Wann Tanken am günstigsten ist – ADAC und Merz kritisch gegenüber Tankrabatt

06.05.2026 15:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
Illustration zu den Themen Benzin/Diesel/Ölpreise/Tanken/Teuerung/Spritpreisbremse
Kraftstoffpreise sinken trotz Steuersenkung weniger als erwartet. ADAC kritisiert unvollständige Weitergabe des Tankrabatts, Kanzler Merz spricht von einer Entlastung, die „so leidlich“ funktioniert (Symbolbild)
© Foto: HARALD SCHNEIDER/APA/picturedesk.com/picture alliance

Trotz Steuersenkung bleiben Benzin und Diesel teurer als erwartet. Der ADAC sieht den Tankrabatt nur teilweise weitergegeben. Kanzler Friedrich Merz spricht von einer Entlastung, die „so leidlich“ funktioniert.

Autofahrerinnen und Autofahrer können aktuell vor allem dann sparen, wenn sie den Zeitpunkt des Tankens gezielt wählen. Nach Angaben des ADAC ist Kraftstoff im Tagesverlauf kurz vor 12 Uhr mittags am günstigsten. Grund ist die gesetzliche Regelung, nach der Tankstellenpreise nur einmal täglich – mittags um 12 Uhr – angehoben werden dürfen. Danach sind ausschließlich Preissenkungen zulässig.

Diese Empfehlung gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil der seit dem 1. Mai geltende Tankrabatt nach Einschätzung des ADAC bislang nicht vollständig bei den Verbrauchern ankommt.

Preise sinken – aber deutlich weniger als die Steuersenkung

Wie aus der aktuellen ADAC‑Auswertung hervorgeht, ist der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 innerhalb einer Woche um 7,8 Cent je Liter gesunken. Diesel verbilligte sich um 10,5 Cent. Am Vortag kostete ein Liter Super E10 im Tagesdurchschnitt 2,025 Euro, Diesel lag bei 2,095 Euro.

Demgegenüber steht die Absenkung der Energiesteuer um rund 17 Cent je Liter, mit der die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Kriegs am Golf abgefedert werden sollen. Die tatsächliche Entlastung an der Zapfsäule fällt damit deutlich geringer aus. Auch das Ifo‑Institut sieht in den ersten Tagen des Tankrabatts nur eine unvollständige Weitergabe der Steuersenkung an den Zapfsäulen.

Rahmenbedingungen nahezu unverändert

Nach Angaben des ADAC sind die aktuellen Marktbedingungen gut mit der Situation vor der Steuersenkung vergleichbar. Der Rohölpreis der Sorte Brent bewegt sich weiterhin um 110 US‑Dollar je Barrel, ähnlich wie am 30. April, dem letzten Tag vor Inkrafttreten der Steuerentlastung. Auch der Euro‑Dollar‑Wechselkurs liegt nahezu auf diesem Niveau.

Trotzdem gingen die Preise seitdem nicht um die vollen 17 Cent, sondern lediglich um rund zehn Cent bei Super E10 und etwa zwölf Cent bei Diesel zurück.

ADAC: Altbestands‑Argument greift nicht mehr

Das häufig genannte Argument, Tankstellen hätten zu Beginn noch Kraftstoff mit dem höheren Steuersatz in ihren Tanks, hält der ADAC für nicht mehr stichhaltig. Fünf Tage nach Beginn der Steuersenkung könne dieser Effekt keine Rolle mehr spielen. Nach Auffassung des Automobilclubs deutet dies darauf hin, dass Mineralölunternehmen einen nicht unerheblichen Teil des Tankrabatts einbehalten, anstatt ihn vollständig weiterzugeben.

Merz: Tankrabatt funktioniert „so leidlich“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich zur Wirkung der Maßnahme zurückhaltend, wie die dpa vermeldete: In der ZDF‑Sendung „Was nun, Herr Merz?“ sagte er: „Er funktioniert so leidlich.“ Einige Tankstellen hätten die Preise tatsächlich um 17 Cent gesenkt, andere jedoch weniger. Der Markt sei insgesamt sehr beweglich, „insofern kann man das jetzt auch nicht eins zu eins alles nachvollziehen“, so Merz.

Gleichzeitig verteidigte der Kanzler die auf zwei Monate befristete Entlastung. Man habe diese „in einem vernünftigen Kompromiss in der Koalition so beschlossen, und das wirkt“. Ziel sei es gewesen, durch den Verzicht auf Mineralölsteuereinnahmen die Preise zu senken – eine Forderung, die auch von Arbeitgebern und Gewerkschaften unterstützt worden sei.

Markt unter Beobachtung – Regierung vorbereitet

Für den Staat ergeben sich durch die Senkung um 16,7 Cent je Liter Steuerausfälle von bis zu 1,6 Milliarden Euro. 

Mit Blick auf mögliche weitere wirtschaftliche Folgen des Iran‑Krieges sagte Merz: „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Wenn sie eintreten, wird uns das nicht überraschen.“ Ein Ausschuss im Wirtschaftsministerium beobachte die Marktlage tagesgenau, das Kabinett werde regelmäßig informiert. Zudem stehe die Bundesregierung im Austausch mit der Mineralölwirtschaft und den Raffinerien.


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