Stückgut im Umbruch: Warum die Netze wackeln und wo die Branche jetzt steht

20.03.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 2 min
VTL
VTL und andere große Stückgutanbieter sehen sich angesichts der angespannten Wirtschaftslage vor großen Herausforderungen 
© Foto: VTL Vernetzte-Transport-Logistik GmbH

Der Stückgutmarkt steht Kopf: Partnerwechsel, Insolvenzen und digitale Rückstände bringen die Netze ins Wanken. Warum der Druck so groß ist – und wo die Branche jetzt gegensteuern.

Der deutsche Stückgutmarkt durchläuft derzeit eine Phase, die viele Branchenkenner als außergewöhnlich turbulent beschreiben. Partnerwechsel, Insolvenzen, Unternehmensnachfolgen und große Verschiebungen bei Sendungsmengen belasten die Kooperationen. Gleichzeitig zwingt die schwache Konjunktur die Unternehmen zu Kostendisziplin – und offenbart digitale Defizite, die zunehmend zum Wettbewerbsnachteil werden.

In unserer aktuellen Podcastfolge ordnet VerkehrsRundschau‑Redakteurin Eva Hassa die Lage ein und erklärt, warum die Branche 2026 mit so viel Unruhe zu kämpfen hat:

Unwucht im Stückgutmarkt: Was die Branche jetzt bewegt

DSV–Schenker: Ein Deal mit weitreichenden Folgen

Ein zentraler Auslöser der Bewegung ist der milliardenschwere Einstieg von DSV bei Schenker. Für die Stückgutbranche war dieser Wechsel insbesondere für IDS Logistik einschneidend: Der dänische Logistikriese war bis Ende 2025 einer der wichtigsten Gesellschafter im IDS‑Netz und betrieb insgesamt sieben Standorte. Mit dem Ausscheiden mussten innerhalb weniger Wochen neue Partner aufgeschaltet und rund 500 Linien neu strukturiert werden – die größte Reorganisation in der IDS‑Geschichte. Geschäftsführer Michael Bargl sprach gegenüber der VerkehrsRundschau offen über die Herausforderung, betonte jedoch, dass das Netz inzwischen wieder stabil läuft.

Hub_CargoLine_Eroeffnung_2023
 Branchengrößen wie Cargoline wollem konsequent an der weiteren Digitalisierung arbeiten 
© Foto: CargoLine

Stabilität bleibt fragil – bei allen Kooperationen

Ob IDS, CTL, Cargoline, NG.Network oder VTL: Die Lage ist branchenweit angespannt. Jörn Peter Struck (Cargoline) brachte es jüngst auf den Punkt: „Kämpfen tun wir aktuell alle, um die Netzsicherheit aufrechtzuerhalten.“

Die Gründe sind vielfältig:

  • anhaltend schwache Wirtschaft
  • steigender Preis- und Kostendruck
  • Insolvenzen mittelständischer Speditionen
  • ungelöste Nachfolgen bei Familienbetrieben
  • verschärfter Wettbewerb um Kapazitäten

Die jüngste Insolvenz der Hintzen Spedition, eines langjährigen Stückgutprofis, hat vielen erneut gezeigt, wie verletzlich selbst etablierte Unternehmen sind.

Digitalisierung: Der Wettbewerbsvorteil, der vielen fehlt

Neben strukturellen Themen tritt ein weiterer entscheidender Faktor in den Vordergrund: die Digitalisierungslücke vieler mittelständischer Speditionen. Laut Thomas Lagally (Euro‑Log) arbeiten zahlreiche Betriebe weiterhin mit Systemen, die schwer integrierbar sind wenig automatisiert und stark von manuellen Prozessen abhängig.
Dies bremst Effizienz – insbesondere in Bereichen wie:

  • Sendungserfassung
  • Auftragsmanagement
  • Störungsbearbeitung
  • Prozesssteuerung
  • Kommunikation zwischen Depots und Partnern

Mit KI könnten viele dieser Prozesse heute automatisiert werden. Doch der Einsatz ist im Mittelstand noch längst nicht Standard.

KI als Hebel – aber noch nicht im breiten Einsatz

Wie KI Stückgutprozesse effizienter machen kann, zeigt sich bereits in ersten Pilotprojekten: 

  • automatische Klärung „abarbeitungspflichtiger Vorgänge“
  • digitalisierte Rechnungsprüfung
  • automatisierte Statusdatenerfassung
  • intelligente Netzsteuerung

Die Hürden sinken. Doch der Transfer in die Fläche steht noch am Anfang. Mehr dazu präsentiert die VerkehrsRundschau in der großen Expertenrunde der Ausgabe 6.
Klar ist: Die Stückgutbranche steht 2026 an einem Wendepunkt. Struktureller Druck, Konsolidierung und Digitalisierung prägen die kommenden Jahre. Wer sich behaupten will, braucht: stabile Netzstrukturen, klare Mengenplanung, moderne, integrierbare IT und die Bereitschaft, bestehende Prozesse zu hinterfragen Mehr denn je gilt: Ohne Weiterentwicklung bleibt man zurück.


Mit dem VerkehrsRundschau-Newsletter immer auf dem neuesten Stand

Von Montag bis Freitag bekommen Sie unser Mittags-Update mit aktuellen Nachrichten aus der Transport- und Logistikbranche kostenfrei in Ihr E-Mail-Postfach. Zusätzlich bekommen Sie immer samstags digitale VR-Post mit den Wochen-Highlights. Den VR-Newsletter können Sie hier gratis abonnieren.

Sie haben ein Sie haben Fragen, Anregungen oder ein konkretes Anliegen? Dann schreiben Sie uns gerne an das VerkehrsRundschau-Postfach unter verkehrsrundschau@tecvia.com


HASHTAG


#Stückgut

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.