Sabotage, Spionage und nicht identifizierte Drohnen sorgen seit längerem für erhöhte Aufmerksamkeit bei Betreibern kritischer Infrastruktur. Schleswig-Holstein reagiert darauf nun mit neuen Sicherheitsmaßnahmen. Die Landesregierung will gemeinsam mit Netz- und Hafenbetreibern angesichts aktueller Bedrohungen und Anschläge den Schutz kritischer Infrastruktur in dem Bundesland stärken.
„Wir in Schleswig-Holstein als Land zwischen Nord- und Ostsee sind da ganz besonders im Fokus“ sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach einer Kabinettsitzung, an der auch Betreiber der Energieversorgung und der Häfen teilnahmen. In den Beratungen sei es vor allem um die Frage gegangen, in welchen Bereichen weitere Vorkehrungen nötig seien.
Drohnenabwehr und Lagebild für Häfen und Energieanlagen
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf möglichen Bedrohungen durch Drohnen. Innenministerin Magdalena Finke (CDU) kündigte die Erstellung eines neuen flächendeckenden Lagebilds zum Zustand der kritischen Infrastruktur an. Geplant sei zudem neben einer neuen vertraulichen Kommunikationsplattform auch der Ankauf von Unterwasser-Drohnen, die Polizisten für den Schutz der Häfen erproben sollen.
Drohnen in der Luft und unter Wasser seien eine besondere Gefahr für wichtige Anlagen. „Bei der Drohnenabwehr zählt jede Sekunde“, sagte Finke. Die Innenministerin kündigte einen Gesetzesvorstoß in den kommenden Wochen an.
Häfen sehen steigende Risiken durch Drohnen
Auch die Hafenbetreiber sehen bei diesem Thema weiteren Handlungsbedarf. Der Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe, Lübecks Hafenchef Sebastian Jürgens, bezeichnete die Erstellung eines flächendeckenden Lagebildes als entscheidend.
Die Gefahr für Seehäfen durch Drohnen drohe aus allen Richtungen - sowohl aus der Luft als auch von Wasser- oder Landseite. Deshalb eigneten sich Seehäfen ganz besonders als Pilotregionen.
Praxisbeispiel Brunsbüttel: Drohnenvorfälle sorgen für Handlungsdruck
Wie konkret sich diese Bedrohungslage bereits bemerkbar macht, zeigt das Beispiel Brunsbüttel. Brunsbüttels Hafenchef Frank Schnabel sagte nach dem Treffen in Kiel: „Wir sind in Brunsbüttel schon seit langem konfrontiert mit dieser sogenannten Bedrohungslage.“ Im August 2024 seien dort erstmalig viele Drohnenüberflüge beobachtet worden, die nicht zugeordnet werden konnten.
In Schleswig-Holsteins größtem Industriebetrieb gibt es nach seinen Angaben rund 5.000 Arbeitsplätze. In Brunsbüttel gibt es neben einem LNG-Terminal unter anderem auch Chemieindustrie.