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Verbände: Bedenken bei Ausbau der Rheintalbahn

Die Rheintalbahn soll viergleisig ausgebaut werden (Symbolbild)
© Foto: Uli Deck/dpa/picture-alliance

Beim geplanten Ausbau der Güterbahnstrecke im Rheintal haben Umweltschützer Bedenken geltend gemacht. Auch Verkehrsunternehmen haben sich zu Wort gemeldet und mahnen unter anderem, Lehren aus der Tunnelhavarie von 2017 zu ziehen


Datum:
10.08.2022
Autor:
Marie Christin Wiens / dpa
Lesezeit: 
2 min
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Der vier Kilometer lange Tunnel ist Teil des Aus- und Neubauprojekts. Am 12. August 2017 hatte es beim Bau der Unterquerung der bestehenden Rheintalbahn bei Rastatt eine Havarie im Tunnel gegeben. Die Gleise darüber sackten ab, der Verkehr stand wochenlang still. An diesem Montag, den 8. August, hatte die deutsche Bahn Details zum weiteren Bau des Tunnels bekanntgegeben.

Die Rheintalbahn ist eine Hauptverbindung zwischen den Nordseehäfen und Italien. Die Verbindung soll vom Süden bis zu den Häfen an der Nordsee viergleisig werden. Deutschland hinke den anderen Ländern deutlich hinterher, so Sven Flore, Verbandsvize im Verband Die Güterbahnen. „Meisterwerke“ wie der Gotthard-Basistunnel könnten daher nicht wie geplant in vollem Umfang genutzt werden.

Naturschützer: Wildkorridore unzureichend

Zudem haben Naturschützer Bedenken am Ausbau der Rheintalbahn angemeldet: Da die Autobahn A5 Karlsruhe - Basel in weiten Teilen parallel zu der Bahnstrecke verlaufe, entstehe ein für Wildtiere und bestimmte Fledermausarten unüberwindbares Hindernis. Das erklärte der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg (LNV), Gerhard Bronner, 9. August in Stuttgart.

Der LNV, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund (Nabu) baten nach eigenen Angaben das Eisenbahn-Bundesamt, die Planungen für die Streckenabschnitte zwischen Offenburg (Ortenaukreis) bis südlich von Freiburg nicht zu genehmigen. Die geplanten Unter- und Überführungen für Tiere seien unzureichend.

Unterlagen noch in Prüfung

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn teilte auf Anfrage mit, der Umweltschutz sei für das Verkehrsunternehmen ein sehr wichtiges Thema, „entsprechend haben wir bei unseren Projekten die Belange auch immer im Blick“. Die Bahn könne aber nicht zu konkreten Fragen aus den sogenannten Planfeststellungsunterlagen Stellung nehmen, da es um laufende Verfahren gehe.

Die Unterlagen werden demnach beim Regierungspräsidium Freiburg geprüft. Das Eisenbahn-Bundesamt sei als Genehmigungsbehörde verantwortlich, so die Bahn.

Verkehrsverband: Nebennetz ertüchtigen

Daneben mahnt der Verband Die Güterbahnen, dass ausreichend leistungsstarke Ausweichstrecken für die geplante vierwöchige Sperrung im August 2024 in Rastatt vorhanden sein müssen. Das gelte auch für das von der Bahn angekündigte große Sanierungsprogramm, so Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands.

Man müsse aus den Erfahrungen der Tunnelhavarie damals für andere Bahnprojekte lernen, „ansonsten erleben wir ein Riesenchaos mit der geplanten Generalsanierung“, sagte er mit Blick auf große Bauvorhaben der Bahn. Von der Bundesregierung erkenne er aber kein Bestreben, das sogenannte Nebennetz stärker zu ertüchtigen.

Nadelöhr Rastatt

Ende 2026 soll der Tunnel in Betrieb gehen. Das wären 30 Jahre nach den entsprechenden Ausbau-Vereinbarungen. Aus Sicht des Verbands ist das ein viel zu langer Zeitraum. Nach dessen Einschätzung dürfte es sich um Deutschlands langsamste Eisenbahnbaustelle handeln.

Dabei habe man schon kurz nach dem Unfall Vorschläge für eine andere Streckenführung gemacht, beklagte Westenberger. Er sprach von einem besonderen Engpass, da Nah-, Fern- und Güterverkehr über Rastatt müssten und die Nachfrage in allen Bereichen zunehme. „Aber die Infrastruktur ist nicht mitgewachsen.“

Der baden-württembergische FDP-Landtagsabgeordnete Christian Jung beklagte ebenfalls, nach der Havarie habe es keine substanziellen Maßnahmen gegeben, um vor allem funktionsfähige Ausweichstrecken in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zur Verfügung zu stellen.

Da die Hausaufgaben nicht gemacht wurden, „braucht es wahrscheinlich eine weitere Havarie oder noch längere Streckensperrungen, bis etwas passiert“, monierte Jung.

Schon jetzt stehe fest, dass auf dem Rheintalkorridor zwischen Basel, Karlsruhe, Mannheim und Köln in Zukunft noch mehr Lkw unterwegs sein werden, da nur bedingt mehr Güter auf die Schiene verlagert werden könnten. Es fehlten zum Beispiel weitere Verladeterminals vor allem für Container. (mwi/dpa)

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