerten Lkw im Realbetrieb eingesetzt. Die Terminalzugmaschine absolvierte Fahrten auf dem Werksgelände sowie auf öffentlichen Straßen in Hessen. Nach Angaben der Projektpartner handelt es sich um die erste Erprobung dieser Art im öffentlichen Straßenverkehr des Bundeslandes.

Der Versuch soll Erkenntnisse für den möglichen Einsatz ferngesteuerter Fahrzeuge in der Werklogistik liefern. Zudem will der Konzern prüfen, ob sich das Konzept künftig auf weitere Standorte übertragen lässt.

Ferngesteuerter Lkw fährt auf Werksgelände und öffentlichen Straßen

Die Testfahrten basieren auf der aktualisierten Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV), die einen rechtlichen Rahmen für den Betrieb ferngesteuerter Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen schafft. 

Für den Versuch kam eine Terminalzugmaschine vom Typ MAFI T 230 zum Einsatz. Das Fahrzeug wurde mit dem Teleoperations-Kit von MIRA sowie einem Drive-by-Wire-System ausgerüstet. Die Steuerung erfolgte vollständig über Mobilfunk aus einem Leitstand im Volkswagen-Werk Kassel. Die Strecke führte sowohl über interne Werksbereiche als auch über öffentliche Straßen.

„Mit dieser Erprobung gehen wir zusammen mit unserem Partner, der L.I.T. Gruppe aus dem niedersächsischen Brake, einen entscheidenden Schritt vom Pilotbetrieb hin zur industriellen Anwendung. Fernsteuerung gestattet es, Fahrzeuge flexibel und sicher auch über Distanz zu steuern und ermöglicht somit insbesondere in der Logistik effizientere Prozesse“, sagt Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH.

MIRA und L.I.T. begleiten das Pilotprojekt

Die MIRA GmbH, eine Tochtergesellschaft der Rheinmetall AG, entwickelt Technologien für ferngesteuerte, automatisierte und fahrerlose Mobilität.

Als operativer Partner ist die L.I.T. Speditions GmbH eingebunden. Das Unternehmen verantwortet die Lkw-Shuttle-Verkehre am Standort Kassel nach Angaben von Volkswagen seit der Gründung des Logistikzentrums im Jahr 2012.

„Für uns ist entscheidend, dass neue Technologien nicht nur funktionieren, sondern echten Mehrwert im täglichen Betrieb liefern. Die Fernsteuerung hat das Potenzial, unsere Prozesse nachhaltig zu verbessern“, erklärt Ingo Schreiber, Vorstandsmitglied der L.I.T. Gruppe.

Das VW-Projektteam der Werkslogistik gemeinsam mit den Partnern MIRA und L.I.T.
Das Projektteam der Werkslogistik gemeinsam mit den Partnern MIRA und L.I.T.
© Foto: Volkswagen Group

Volkswagen bewertet Potenziale für die Werklogistik

Mit dem Pilotprojekt untersucht Volkswagen mögliche Anwendungen neuer Technologien unter realen Bedingungen  in der Werklogistik. Im Fokus stehen dabei Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen für innerbetriebliche Transportprozesse.

Der Konzern verweist auf steigende Transportkosten und den zunehmenden Mangel an Fahrpersonal bei externen Logistikdienstleistern. Durch die Fernsteuerung könnten Fahrzeuge standortunabhängig aus einem Leitstand bedient werden. Zudem sollen sich Wartezeiten verringern und Betriebsabläufe flexibler organisieren lassen.

„Unser Standort hat sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder erfolgreich neu erfunden. Dieses Pilotprojekt zeigt, dass wir auch bei der Logistik der Zukunft vorangehen. Der ferngesteuerte LKW verdeutlicht, welches Potenzial in der Vernetzung von Fahrzeugen und digitalen Leitständen steckt – insbesondere mit Blick auf Effizienz, Sicherheit und neue Arbeitsmodelle“, sagt Ingo Spengler, Werkleiter des Volkswagen Standorts Kassel.

Fernsteuerung soll neue Arbeitsmodelle ermöglichen

Volkswagen sieht in der Technologie auch Chancen für eine inklusive Arbeitsgestaltung: Nach Angaben des Unternehmens können in einer barrierefrei gestalteten Variante des Leitstands künftig auch Mitarbeitende mit körperlichen Einschränkungen Fahrzeuge bedienen.

Dadurch sollen neue Einsatzmöglichkeiten geschaffen und vorhandene Fachkenntnisse langfristig im Unternehmen gehalten werden. Das Sicherheitskonzept für die Erprobung wurde gemeinsam mit der Werksicherheit, der Stadt Baunatal und dem Regierungspräsidium Kassel entwickelt und genehmigt.

Stadt Baunatal unterstützt Erprobung im öffentlichen Straßenverkehr

Für die Testfahrten auf öffentlichen Straßen war eine entsprechende Genehmigung erforderlich. Die Stadt Baunatal unterstützte das Vorhaben und ermöglichte die rechtssichere Durchführung des Projekts:

„Dieses Pilotprojekt steht symbolisch für die jahrzehntelange hervorragende Zusammenarbeit zwischen der Stadt Baunatal und dem Volkswagen Werk. Gemeinsam zeigen wir, wie Zukunftstechnologien durch partnerschaftliches Handeln vor Ort erfolgreich erprobt werden können. Innovationen wie die ferngesteuerte Logistik leisten einen wichtigen Beitrag zu effizienteren und nachhaltigeren Prozessen und zeigen zugleich, dass technologische Entwicklung und Verantwortung für die Menschen zusammengehören“, sagt Bürgermeister Henry Richter.

Erkenntnisse für weitere Konzernstandorte geplant

Die Ergebnisse der Erprobung sollen als Grundlage für die Bewertung eines möglichen Dauerbetriebs dienen. Darüber hinaus will Volkswagen prüfen, ob sich das Konzept ferngesteuerter Shuttleverkehre auf weitere Standorte des Konzerns übertragen lässt. 


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