Studie: Lieferketten werden autonomer und intelligenter

26.03.2026 08:17 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lieferantenbeziehungen Kombinierter Verkehr Lieferkette
Symbolbild: Studie sieht Trend zu regionalen, intelligenten Lieferketten
© Foto: VectorMine/ AdobeStock

Eine BearingPoint-Studie zeigt: Unternehmen setzen verstärkt auf autonome, intelligente Lieferketten mit KI und Regionalisierung.

Globale Lieferketten stehen vor einem grundlegenden Umbau. Eine weltweite Befragung von Entscheiderinnen und Entscheidern im Supply‑Chain‑Topmanagement zeigt einen klaren Trend hin zu autonomen, intelligenten Netzwerken. Diese neuen, vollständig datengetriebenen Lieferketten setzen auf künstliche Intelligenz, Regionalisierung und Kreislaufwirtschaft, um sich flexibel und weitgehend selbststeuernd an Störungen anzupassen.

Effizienz verliert an Bedeutung, Anpassungsfähigkeit gewinnt

Grundlage der Ergebnisse ist ein neuer Thought‑Leadership‑Report der Management‑ und Technologieberatung BearingPoint. Für die Studie wurden 620 Führungskräfte auf C‑Level aus Europa, den USA und China befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen einen Paradigmenwechsel: Statt rein auf Effizienz zu setzen, rücken Anpassungsfähigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Resilienz in den Mittelpunkt der Supply‑Chain‑Strategie.

„Disruption ist nicht mehr eine Abfolge einzelner Krisen, sondern ein dauerhafter Zustand“, sagt Christian Opitz, Partner bei BearingPoint. Marktführer würden daher nicht mehr fragen, wie sie Störungen vermeiden, sondern wie sie schneller reagieren können als der Markt.

Regionalisierung gewinnt an Bedeutung

Fast jedes zweite Unternehmen treibt laut Studie die Regionalisierung oder Lokalisierung seiner Lieferketten aktiv voran. Ziel ist es, Abhängigkeiten zu reduzieren und die Basis für selbstregulierende Netzwerke zu schaffen. Gleichzeitig bremsen hohe Produktionskosten, Lücken im Lieferantennetzwerk sowie komplexe regulatorische Anforderungen eine schnelle Skalierung dieser Strategien.

Handelswachstum verlagert sich in neue Regionen

Bis 2030 erwarten die Befragten das stärkste Wachstum im Welthandel vor allem in Indien, Mexiko und den ASEAN‑Staaten. China dürfte dagegen im Zuge von Entkopplungs‑ und Diversifizierungsstrategien relativ an Dynamik verlieren. Diversifizierung wird dabei zunehmend als strategische Kernkompetenz verstanden und nicht mehr nur als Notfallmaßnahme.

Chinesische und andere globale Unternehmen bauen ihre Präsenz verstärkt in BRICS‑ und ASEAN‑Märkten aus und investieren zugleich in Produktionskapazitäten in Europa, um geopolitische Risiken und Zollbelastungen zu reduzieren.

Cloud und KI als digitales Rückgrat

Ein zentraler Hebel für den Wandel ist die Digitalisierung. 69 Prozent der Führungskräfte zählen Cloud‑Plattformen zu ihren drei wichtigsten Investitionsfeldern. Dahinter folgen Investitionen in künstliche Intelligenz sowie in Cybersicherheit und widerstandsfähige IT‑Infrastrukturen. Dennoch verfügen rund ein Viertel der Unternehmen weiterhin nicht über intelligente Werkzeuge, um Daten in Echtzeit in operative Entscheidungen zu übersetzen.

End-to-End-Autonomie bleibt Ausnahme

Obwohl 90 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass KI Lieferketten bis 2030 grundlegend verändern wird, haben bislang nur 8 Prozent der Unternehmen KI‑gestützte Planung und Orchestrierung vollständig integriert. Next‑Generation‑ERP‑Systeme und prädiktive Analysen gelten als zentrale Bausteine, um eine durchgängige End‑to‑End‑Steuerung zu ermöglichen.

Kreislaufwirtschaft wird zum Wachstumstreiber

Auch die Bedeutung zirkulärer Lieferketten nimmt zu. 44 Prozent der Führungskräfte betrachten Zirkularität inzwischen als strategischen Wachstumstreiber und nicht mehr nur als regulatorische Pflicht. Unternehmen investieren verstärkt in Reverse‑Logistics‑Konzepte, Product‑as‑a‑Service‑Modelle und Materialrückgewinnung, um Ressourcen zu schonen, neue Erlösquellen zu erschließen und ihre Marktposition zu stärken.

Fünf Imperative für autonome Lieferketten

Der Bericht identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder für Unternehmen:

  1. Liefernetzwerke neu ausrichten und regional ausbalancieren
  2. Prozesse standardisieren und Datenqualität verbessern
  3. KI skalieren, um autonome Entscheidungen zu ermöglichen
  4. Nachhaltigkeit intelligent entlang der Wertschöpfung verankern
  5. Mensch‑KI‑Zusammenarbeit und adaptive Führung fördern

„Die Gewinner der kommenden Jahre werden jene Unternehmen sein, die Autonomie und Intelligenz konsequent ins Zentrum ihrer Supply‑Chain‑Strategie stellen“, resümiert Dr. Stefan Penthin, Global Head of Operations bei BearingPoint.




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