Milence, das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck, der Traton Group und der Volvo Group, hat eine Finanzierungsvereinbarung über 120 Millionen Euro abgeschlossen. Ziel sei es, den Ausbau eines europaweiten Netzes öffentlicher Hochleistungs-Ladestationen für schwere Nutzfahrzeuge weiter voranzutreiben, wie das Unternehmen mitteilt. Die Vereinbarung markiert zugleich den ersten Zugang des Unternehmens zum breiteren Kapitalmarkt.
Die Finanzierung wird von einem internationalen Konsortium getragen. Dazu zählen Fonds der Infrastruktur-Debt-Plattform Bridge von Edmond de Rothschild Asset Management verwaltet, Íslandsbanki, Invest-NL sowie Invest International. Unterstützt wird die Transaktion durch Mittel aus dem InvestEU-Fonds der Europäischen Union. Der Abschluss der Finanzierung wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich der üblichen Bedingungen.
Ergänzung zur bestehenden Eigenkapitalbasis
Die neue Fremdfinanzierung ergänzt die anfänglichen Eigenmittel der drei Gründungsunternehmen in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro. Mit den zusätzlichen Mitteln wolle Milence den emissionsfreien Straßengüterverkehr vorantreiben und den Aufbau einer skalierbaren, wirtschaftlich tragfähigen Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw beschleunigen.
Anja van Niersen, Chief Executive Officer von Milence, betont die strategische Bedeutung der Finanzierung: „Die Sicherung dieser 120-Millionen-Euro-Fazilität ist ein wichtiger Schritt zur Skalierung unseres Netzwerks in ganz Europa und spiegelt die starke Dynamik auf dem Markt wider. Der elektrische Straßengüterverkehr ist nicht nur zentral für die Dekarbonisierung des Verkehrs, sondern auch eine wichtige Säule der Energiewende und Unabhängigkeit Europas. Sie verringert die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen und stärkt gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Die Technologie ist bereit, der Business Case zeichnet sich ab, und mit anhaltender Dynamik und politischer Unterstützung können wir diesen Wandel in ganz Europa skalieren.“
34 Ladeparks bereits in Betrieb
Aktuell betreibt Milence nach eigenen Angaben 34 Ladeparks in acht europäischen Ländern. Weitere 16 Standorte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Bis Ende 2028 sollen insgesamt 90 Ladeparks in Betrieb sein. Damit positioniert sich das Unternehmen als einer der zentralen Akteure beim Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur für den elektrischen Fernverkehr.
Parallel dazu wächst das Angebot an Lkw-geeigneten Ladepunkten entlang europäischer Hauptverkehrsachsen. Derzeit sind es rund 1800 Ladepunkte, die für schwere Nutzfahrzeuge ausgelegt sind. Milence plant, diesen Ausbau durch zusätzliche Hubs entlang wichtiger Transportkorridore weiter zu unterstützen.
Fokus auf Megawatt-Ladesysteme
Ein Schwerpunkt der nächsten Ausbaustufe liegt auf der Einführung von Hochleistungs-Megawatt-Ladesystemen (MCS). Milence hat bereits an drei großen Standorten entsprechende Systeme implementiert und arbeitet am Aufbau eines ersten MCS-Korridors. Ziel sei es, die Infrastruktur frühzeitig auf steigende Leistungsanforderungen im Fernverkehr vorzubereiten.
Wolfgang Brand, Chief Financial Officer von Milence, sieht die Finanzierung auch als strategisches Signal: „Diese Finanzierung markiert den ersten Zugang des Unternehmens zum breiteren Kapitalmarkt und stärkt unsere Position für zukünftige Kapitalbeschaffungen.“
Breite Unterstützung durch Finanzierungs- und Entwicklungspartner
Auch die Finanzierungspartner unterstreichen die Bedeutung des Projekts für die europäische Verkehrswende. Shirley Chojnacki, Head of Energy bei der Edmond de Rothschild Bridge Plattform, erklärt gemeinsam mit Jean-Francis Dusch, CIO von Bridge: „Dank der starken Unterstützung durch führende europäische Lkw-Hersteller sowie seinen First-Mover-Vorteil im Bereich dedizierter Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge ist Milence gut positioniert, um die beschleunigte Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs voranzutreiben.“
Jeroen Plag, Chief Investment Officer bei Invest International, verweist auf die Bedeutung einer verlässlichen Ladeinfrastruktur für den Markthochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge: „Der Fortschritt im großen Maßstab hängt nun von der Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge und von der rechtzeitigen Verfügbarkeit einer zuverlässigen, umfassenden Ladeinfrastruktur ab, die mit dem Markt wachsen kann.“
Infrastruktur als Schlüssel zur emissionsfreien Logistik
Mit der steigenden Kunden-Nachfrage nach nachhaltigen Transportlösungen wächst auch der Bedarf an speziell auf Lkw ausgelegten Ladeangeboten. Milence setzt dabei auf strategisch platzierte Standorte für den Fern- und Regionalverkehr und will Flottenbetreibern ein standardisiertes, qualitativ hochwertiges Ladeerlebnis bieten. Der weitere Infrastrukturausbau gilt als zentrale Voraussetzung für die großflächige Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs in Europa.