KI in der Logistik wird wichtiger, Cyberrisiken nehmen zu

27.10.2026 17:06 Uhr | Lesezeit: 3 min
Roboterarm und menschliche Hand mit Daten-Icons symbolisieren agentische KI
KI und digitale Transformation rücken bei Logistik-Managern auf der Prioritätenliste nach oben. Gleichzeitig erwarten die Befragten mehr Cyberangriffe auf Transport- und Logistiknetzwerke
©Foto: Infinite Flow/stock.adobe.com

Transport- und Logistikunternehmen setzen verstärkt auf KI, digitale Transformation und neue Wachstumsmodelle. Eine Horváth-Studie zeigt zugleich: Cyberrisiken und Margendruck bleiben zentrale Herausforderungen.

KI und digitale Transformation gewinnen in Transport und Logistik an Bedeutung. 80 Prozent der von Horváth befragten Führungskräfte sind der Ansicht, dass die Branche KI noch nicht mit der nötigen Geschwindigkeit und Breite einsetzt. Gleichzeitig erwarten alle Befragten mehr Cyberangriffe auf Transport- und Logistiknetzwerke.

Das Beratungsunternehmen Horváth hat im Rahmen der Studie „Transportation, Travel & Logistics 2026“ weltweit Führungskräfte aus Transport und Logistik zu ihren Einschätzungen für die Branche und ihren Strategien befragt. Unter anderem erwarten die Manager demnach zunehmenden Einsatz von KI, aber auch vermehrte Cyberangriffe auf digitale Lieferketten. Neben Cybersicherheit und KI waren auch Wachstum, Kostenstruktur und Kundenwünsche Themen der Befragung.

Die Unternehmen rechnen laut der Studie 2026 mit einem Umsatzplus von bis zu 7,4 Prozent, abhängig vom konkreten Marktsegment. Der wirtschaftliche Druck bleibe aber hoch, so die Berater. Die durchschnittliche EBIT-Marge soll von 5,6 auf 6,2 Prozent steigen. Sie liegt damit unter dem Durchschnitt der Dienstleistungsbranche von 13,3 Prozent.

Kosten und Profitabilität bleiben höchste Priorität

Die Verbesserung der Kosten- und Ergebnisstruktur steht weiter an erster Stelle auf der Prioritätenliste der befragten Manager. Auf Rang zwei folgen KI und digitale Transformation als Hebel für mehr Effizienz. In der Befragung von 2025 lagen sie noch auf dem vierten Rang. An dritter Stelle folgt die Reorganisation von Strukturen und Prozessen. Im Vorjahr belegte das Thema noch Rang sechs.

„Entscheidend ist, wie Wachstum generiert wird, wie Preispositionen gehalten und Skalierungsvorteile genutzt werden können, um tatsächlich wirksame Ergebnisbeiträge zu leisten“, ordnet Christian Schnöbel, Partner bei Horváth, ein. „Genau deshalb werden gleichzeitig Kosten, Strukturen und Erlösmodelle einer genauen Prüfung unterzogen.”

94 Prozent der Befragten erwarten einen anhaltend starken Margendruck. So haben neben Störungen der Lieferketten steigende Energiepreise gegenüber dem Vorjahr deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Realisierung von Skaleneffekten und ein konsequentes Kosten- und Ergebnismanagement werden aus Sicht der Manager noch wichtiger für Profitabilität und das langfristige Bestehen im Wettbewerb.

KI in der Logistik: Potenzial bleibt ungenutzt

Neben dem Kosten- und Ergebnismanagement gewinnt vor allem der Einsatz neuer Technologien an Bedeutung. Obwohl KI auf der Prioritätenliste der Manager mit Rang 2 weit oben steht, bleibt ein signifikanter Teil des Potenzials bislang ungenutzt, so die Studie.

80 Prozent der Führungskräfte seien der Ansicht, dass die Branche KI noch nicht mit der nötigen Geschwindigkeit und Breite einsetzt – etwa in Planung, Disposition und Kundenservice. Am weitesten fortgeschritten ist der Einsatz in Kundenkommunikation und Service.

Gleichzeitig erwarten 83 Prozent der Unternehmen einen moderaten oder hohen Wachstumseffekt durch ein verbessertes digitales Kundenerlebnis und digitale Kanäle. 84 Prozent der Befragten erwarten, dass KI und Technologie zu einer zentralen Quelle von Wettbewerbsvorteilen werden – oder zu Wettbewerbsnachteilen für solche Unternehmen führen, die diese Potenziale nicht für sich nutzen.

„Viele Unternehmen haben längst verstanden, wo KI helfen kann. Schwieriger ist die Umsetzung und die Einbettung in den bestehenden Betrieb“, so Schnöbel. Gerade in der Logistik würden neue Anwendungen auf gewachsene Systemlandschaften und heterogene Daten treffen.

2027 mit Herausforderungen: Mit weniger Wachstum gerechnet

Für 2027 rechnen die Führungskräfte mit geringerem Wachstum. Die Studie führt diese Entwicklung vor allem auf veränderte Handelsströme, die Verlagerung industrieller Wertschöpfung und herausfordernde Bedingungen auf den Heimatmärkten zurück.

95 Prozent sehen zudem wachsende Regulierung und Bürokratie sowie eine sinkende Verlässlichkeit politischer Zusagen als Belastung für Performance und Profitabilität.

Logistik-Manager erwarten mehr Cyberangriffe

Zu diesen Herausforderungen kommen unter anderem durch die zunehmende Digitalisierung neue Risiken hinzu: Alle befragten Führungskräfte erwarten mehr Cyberangriffe auf Transport- und Logistiknetzwerke.

Cybersecurity sei kein reaktives Thema, um sich zu schützen, sondern müsse aktiv angegangen werden, betont Schnöbel. „Wenn zentrale Systeme ausfallen, steht nicht irgendein IT-System still, sondern der operative Betrieb des Produktionssystems.“

Zuverlässigkeit wird für Logistikkunden wichtiger

Parallel zu diesen Risiken sieht die Studie eine Veränderung bei Wachstumslogiken in vielen Industrie-Segmenten und Geschäftsmodellen. Demnach halten 84 Prozent der Führungskräfte traditionelle, volumenbasierte Wachstumsmodelle für weitgehend ausgereizt. Wachstum solle künftig stärker über leistungsfähiges Yield-Management, zusätzliche Erlösquellen und differenzierte Services entstehen.

Veränderungen sehen die befragten Führungskräfte auch auf Kundenseite. 90 Prozent der Manager beobachten, dass für Kunden in der Logistik Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wichtiger werden als maximale Geschwindigkeit.

„Mehr Volumen ist kein Selbstzweck. Für viele Logistiker wird wichtiger, wie verlässlich sie liefern, welche Zusatzleistungen sie anbieten und wie konsequent sie ihre Erlöse steuern – im Grunde ist das ein Stück weit ein Spiegelbild der zunehmenden Relevanz von Resilienz“, so Schnöbel.


Horváth befragt Führungskräfte aus 32 Ländern

Für die Studie „Transportation, Travel & Logistics 2026“ wurde weltweit in 32 Ländern eine Auswahl von Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern der Branche befragt. Diese Auswahl sei repräsentativ, so Horváth. Die Stichprobe umfasse 46 Befragte, mit denen persönliche Tiefeninterviews geführt wurden.



HASHTAG


#Logistik

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Berufskraftfahrer (m/w/d)

Berlin (Spree-Trans)

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.