Spring GDS analysiert EU-Zollreform 2026

24.02.2026 12:31 Uhr | Lesezeit: 3 min
Zoll Europa
Drei Euro Zoll: EU reformiert Importregeln
© Foto: KolimaPX/ AdobeStock

Ab Juli 2026 erhebt die EU drei Euro Zoll auf Importe unter 150 Euro. Spring GDS bewertet die Folgen für E-Commerce und Logistik.

Spring GDS, Teil der PostNL-Gruppe, hat eine Analyse zur anstehenden Zollreform der Europäische Union vorgelegt. Die Neuregelung wird ab 2026 zentrale Prozesse im grenzüberschreitenden E-Commerce grundlegend verändern.

Kern der Reform ist eine einheitliche Zollabgabe von drei Euro auf alle geringwertigen Sendungen aus Nicht-EU-Staaten mit einem Warenwert unter 150 Euro. Die Regelung tritt zum 1. Juli 2026 in Kraft und markiert einen deutlichen politischen Kurswechsel.

Milliarden Sendungen im Fokus der Reform

Hintergrund der Entscheidung ist das starke Wachstum internationaler Online-Marktplätze außerhalb der EU. Insbesondere der Warenstrom von China in die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Rund 91 Prozent der geringwertigen Einfuhren stammen aus China und werden über Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress vertrieben. Täglich erreichen etwa zwölf Millionen Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro die EU – hochgerechnet mehr als 4,6 Milliarden Sendungen pro Jahr.

Nach Angaben des Handelsverband Deutschland werden allein in Deutschland täglich rund 400.000 Pakete von Shein und Temu zugestellt.

Das rasante Wachstum hat die bestehenden Zollstrukturen an ihre Grenzen gebracht. Ziel der Reform ist es, fiskalische Fairness zu stärken, Betrugsrisiken zu senken und Anreize für künstlich aufgesplittete Sendungen zu reduzieren.

Neue Gebührenstruktur erhöht Kostendruck

Die neue Zollabgabe von drei Euro wird pro Produktkategorie innerhalb eines Pakets erhoben. Zusätzlich ist ab November 2026 eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Sendung vorgesehen – vorbehaltlich finaler Leitlinien der Europäischen Kommission.

Betroffen sind nicht nur Waren aus China, sondern auch Importe aus Großbritannien und weiteren Nicht-EU-Ländern. Für Händler mit volumenstarken und margenschwachen Geschäftsmodellen stellt die Reform eine unmittelbare wirtschaftliche Herausforderung dar, da sie die bisherige Kostenstruktur signifikant verändert.

Darüber hinaus führen mehrere EU-Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Rumänien und Italien, bereits eigene administrative Gebühren ein. Diese nationalen Sonderregelungen gelten als eine der größten operativen Ineffizienzen im europäischen Binnenhandel.

Strategische Weichenstellung für 2026

Spring GDS bewertet die Reform nicht ausschließlich als Belastung, sondern auch als Impuls für strukturelle Anpassungen. Mit Lösungen wie Postal Delivered Duty Paid (PDDP), automatisierter Steuerkalkulation und Unterstützung bei der Vorabfertigung (Pre-Clearance) will das Unternehmen Händlern helfen, regulatorische Unsicherheiten zu minimieren und reibungslose Lieferprozesse sicherzustellen.

Zoll- und Regulierungskompetenz entwickelt sich damit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend für den Erfolg im internationalen E-Commerce wird künftig weniger die reine Unternehmensgröße sein, sondern vielmehr die Fähigkeit, Lieferketten neu auszurichten, regionale Fulfillment-Strukturen aufzubauen und mit Logistikpartnern zusammenzuarbeiten, die regulatorische Komplexität aktiv steuern.

„2026 ist ein struktureller Wendepunkt“, sagt Stefan Böhler, Managing Director Germany bei Spring GDS. „Händler müssen weg von reaktiver Logistik hin zu strategischer Supply-Chain-Planung mit kalkulierbaren Checkout-Kosten, Klarheit an den Grenzen und einer zuverlässigen Zustellung bis an die Haustür. Logistikdienstleister wie Spring GDS spielen dabei eine Schlüsselrolle: beim Pakettransport und als Partner, der Marken sicher durch die neuen Anforderungen führt. Wer jetzt in intelligente Logistik und regulatorische Vorbereitung investiert, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.“


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